Troponin-Spiegel kann Herzinfarkte und Schlaganfälle vorhersagen

Alfred Domke
Erhöhter Troponin-Spiegel mit größerem Risiko für Herzkreislauferkrankungen verbunden
Ein internationales Forscherteam hat festgestellt, dass schon ein leichter Anstieg des Eiweißes Troponin mit einem erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen verbunden ist. Durch die neuen Erkenntnisse könnte die Vorhersage von Herzinfarkt und Schlaganfall verbessert werden.

Schnelles Handeln kann Leben retten
Pro Jahr erleiden rund 300.000 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt. Im Akutfall ist rasches Handeln nötig. Eine rechtzeitige Herzinfarkt-Diagnose rettet Leben. Zur klinischen Routine bei der Diagnose von Herzinfarkten gehört seit vielen Jahren die Messung des Troponin-Spiegels. In einer Studie wurde nun belegt, dass bei gesunden Personen leichte Erhöhungen von Troponin mit einem erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen verbunden sind. Damit kommt dem Proteinkomplex eine besondere Rolle für die Vorhersage von Herzinfarkt und Schlaganfall zu.

In einer Studie wurde nachgewiesen, dass bei gesunden Personen leichte Erhöhungen von Troponin mit einem erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen verbunden sind. Durch die neuen Erkenntnisse könnte die Vorhersage von Herzinfarkt und Schlaganfall verbessert werden. (Bild: hriana/fotolia.com)

Erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko bei Anstieg des Troponin-Spiegels
Vor dem Hintergrund, dass Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems in den westlichen Industrieländern die häufigste Todesursache darstellen, ist eine möglichst präzise Vorhersage kardiovaskulärer Ereignisse besonders wichtig.

Der Biomarker Troponin spielt hier eine wichtige Rolle. Er hat eine hohe prognostische Bedeutung bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK), berichteten Wissenschaftler auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) vor wenigen Monaten.

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Auch die Ergebnisse der Meta-Studie des Epidemiologen Peter Willeit von der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie könnten wesentlich zu Prognose und gezielter Vorsorge beitragen, heißt es in einer Mitteilung der Medizinischen Universität Innsbruck (Österreich).

Bereits ein leichter Anstieg des Troponin-Spiegels im Blut gesunder Personen (auch innerhalb des „Normalbereiches“) ist demnach mit einem erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen verbunden.

Zusammenhang nachweislich bestätigt
Im Rahmen der Studie wurden Daten aus der sogenannten PROSPER-Studie (Pravastatin in Elderly Individuals at Risk of Vascular Disease Study) mit Daten von insgesamt 154.052 ProbandInnen aus 27 weiteren Untersuchungen aus einem Beobachtungszeitraum von 11,9 Jahren zusammengeführt und analysiert.

Dabei konnte der Zusammenhang zwischen erhöhtem Troponin-Spiegel und einem späteren kardiovaskulären Ereignis unabhängig von anderen Risikoparametern nachweislich bestätigt werden.

Willeit hat die Studie zusammen mit dem Innsbrucker Neurologen Stefan Kiechl und PhD-Studentin Lena Tschiderer sowie weiteren KollegInnen in Großbritannien, Holland und Irland durchgeführt.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden vor kurzem im „Journal of the American College of Cardiology“ veröffentlicht.

Standard bei der Diagnose von Herzinfarkt
Das bereits in den 1960er Jahren identifizierte kardiale Troponin wird in den Herzmuskelzellen gebildet und bei Schädigung, etwa durch Herzinfarkt, ins Blut freigesetzt.

Die Messung des Troponin-Spiegels gilt als Goldstandard der Infarktdiagnostik und wird auch als Indikator für das Ausmaß der Herzmuskelschädigung herangezogen.

Die Entwicklung immer sensitiverer Messmethoden ermöglicht inzwischen die zuverlässige Detektion von Troponin-Spiegeln in sehr geringer Konzentration.

„Mit diesen neuen Assays ist der Troponin-Spiegel heute bei dem Großteil der Allgemeinbevölkerung mess- und darstellbar. Seine Rolle als Marker für kardialen Stress oder erhöhte Herzbelastung haben wir deshalb genauer unter die Lupe genommen“, so Willeit.

Gezielte Prognose und Therapieanpassung
„In jenem Drittel der ProbandInnen, in dem der Troponin-Spiegel am höchsten lag, war das Risiko, eine Herzkreislauferkrankung zu erleiden, um immerhin 43 Prozent erhöht“, erklärte der Studienautor.

„Unsere Daten zeigen ein erhöhtes Risiko nicht nur für die Entwicklung eines Herzinfarkts, sondern auch für das Auftreten eines Schlaganfalls an“, so Willeit.

Der damit nachdrücklich bestätigte Zusammenhang von moderat erhöhtem Troponin-Spiegel bei scheinbar gesunden ProbandInnen und dem Eintreten einer Herzkreislauferkrankung könnte für eine bessere Prognose und eine damit ermöglichte gezielte Prävention künftig von wertvollem Nutzen sein. (ad)