Übergewichtige leben laut Metastudie länger

Fabian Peters

Meta-Studie: Übergewichtige mit höherer Lebenserwartung als Normalgewichtige

02.01.2013

Übergewichtige leben länger als Menschen mit Normalgewicht , so das überraschende Ergebnis einer im Fachmagazin „Journal of the Medical American Association“(JAMA) veröffentlichten Meta-Studie von US-amerikanischen und kanadischen Forschern. Die Wissenschaftler hatten das Sterblichkeitsrisiko bezogen auf die unterschiedlichen Kategorien des Body-Mass-Index (BMI) in 97 früheren Studien ausgewertet und dabei festgestellt, dass Personen mit einfachem Übergewicht (BMI zwischen 25 und 30) eine geringere Sterblichkeit aufwiesen, als Normalgewichtige. Gleiches gilt laut Aussage der Forscher für Fettleibigkeit (Adipositas) der ersten Kategorie (BMI 30 bis 35), während die extremen Formen der zweiten und dritten Fettleibigkeitskategorie ( BMI 35 bis 40; BMI größer 40) mit einer drastisch erhöhten Sterblichkeit einhergingen.

Zwar sterben extrem fettleibige Menschen laut Aussage der Wissenschaftler deutlich früher als Normalgewichtige, dies gelte jedoch nicht für Personen mit Übergewicht und moderater Fettleibigkeit. So haben Personen mit einem BMI zwischen 25 und 30 tatsächlich ein um sechs Prozent geringeres Sterblichkeitsrisiko als Normalgewichtige, schreiben die Forscher der US-Gesundheitsbehörde „Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC), des National Cancer Institute (USA) und der University of Ottawa (Kanada). Auch bei Adipositas der ersten Kategorie (BMI 30 bis 35) sei das Sterblichkeitsrisiko um fünf Prozent geringer als bei Normalgewichtigen. Hingegen steige das Sterblichkeitsrisiko bei extremer Fettleibigkeit (BMI über 35) um ganze 29 Prozent, berichten die Wissenschaftler im „JAMA“.

Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Sterblichkeitsrisiko
Die Forscher stützten ihre Meta-Analyse auf die Daten von rund 2,9 Millionen Patienten aus 97 früheren Studien. Mehr als 270.000 Todesfälle wurden demnach in der aktuellen Untersuchung berücksichtigt. Die knapp drei Millionen Probanden kamen zum Großteil aus Nordamerika, Südamerika, Europa und Asien. Die allgemeine Behauptung, dass Übergewicht mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko einhergehe, lässt sich angesichts der nun veröffentlichten Auswertung der Daten nicht länger aufrechterhalten. Stellt sich jedoch die Frage, wieso die Übergewichtigen beziehungsweise leicht Fettleibigen eine höhere Lebenserwartung haben als Normalgewichtige. Die Forscher erklären diese einerseits mit den häufigeren Arztbesuchen. So würden die Betroffenen öfter ärztlich untersucht, wodurch potenziell lebensbedrohliche Erkrankungen deutlich früher entdeckt werden. Anderseits dienten die Fettpolster auch als Energiereserven, die den übergewichtigen und moderat fettleibigen Menschen bei bestimmten Krankheiten zu Gute kommen.

Übergewicht verbunden mit zahlreichen Gesundheitsrisiken
Die aktuellen Studienergebnisse sollten laut Aussage des Leiters vom CDC, Thomas Frieden, jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, wie ungesund Übergewicht tatsächlich ist. Auch wenn das Sterblichkeitsrisiko bei Übergewicht und moderater Fettleibigkeit geringer liege als bei Normalgewicht, sei das erhöhte Körpergewicht mit einen gesteigerten Risiko von Diabetes, Herz-Kreislaufbeschwerden (zum Beispiel Herzinfarkt, Bluthochdruck, Koronare Herzkrankheit) und Krebs sowie etlichen weiteren Gesundheitsproblemen verbunden. Für die rund 30 Prozent der US-Bürger, die nach Angaben der CDC fettleibig sind, bestehe hier weiterhin ein erhöhtes Gesundheitsrisiko – auch wenn dieses nicht zwangsweise mit einer erhöhten Mortalität einhergehen muss. (fp)