Überraschender Erfolg in der Krebsforschung durch den Nachweis von DNA-Spuren in Fledermäusen?

Alexander Stindt
Stammt der Virus für eine seltene Form von Leukämie ursprünglich aus Fledermäusen?
Die Ergebnisse einer aktuellen Studie könnten zu einem Durchbruch bei der Krebsforschung führen. Experten entdeckten, dass DNA-Spuren der Viren-Familie, welche für eine seltene Art von Leukämie verantwortlich ist, in den Genomen von Fledermäusen gefunden wurden.

Die Wissenschaftler der University of Glasgow und der Czech Academy of Sciences stellten bei einer Untersuchung fest, dass DNA-Spuren von Viren, welche eine seltene Art von Leukämie verursachen können, in den Genomen von Fledermäusen nachweisbar sind. Die Mediziner veröffentlichten eine Pressemitteilung zu den Ergebnissen ihrer Studie.

Stammen Leukämie verursachende Viren ursprünglich aus Fledermäusen? Die Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung unterstützen diese Vermutung stark. (Bild: Geza Farkas/fotolia.com)

Gefundene Viren sind zwischen 20 und 45 Millionen Jahre alt
Die gefundenen Viren scheinen bereits zwischen 20 und 45 Millionen Jahre alt zu sein, erklären die Experten. Die Ergebnisse würden erstmals konkrete Beweis dafür zeigen, dass die sogenannte Gruppe der Deltaretroviren einen alten Ursprung bei Säugetieren hat. Die neu gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen es den Medizinern, die Eigenschaften der Viren in Zukunft besser zu verstehen.

Weltweit sind etwa 15 bis 20 Millionen Menschen durch die Viren infiziert
Die Deltaretrovirus-Gruppe enthält sogenannte T-lymphotrophische Viren. Weltweit sind etwa 15 bis 20 Millionen Menschen durch diese Viren infiziert, erläutern die Mediziner. Die Infektion könne eine seltene Art von Non-Hodgkin-Lymphomen mit der Bezeichnung Adulte T-Zellen Leukämie/Lymphom (ATLL) verursachen. Eine solche Infektion ist allerdings sehr selten. Die meisten Menschen, die ein solches Virus in sich tragen, werden die Krankheit niemals entwickeln, fügen die Experten hinzu.

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Genaue Ursprünge der Viren waren bisher unbekannt
Es wird bereits seit langer Zeit vermutet, dass die Deltaretroviren die Menschen schon vor prähistorischen Zeiten infiziert haben. Da es aber über solche Viren keine fossilen Aufzeichnungen gab, waren ihre genauen Ursprünge bisher ein Rätsel, sagen die Forscher. Die Entdeckung dieser viralen Sequenz fülle die letzte große Lücke in der fossilen Aufzeichnung von Retroviren, erklärt Autor Dr. Robert Gifford von der University of Glasgow. Die Sequenz biete ein Mittel zur Kalibrierung der Zeitlinie der Interaktion zwischen Deltaretroviren und ihren Wirten.

Erkenntnis ermöglicht besseres Verständnis der Abwehrmechanismen gegen die Viren
Dieser Befund kann auch als Werkzeug zum Verständnis der Mechanismen verwendet werden, welche Säugetiere entwickelt haben, um der Bedrohung durch diese Viren entgegenzuwirken. Das verbesserte Verständnis der Geschichte dieser Viren hilft den Wissenschaftlern dabei besser zu ergründen, wie die Viren Menschen und Tiere heutzutage und auch in Zukunft beeinflussen. Die Deltaretrovirus-Gruppe, die HTLV-1 enthält, kann zu dem Blutkrebs ATLL führen, erläutern die Mediziner.

Reste des Deltaretrovirus wurden in Minopteriden gefunden
Dr. Daniel Elleder von der Czech Academy of Sciences identifizierte die Reste eines Deltaretrovirus im Genom der sogenannten gebeugten Fledermäuse. Diese Tiere sind Mitglieder der Gruppe von Fledermäusen, welche als Minopteriden bezeichnet werden. Die gefundene Virussequenz wurde anscheinend in einer Reihe von weitgehend verwandten Arten integriert, erklären die Experten.

Ungewöhnliches Merkmal entdeckt
Das Prager Team arbeitete mit Dr. Gifford zusammen, um die Sequenz zu charakterisieren. Dabei fanden die Mediziner eine ungewöhnliches und bisher unerklärliches Merkmal des Virus, welches auch in zeitgenössischen Deltaretroviren präsent ist. Die Entdeckung, dass diese Eigenschaft Deltaretroviren für Millionen von Jahren definiert hat, macht klar, dass es irgendwie entscheidend für die Biologie dieser Lebewesen ist. Das könnte Wissenschaftlern in Zukunft dabei helfen, solche Viren besser zu verstehen und besser gegen sie vorzugehen.

Langfristige Verbindungen entschlüsselbar
Die Aufzeichnungen der Retrovirus-Fossilien bestehen aus DNA-Sequenzen, welche aus alten Retroviren stammen und in Tiergenomen konserviert wurden, sagen die Mediziner. In den letzten Jahren haben Studien dieser Sequenzen die unerwartet alten Ursprünge verschiedener Retrovirus-Gruppen aufgedeckt. Dadurch wird es Forschern ermöglicht, die langfristige Verbindung zwischen Retroviren und Säugetieren besser zu verstehen. (as)