Triclosan: Keine bakterienfreien Hände durch Seife mit Chemikalienzusatz

Fabian Peters
Antibakterielle Seifen: Teuer und nutzlos
Viele Menschen setzen im Kampf gegen Krankheitserreger auf antibakterielle Seifen. Eine neue Studie zeigt nun, dass das mit dem häufig verwendeten Inhaltsstoff Triclosan nichts bringt. Der chemische Zusatz kann sogar der Gesundheit schaden.

Händewaschen schützt vor Krankheitserregern
Gründliches Händewaschen ist wichtig, um sich vor gefährlichen Krankheitserregern zu schützen. Viele Menschen setzen dabei auf antibakterielle Seifen. Doch solche Produkte sind nicht nur teuer, sondern in vielen Fällen auch nutzlos. Mitunter können sie sogar der Gesundheit schaden. So berichtet ein Forscherteam aus Südkorea, dass Triclosan, das in vielen festen und flüssigen Seifen steckt, in der üblichen Konzentration die Bakterienzahl nicht reduziert. Die Wissenschaftler kamen in mehreren Versuchen zu diesem Ergebnis. Diesem Stoff wird schon seit langem eine potentiell gesundheitsgefährdende Wirkung nachgesagt.

Antibakterielle Seifen bleiben meist ohne Zusatznutzen. (Bild: aleksandarfilip/fotolia.com)
Antibakterielle Seifen bleiben meist ohne Zusatznutzen. (Bild: aleksandarfilip/fotolia.com)

Triclosan bietet keinen Zusatznutzen
Man muss beim Händewaschen nicht zu teuren Spezialprodukten greifen, um sich vor Keimen zu schützen. Herkömmliche Seife reicht aus. Die Zeitschrift „Ökotest“ kam Anfang des Jahres zu dem Schluss, dass antibakterielle Produkte zwar beliebt aber überflüssig seien. Die getesteten Produkte wie Flüssigseifen, Desinfektionsgele, Hygienetücher oder Sprays konnten Versprechungen wie „Entfernt 99,999 Prozent aller Bakterien“ nicht halten. Eine neue Untersuchung von Forschern aus Südkorea zeigt nun, dass der als antibakteriell angepriesene Wirkstoff Triclosan in der Seife beim Händewaschen keinen zusätzlichen Nutzen bietet. In der Konzentration, in der er in handelsüblichen Seifen enthalten ist, reduziert er die Bakterienzahl nicht. Zu diesem Ergebnis kam ein Forscher-Team um Min-suk Rhee von der Korea University in Seoul. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse vor kurzem im Fachmagazin „Journal of Antimicrobial Chemotherapy“.  Für ihre Untersuchung setzten die Forscher 20 Bakterienstämme für 20 Sekunden einer Seifenlösung mit 0,3 Prozent Triclosan aus. 20 Sekunden sind etwa die Zeit, die wir durchschnittlich fürs Händewaschen aufbringen. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, entspricht die Triclosan-Konzentration der höchsten in der EU und vielen Ländern erlaubten Anreicherung in Seifen.

Verwendung in manchen Ländern untersagt
Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Triclosan-Lösung weder in einem Versuch bei 22 Grad noch bei 40 Grad einen besseren Effekt als dieselbe Seifenlösung ohne Triclosan hatte. Erst nach einer Einwirkzeit von etwa neun Stunden zeigte sich ein merklicher Unterschied zwischen Seifenlösungen mit und ohne die Chemikalie. Die Forscher baten dann 16 gesunde Erwachsene, sich die Hände mit einer der beiden Seifenlösungen zu waschen. Es zeigte sich, dass die Bakterienzahl in beiden Fällen etwa gleich stark reduziert wurde. Den Wissenschaftlern zufolge hatten Lösungen mit höheren Konzentrationen von 0,45 bis 2,0 Prozent Triclosan in früheren Studien einen spürbaren Effekt auf Bakterien. Allerdings dürfen solche Seifen derzeit in vielen Staaten nicht mehr verwendet werden.

Wegen möglicher Gesundheitsschäden in der Kritik
Bereits seit längerer Zeit steht Triclosan wegen möglicher Gesundheitsschäden in der Kritik. So kam ein US-Forscherteam Ende 2014 im Versuch mit Mäusen zu dem Schluss, dass Triclosan Leberkrebs fördern könnte. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass der Stoff zu hormonellen Störungen führen kann und den Muskeln schadet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte schon 2006 gefordert, dass antibakterielle Wirkstoffe wie Triclosan der Desinfektion in Krankenhäusern und Arztpraxen vorbehalten bleiben sollten. Denn andernfalls könnte die Resistenzentwicklung von Bakterien gefördert werden.

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Folgen für die Umwelt
Außerdem kann das in vielen Desinfektions- und Reinigungsmitteln, Kosmetika und spezieller Kleidung steckende Triclosan auch Folgen für die Umwelt haben. Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist es giftig für Algen. Ein Abbaustoff davon reichere sich unter anderem in Fischen an. Laut dpa kam ein Team um Christina Pieper vom BfR in einer Studie 2014 zu dem Schluss, dass antimikrobielle Stoffe auch in Haushaltsreinigern überflüssig sind: „Gesundheitliche Risiken durch Mikroorganismen sind in einem regelmäßig gereinigten Haushalt nicht zu befürchten, vorausgesetzt, die Grundregeln der Hygiene werden beachtet.“ Vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) wurde zur Verwendung von Triclosan mitgeteilt, dass es keine neuen wissenschaftlich anerkannten Erkenntnisse gebe, die die Anwendung in kosmetischen Mitteln in Frage stellen könnten. Die Sicherheit von Triclosan sei demnach mehrfach überprüft worden. Anzumerken ist, dass nicht alle Flüssig- und Festseifen, die als „antibakteriell“ beworben werden, Triclosan enthalten. (ad)