Übergewicht ist zur weltweiten Epidemie geworden

Heilpraxisnet

Forscher warnen vor der Ausbreitung von Übergewicht und Adipositas

26.08.2011

Weltweit betrachtet entwickeln sich Übergewicht und Adipositas derzeit zu einer regelrechten Epidemie. Wie das britische Fachjournal „The Lancet“ in einem Leitartikel berichtet, sind insgesamt mehr als zwei Milliarden Menschen übergewichtig oder fettleibig.

Übergewicht und Fettleibigkeit entwickeln sich weltweit zu einem größeren Risiko für die Gesundheit als Rauchen, erklären die Autoren. Doch während die internationale Staatengemeinschaft beim Tabakkonsum eine Rahmenkonvention zur Reduzierung der gesundheitlichen Folgen erlassen hat, fehlen vergleichbare Regelungen in Bezug auf die Kontrolle von Übergewicht und Fettleibigkeit gänzlich, so die Darstellung in der medizinischen Fachzeitschrift.

Zwei Milliarden Menschen übergewichtig oder adipös
Die Autoren fordern in ihrem Beitrag daher ein deutlich strikteres Vorgehen der Regierungen weltweit gegen die Ausbreitung von Übergewicht. Jüngste Studien australischer Forscher von der University of Melbourne hätten ergeben, dass weltweit mehr als 1,5 Milliarden Erwachsene unter Übergewicht leiden und weitere 500 Millionen Personen gelten bereits als adipös. Hinzu kommen den australischen Studien zufolge 170 Millionen übergewichtige oder adipöse Kinder. Insgesamt leiden somit mehr als zwei Milliarden Menschen unter Gewichtsproblemen, die ihre Gesundheit beeinträchtigten können – Tendenz steigend. Die internationale Staatengemeinschaft müsse daher mit radikalen Schritten gegen Übergewicht und Fettleibigkeit vorgehen, so die Forderung in dem Leitartikel des Fachjournals „The Lancet“. Die Vereinten Nationen (UN) sollten mit vergleichbaren Maßnahmen wie der Rahmenkonvention zur Regulierung des Tabakkonsums der Verbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit entschieden entgegentreten, so die Forderung der Autoren. Denn ohne staatlich Führung ist die Epidemie des Übergewichts nicht mehr zur kontrollieren, so die Darstellungen der Experten in dem renommierten britischen Fachjournal.

In einigen Staaten wie zum Beispiel den USA, Neuseeland oder Australien ist Adispositas laut Aussage des Leitartikels heute die größte vermeidbare gesundheitliche Bedrohung. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Gewichtsprobleme sind verbreiteter als die Folgen des Tabakkonsums. Allerdings fällt der Anteil übergewichtiger Personen an der Bevölkerung international äußerst unterschiedlich aus. Während in den USA beispielsweise ein Drittel der Frauen einen Body-Mass-Index (BMI) über 30 aufweist, ist dies in Japan und China bei lediglich einer von 20 erwachsenen Frauen der Fall, berichten „The Lancet“. Der BMI spiegelt dabei das Verhältnis von Körpergewicht zur Größe wider. Ab einem BMI über 25 gelten Menschen als übergewichtig, ab 30 als adipös. Das Phänomen tritt laut Darstellung der britischen Fachzeitschrift heute nicht nur in modernen Industrienationen auf, sondern auch in Staaten mit geringen oder mittlerem Pro-Kopf-Einkommen.

Maßnahmen zur Kontrolle von Übergewicht und Fettleibigkeit gefordert
Als mögliche gesundheitliche Folgen von Übergewicht und Adipositas nennt die Weltgesundheitsorganisation unter anderem ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schäden an den Blutgefäßen und verkalkte Arterien. Außerdem steigt laut Aussage der WHO das Risiko von Diabetes und Demenz-Erkrankungen sowie von Herzinfarkten und Schlaganfällen. Ursache der stetig steigenden Zahl von Betroffenen sind den Experten zufolge vor allem Bewegungsmangel und falsche Ernährung. Daher fordern Wissenschaftler der Harvard School of Public Health im US-amerikanischen Boston zum Beispiel die Erhebung von Zusatzsteuern auf ungesunde Nahrungsmittel und Getränke. Auch sollte die Werbung für ungesunde Lebensmittel reglementiert werden, um eine weitere Ausbreitung der Fettleibigkeit zu vermeiden, so die Aussage der Experten. Die Wissenschaftler mahnen dazu, beim UN-Treffen im September die Epidemie-artige Ausbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit dringend zu berücksichtigen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. (fp)

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