Überleben bei Krebs vom Wohnort abhängig

Sebastian

In sozioökonomisch ärmeren Regionen eine verschlechterte Überlebenschance bei Krebs

01.02.2014

Laut einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) hängt die Überlebenschance bei einer Krebserkrankung vom Wohnort des Patienten innerhalb Deutschlands ab. In einigen Regionen sterben offenbar Menschen mit einer Krebsdiagnose früher, als anderswo. Das gelte laut der Experten für alle Krebsarten gleichermaßen.

Reichere Region senkt Sterblichkeit
Wer eine Krebsdiagnose überleben will, muss sich in den meisten Fällen schwerwiegender Eingriffe und Therapien unterziehen. Aber leider gilt dabei nicht, dass die Überlebenschancen innerhalb Deutschlands in etwa gut oder schlecht sind. Eine Auswertung des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg kam zu dem Ergebnis, dass Menschen in ökonomisch schlechter gestellten Gegenden weniger gute Chancen der Genesung haben, als in reicheren Regionen. „Das gilt vor allem für die ersten drei Monate nach der Krebsdiagnose“, so die Mediziner. Um die Studie zu unternehmen, wurden rund eine Millionen Patientendaten von krebskranken Menschen ausgewertet.

Bereits andere Untersuchungen wiesen daraufhin, dass Patienten mit einem höheren Einkommen und Status bessere Genesungschancen haben, als Krebspatienten, die aus ärmeren Schichten kommen. Für Deutschland gab es in diese Richtung allerdings noch keine aussagekräftigen Studien. Im DKFZ gingen Wissenschaftler um Professor Hermann Brenner erstmals detailliert dieser Frage nach. Nun aber werteten die Wissenschaftler die Datensätze von zehn der 16 deutschen Landeskrebsregister aus. Die Forscher konzentrierten sich dabei auf die 25 am häufigsten Krebserkrankungen, die bei etwa einer Million Menschen zwischen 1997 und 2006 auftraten. Die einzelnen Landkreise wurden im Anschluss auf die durchschnittliche Einkommenssituation hin untersucht. Wesentlich dabei waren bei der sozioökonomischen Auswertung waren das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen, die Erwerbslosen-Quote sowie die kommunalen Ein- und Ausgabenbilanzen. Im Resultat: „Patienten aus dem sozioökonomisch schwächsten Fünftel der Landkreise starben nach ihrer Diagnose signifikant früher, als Krebspatienten aus den übrigen Gengegenden“.

Ein Drittel geringere Überlebenschance
Laut dem Forscherteam fiel der Unterschied am Meisten bei den ersten drei Monaten nach Stellung der schicksalhaften Diagnose auf. Gemessen bei den am häufigsten vorkommenden 25 Krebsarten wiesen die Patienten aus den wirtschaftlich schlechter gestellten Regionen ein um 33 Prozent geminderten Überlebenswert aus. Bei etwa neun Monaten nach der Krebsdiagnose lag der Unterschied immerhin noch bei 20 Prozent. Und nach vier Jahren überlebten die Menschen aus reicheren Regionen noch um 16 Prozent mehr.

Ungeklärt blieb bei der Studie aber, warum das so ist. Nach Auffassung der Experten können die Ergebnisse nicht unbedingt darauf schließen lassen, dass die individuelle Situation des Patienten hierfür verantwortlich ist. Vielmehr deute vieles daraufhin, dass die Merkmale der jeweiligen Region verantwortlich ist. In schwächeren Regionen könnten beispielsweise die exponierten Krebsbehandlungskliniken schwerer erreichbar sein oder es gibt in den Zentren einfach weniger Plätze.

Gründe noch nicht ausreichend bestätigt
Die erste Annahmen, Menschen in sozioökonomisch schlechter gestellten Regionen würden Vorsorgeangebote in Schnitt weniger wahrnehmen, habe sich im Laufe der Studie nicht bestätigt. Es hätte sein können, dass der Krebs erst in einem späten Stadium nachgewiesen wurde und deshalb die Überlebenschance geringer wird. „Aber daran liegt es nicht: Die Unterschiede im Überleben bleiben bestehen, wenn wir bei der Auswertung die Stadienverteilung berücksichtigen“ , schreibt die Lina Jansen, Autorin der Studie.

„Es ist dringend erforderlich, dass wir die Ursache für die erhöhte Sterblichkeit bei den Patienten aus sozioökonomisch schwächeren Regionen herausfinden“, mahnte Professor Otmar D. Wiestler, Vorstandvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums. „Nur wenn wir die Gründe kennen, können wir gezielt etwas dafür tun, dass alle Krebspatienten in Deutschland die gleiche Chance haben.“ Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. (sb)

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de