Übergewicht: Low-Energy-Diät mit normaler Sättigung fördert das Abnehmen

Volker Blasek

Durch ausreichendes Sättigungsgefühl weniger Kalorien aufnehmen

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Probanden, die eine Diät mit speziellen Lebensmitteln durchführten, eine geringere Energiedichte haben, als andere. Dadurch sind sie eher gesättigt und fühlen sich geneigter, weniger zu essen, als diejenigen, die eine Diät mit geringerer Nahrungszufuhr probierten. Den Studienergebnissen zufolge konnten Teilnehmer, die diese „Low Energy“ Diät durchführten, ihren Kalorienverbrauch um durchschnittlich 1.000 Kalorien pro Tag verringern. Die ersten Erfolge konnten bereits nach einigen Wochen beobachtet werden.


Satt trotz Diät ist die Devise der Low Energie Diät. Sie besteht vorwiegend aus Nahrungsmitteln mit niedriger Energiedichte, die viel Wasser, Proteine und Ballaststoffe enthalten. Das führt zu größeren Portionen im Vergleich zu Lebensmitteln mit hoher Energiedichte. Hungerattacken bleiben also aus. Die Studie wurde von der University of Leeds geleitete und kürzlich im „Journal of Nutrition“ publiziert.

Low-Energy-Diät ohne Heißhunger (Bild: fahrwasser/fotolia.com)

Vergleiche mit anderen Diäten

In der Studie verglichen die Wissenschaftler das Low Energy Ernährungskonzept mit der von der englischen Gesundheitsbehörde (NHS) vorgeschlagenen „Eat Well“ Diät. Den Ergebnissen zufolge verloren die Probandinnen beider Diäten Gewicht. Es zeigte sich jedoch, dass die Frauen aus der „Low Energie“ Gruppe durchschnittlich klinisch bedeutsamere Mengen von mehr als fünf Prozent ihres Körpergewichts verloren.

Mehr Kontrolle über die Essgewohnheiten

„Lebensmittel mit niedriger Energiedichte haben dazu beigetragen, dass sich die Menschen mehr Kontrolle über ihre Ernährungsgewohnheiten aneignen konnten“, berichtet Dr. Nicola Buckland in einer Pressemitteilung der University of Leeds zu den Studienergebnissen. Dies habe den Prozess des Abnehmens durchschnittlich effektiver gemacht.

Abnehmen ohne zu hungern

„Viele Menschen verzichten auf Diäten, weil sie sich zwischen den Mahlzeiten hungrig fühlen“, berichtet Buckland, die auch Hauptautorin der Studie ist. Ihr Team habe nun gezeigt, dass das Essen von Lebensmitteln mit niedriger Energiedichte helfen kann, dieses Problem zu überwinden.

Masse mit Klasse

Das Konzept hinter der Diät ist, dass Menschen wesentlich mehr von den Lebensmitteln mit geringer Energiedichte essen können und sich dadurch viel schneller satt fühlen. „Zum Beispiel müsste jemand etwa 250 Gramm Karotten essen, um 100 Kalorien zu konsumieren“, erläutert die Expertin. Eine ähnliche Kalorienanzahl haben auch 20 Gramm Schokolade. Allerdings sättigen 250 Gramm Karotten wesentlich mehr als 20 Gramm Schokolade.

Tests am Buffet

Die Studie beinhaltete auch Testmahlzeiten, bei denen die Probandinnen an verschiedenen Tagen zum Frühstück und zum Mittag entweder große Portionen mit energiearmen Lebensmitteln oder kleinere Portionen mit energiereichen Lebensmitteln serviert bekamen. Die Kalorienanzahl war jedoch immer die selbe. Am Abend konnten sie sich dann aus den vorgegebenen Lebensmitteln selbst eine Mahlzeit zusammenstellen. An den Tagen mit den kleineren Portionen energiereicher Speisen berichteten die Probandinnen von einem stärkerem Hungergefühl und langten dann auch am Abend kräftiger zu. Das führte zu einer durchschnittlich 1.000 Kalorien höheren Energiezufuhr.

Hunger durch ausreichende Portionen reduzieren

„Diese Studie hat den ersten Beweis erbracht, dass Mahlzeiten mit niedriger Energiedichte den Hunger während einer Diät reduzieren können“, so Buckland. Allerdings gibt es noch einen kleinen Haken an der Sache: Die Studie wurde von „Slimming-World“ finanziert, die in England überall Abnehmkurse anbieten. Während der Studie nahmen die Frauen der „Low Energy“ Gruppe an einer wöchentlichen Sitzung des Programms teil, während die Kontrollgruppe auf sich allein gestellt war.

Der Harken an der Studie

„Zweifellos haben auch andere Teile des Slimming-World-Programms wie zum Beispiel die Gruppenunterstützung den Frauen beim Abnehmen geholfen“, resümiert Buckland. Sie ist allerdings der Meinung, dass der Konsum von energiearmen Lebensmitteln die entscheidende Rolle gespielt hat.

Beispiele einer energiearmen Ernährung

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät zu energiearmen Lebensmitteln. In einem Flyer zu dem Thema gibt die DGE folgende Beispiele für diese Ernährungsform:

  • Vorspeisen: Mit wasserreichen Vorspeisen lässt sich der Magen füllen. Dazu sind beispielsweise ein grüner Salat oder eine klare Suppe geeignet.
  • Frühstück: Die Basis der ersten Mahlzeit sollte aus viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkorngetreide bestehen.
  • Fett sparen: Beim Zubereiten aller Mahlzeiten weniger Mayonnaise, Sahne, Butter und Margarine verwenden.
  • Fettreduzierte Varianten nutzen: Fettreduzierte Milchprodukte, mageres Fleisch und fettarme Wurstsorten kaufen.
  • Richtige Zubereitung: Frittieren oder braten in Öl durch dünsten, grillen oder backen ersetzen.
  • Zucker reduzieren: Zuckerreiche Lebensmittel wie Süßwaren, Kuchen und süßes Gebäck sowie stark gezuckerte Getränke sollten zur Ausnahme werden.

(vb)