Übergewichtige Schwangere: Dicke Mütter schaden ihrem Kind

Werdende Mütter können mit ihrer Ernährung während der Schwangerschaft die Gesundheit ihres Nachwuchses maßgeblich beeinflussen. (Bild: magdal3na/fotolia.com)
Alfred Domke
Metabolische Programmierung: Falsche Ernährung kann Ungeborenen schaden
Werdende Mütter sollten besonders darauf achten, was in der Schwangerschaft auf dem Speiseplan steht. Sie können mit ihrer Ernährung die Gesundheit ihres Nachwuchses maßgeblich beeinflussen. Sind schwangere Frauen zu dick, kann dies bei den Kindern langfristige Folgen haben.

Negative Einflüsse reichen bis ins Erwachsenenalter
Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass der Lebensstil der Eltern einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit ihres Nachwuchses hat. So fanden etwa Wissenschaftler der Universitätsklinik Ulm heraus, dass das Gewicht der Mutter den Fötus prägt. Kinder von übergewichtigen Müttern haben demnach bereits in der Schulzeit oft einen höheren Blutzuckerspiegel. Dass Frauen mit ihrer Ernährung während der Schwangerschaft und Stillzeit die Gesundheit ihrer Kinder maßgeblich beeinflussen, weiß auch Jan Däbritz, Ernährungsspezialist und Vizechef der Kinder- und Jugendklinik der Universitätsmedizin Rostock. Wie der Experte in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa erklärte, gelte dies nicht nur für die Gesundheit des Nachwuchses in der Zeit des Wachstums. Vielmehr könnten negative Einflüsse weit bis ins spätere Erwachsenenalter reichen.

Werdende Mütter können mit ihrer Ernährung während der Schwangerschaft die Gesundheit ihres Nachwuchses maßgeblich beeinflussen. (Bild: magdal3na/fotolia.com)
Werdende Mütter können mit ihrer Ernährung während der Schwangerschaft die Gesundheit ihres Nachwuchses maßgeblich beeinflussen. (Bild: magdal3na/fotolia.com)

Übergewichtige Mütter haben übergewichtige Kinder
„Die Schwangere ist in der Pflicht: Studien belegen, dass an der Einschätzung, dass übergewichtige Mütter auch übergewichtige Kinder haben, durchaus etwas dran ist“, so Däbritz. Als Folge davon könne es im späteren Erwachsenen-Alter unter anderem zu Gefäßerkrankungen wie Bluthochdruck oder Infarkten sowie Diabetes kommen. Hintergrund sei die sogenannte metabolische Programmierung, die besage, dass Inhaltsstoffe von Lebensmitteln zu genetischen Veränderungen führen können. Zwar werden diese nicht weitervererbt, doch sie können Einfluss auf das Ablesen von Genen haben. Dem Ernährungsspezialisten zufolge habe dies wiederum Auswirkungen auf die Produktion von Proteinen oder Enzymen. Däbritz hob hervor, dass dabei kein einziges Lebensmittel als „schlecht“ zu bezeichnen sei. Seiner Aussage nach gehe es vielmehr um das allgemein ungesunde Ernährungsverhalten sowie das viel zu hohe Energieangebot, das mit der Nahrung aufgenommen wird.

„Gesundheitspolitisches Problem mit erheblichem Ausmaß“
Laut der Agenturmeldung wird diese Einschätzung auch von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) geteilt. Demnach erhöhe starkes Übergewicht während der Schwangerschaft auch das Risiko für Komplikationen bei der Geburt für Mutter und Kind. „Vor dem Hintergrund, dass bereits jede dritte bis vierte Frau in Deutschland im gebärfähigen Alter übergewichtig ist, handelt es sich potenziell um ein gesundheitspolitisches Problem mit erheblichem Ausmaß“, meinte DGE-Sprecherin Antje Gahl.

Schwangere müssen nicht für zwei essen
„Übergewicht und eine übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ist dementsprechend im Interesse der Gesundheit von Mutter und Kind zu vermeiden. Schwangere müssen nicht „für zwei“ essen“, heißt es in einer älteren Mitteilung der DGE. Auch Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, erklärte kürzlich, dass werdende Mütter, die Hunger wie zwei Menschen haben, keine doppelten Portionen essen müssen. So viel mehr Energie werde in der Schwangerschaft nicht gebraucht.

Bedeutung der Ernährung für werdende Mütter
Wie Gahl erläuterte, beginne Prävention bereits im Mutterleib. Nach Ansicht von Däbritz ist es die Pflicht von Frauenärzten, Schwangere auf die Bedeutung der Ernährung hinzuweisen. Um Beeinträchtigungen der Hirnentwicklung der Ungeborenen zu verhindern, gehöre beispielsweise Fisch mit seinen wichtigen Fettsäuren auf den Speiseplan. Allerdings nur, wenn der Fisch wirklich gut durchgegart ist. Neueren Untersuchungen zufolge sollte es für Schwangere aber nicht mehr als dreimal pro Woche Fisch geben. So berichteten griechische Forscher von der „University of Crete“ im Fachjournal „JAMA Pediatrics“, dass der Konsum von zu viel Fisch bewirke, dass Kinder eine erhöhte Wahrscheinlichkeit aufweisen, später einmal übergewichtig zu werden oder Fettleibigkeit (Adipositas) zu entwickeln. (ad)

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