Trotz ständiger Hauterneuerung: Warum ein Tattoo nicht verblasst

Alfred Domke

Neue Erkenntnisse: Deshalb verblassen Tätowierungen nicht

Rund 15 Prozent der Deutschen haben ein Tattoo. So manch einer wünscht sich, es lieber nicht zu haben, doch die Tätowierung bleibt bestehen – und das obwohl sich die Haut ständig erneuert. Forscher haben nun herausgefunden, warum Tattoos nicht verblassen.


Tattoos verschwinden trotz Hauterneuerung nicht

Zwar waren Tätowierungen früher gesellschaftlich eher geächtet und speziellen Bevölkerungsgruppen vorbehalten (z.B. Seefahrer, Gefängnisinsassen) , doch heute sind sie weithin akzeptiert und in allen Gesellschaftsschichten zu finden. Manche wollen die Bilder oder Schriftzüge auf der Haut aber wieder loswerden. Nur schade, dass die Tattoos nicht einfach so wieder verschwinden, auch nicht, obwohl sich die Haut ständig erneuert. Forscher haben nun herausgefunden, warum die Farben erhalten bleiben.

Obwohl sich die Haut ständig erneuert, bleiben Tattoos erhalten. Forscher haben nun herausgefunden, warum Tätowierungen nicht verblassen. (Bild: K.- P. Adler/fotolia.com)

Alte Jugendsünden entfernen

Mal ist es eine kleine Rose am Arm, mal ein Delphin auf dem Rücken; es kann aber auch der Name der Ex sein oder ein hässliches „Arschgeweih“: Viele Menschen haben sich ein Tattoo stechen lassen, das sie wieder loswerden wollen.

Doch welche Möglichkeiten bestehen, um sich die Körperbilder entfernen zu lassen?

Die Entfernung per Laser ist zwar manchmal mit großen Gesundheitsrisiken verbunden. Dennoch gilt sie als die sicherste und effektivste Methode.

Doch warum ist es eigentlich so problematisch, Tätowierungen wieder zu entfernen? Schließlich erneuert sich die Haut ja ständig. Forscher aus Frankreich haben nun eine Antwort darauf gefunden.

Farbpartikel lagern sich in Makrophagen ab

Beim Tätowieren werden wasserunlösliche Farbpigmente in die Haut gestochen. Früher ging man davon aus, dass das Tattoo deshalb dauerhaft erhalten bleibt, weil die Tinte Bindegewebszellen einfärbt.

Französische Wissenschaftler haben nun jedoch bei Mäusen zeigen können, dass sich die Farbpartikel in Fresszellen – sogenannten Makrophagen – ablagern.

Wenn diese Zellen absterben, werden die Pigmente zwar zunächst freigesetzt, jedoch nur bis sie von neuen Makrophagen wieder aufgenommen werden.

Wie die Forscher von der Aix Marseille Université im Fachmagazin „Journal of Experimental Medicine“ berichten, bleiben die Partikel bei diesem Prozess weitgehend in ihrer ursprünglichen Position, so dass sich die Tätowierung nicht erkennbar verändert.

Schwänze von Mäusen tätowiert

Um zu ihren Ergebnissen zu gelangen, tätowierten die Forscher die Schwänze von Mäusen. Die Tiere wurden gentechnisch so verändert, dass die Hautmakrophagen durch die Verabreichung eines Toxins gezielt zerstört werden konnten.

Die Wissenschaftler untersuchten Abschnitte der tätowierten Haut unter einem Mikroskop, um zu bestätigen, dass die Tintenpartikel tatsächlich von den Makrophagen aufgenommen wurden.

Danach infizierten sie die Nager mit Diphtherie, was dazu führte, dass Makrophagen zerstört wurden. Einige Wochen danach hatten neue, aus dem Blut eingewanderte Makrophagen die zerstörten Zellen ersetzt. Das Tattoo blieb unverändert.

Bessere Entfernung von Tätowierungen

„Die Tatsache, dass sich Makrophagen kaum in der Haut bewegen, erklärt, warum das Tattoo ziemlich stabil ist“, erklärte Studienautorin Sandrine Henri laut einem Bericht der Fachzeitschrift „Scientific American“.

„Außerdem sind die in der Tätowiertinte vorhandenen Pigmentpartikel recht groß und fließen aufgrund ihrer Größe nicht über die Lymphgefäße in die Lymphknoten ab. Sobald sie von absterbenden Makrophagen freigesetzt werden, bleiben sie stecken, bis sie von anderen Makrophagen aufgenommen werden“, so die Forscherin.

Simon Yona, Immunologe am University College London, der Makrophagen untersucht und nicht an der Studie beteiligt war, lobte die Arbeit der französischen Wissenschaftler.

Sie „bietet tatsächlich eine Strategie, um unerwünschte Tattoos zu entfernen, in Kombination mit konventionellen Ansätzen, die besonders nützlich sein könnten, um kleine Tattoos an einem genau definierten Ort zu entfernen.“

Henri sagte, dass sie und ihre Kollegen bereits dabei sind, eine Methode zu entwickeln, um bestimmte Arten von Immunzellen mit genetischen Anweisungen zu versorgen, und dass sie planen, in den nächsten Phasen ihrer Arbeit eng mit Dermatologen zusammenzuarbeiten.

Sie hofft, dass die Laser-Tattoo-Entfernung besser funktionieren könnte, wenn sie in Kombination mit der vorübergehenden Hemmung der Haut-Makrophagen-Funktion durchgeführt wird. (ad)