Trennung von PKV und GKV ein Auslaufmodell?

Sebastian

Trennung PKV und GKV ein Auslaufmodell? Wie lange werden beide Krankenversicherungssysteme noch nebeneinander existieren?

06.01.2011

Die Trennung der Privaten und Gesetzlichen Krankenversicherung sei nach Ansicht des Gesundheitsexperten Stefan Etgeton ein „Auslaufmodell“. Etgeton ist Experte für Gesundheit des Bundesverbands der Verbraucherzentralen.

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Nebeneinander ein Auslaufmodell
Wird es zukünftig einen parallelen Fortbestand der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung geben? Wird stattdessen eine solidarische Bürgerversicherung eingeführt oder werden sich die gesetzlichen Krankenkassen immer weiter privatisieren? Der Verbraucherschutzexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen glaubt nicht an den Fortbestand des Nebeneinanders beider Systeme. So sagte Stefan Etgeton gegenüber der Zeit: "Ich glaube nicht, dass unser deutsches Modell mit seinem Nebeneinander von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen eine Zukunft hat.“ Der Experte begründete seine Auffassung vor allem mit den zukünftigen finanziellen Problemen der PKV-Branche. Denn auffällig sei eben, dass entgegen der öffentlichen Meinung die Beiträge der PKV kontinuierlich steigen und zwar stärker, als bei den Gesetzlichen. "Wir erleben seit Jahren, dass die Beiträge in der PKV stärker steigen als bei den gesetzlichen Kassen", sagte der Experte in einem Gespräch mit der Zeit. Die private Versicherungsbranche unternähme seiner Ansicht beispielsweise weniger gegen die steigenden Kosten der Ärztehonorare, als die gesetzlichen Krankenkassen. Das gelte auch bei den Arzneimitteln- „und das sind die stärksten Kostentreiber".

Versicherungsmakler mit hohen Verdiensten
Nach wie vor stark profitieren die Versicherungsmakler der Branche. Können sie eine PKV Versicherung verkaufen, bekommen sie zwischen 9 und 18 Monatsraten pro abgeschlossenen Vertrag ausgezahlt. "Diesen Kostenfaktor bekommt die Branche nicht in den Griff", sagte der Verbraucherschützer. Doch ohne die Makler wird die Branche die Verkaufsrate wohl kaum steigern können. Sie bleiben so oder so ein wichtiger Faktor, der sich gut besolden lässt.

Annäherung der beiden Systeme hat schon begonnen
Die Annäherung der beiden Krankenversicherungssysteme hat nach Ansicht des Verbraucherschützers schon begonnen. "Schon jetzt werden die Unterschiede zwischen beiden Versicherungsarten kleiner, die PKV übernimmt Instrumente zur Kostensenkung wie Zwangsrabatte, und die gesetzlichen Kassen sollen das Prinzip der Kostenerstattung einführen“. Doch wo wird die Reise hingehen? Wird nun endlich eine solidarische und einheitliche Bürgerversicherung eingeführt, die vor allem die politische Opposition fordert, oder werden die Krankenkassen eine schleichende Privatisierung erleben? Der Weg ist noch völlig offen und es wird in Zukunft darauf ankommen, wer die politische Mehrheit in Deutschland bilden wird. Ähnlich sieht das auch Etgeton in der „Zeit“: "Entweder die heutigen Oppositionsparteien führen irgendwann ihre sogenannte Bürgerversicherung ein, die ja einheitliche Leistungen für alle anbieten soll – oder wir erleben einen schleichenden Abschied vom zweigeteilten Versicherungsmarkt. Diesen Abschied wollen auch viele in den Regierungsparteien".

Wechsel macht nur in wenigen Fällen Sinn
Die Bundesregierung hat im Zuge der Gesundheitsreform die Zugangsvoraussetzung für Angestellte, die von der Gesetzlichen in die Private wechseln wollen, erheblich gelockert. Durch diese Maßnahme soll offensichtlich die PKV Branche gestärkt werden. Doch lohnt sich tatsächlich ein Wechsel? Nach Auffassung des Verbraucherschützers ist die Offerte nur für sehr wenige Menschen interessant und wahrscheinlich nur von kurzweiliger Dauer. "Kurzfristig lohnt sich der Wechsel vor allem für gutverdienende Menschen ohne Kinder. Plant man eine Familie, ist die gesetzliche Krankenversicherung mit ihrer Beitragsfreiheit für Kinder und Partner schon wieder attraktiver. Jungen privat Versicherten ist auf jeden Fall zu empfehlen, Rücklagen zu bilden für die steigenden Gesundheitskosten im Alter." Beachten sollten alle Wechselwilligen, dass ein Zurück in den Schoß der Gesetzlichen Krankenversicherung kaum mehr möglich ist. Wurde der Wechsel des Krankenversicherungssystems unternommen, gibt es kein Zurück mehr. Und daran wird sich in naher Zukunft auch nichts ändern. (sb)