Übertrainiert: Sporttraining ohne Pausen kann zum Gesundheitsrisiko werden

Alfred Domke
Training: Wenn zu viel Sport zum Risiko wird
Es ist zwar gesund, regelmäßig Sport zu treiben, doch es kommt dabei auf die richtige Dosierung an. Wer zu viel trainiert, überlastet sich schnell und erhöht sein Verletzungsrisiko. Zudem können Menschen, die extrem viel Sport treiben, in eine Abhängigkeit geraten.

Regelmäßige Bewegung ist gesund
Experten sind sich darüber einig, dass Sport der Gesundheit dient. Ausreichend körperliche Bewegung hat nachweislich eine präventive Wirkung bei Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Arterienverkalkung und zahlreichen weiteren Krankheiten, nicht zuletzt weil die sportlichen Aktivitäten auch das Immunsystem stärken. Allerdings kommt es wie in vielen Lebensbereichen auch hier auf das richtige Maß an. Zu viel Sport kann der Gesundheit schaden.

Es ist nachweislich gesund, regelmäßig Sport zu treiben. Es kommt dabei aber auf das richtige Maß an. Zu viel des Trainings führt schon bald zu Überbelastung und erhöht das Verletzungsrisiko. (Bild: Jag_cz/fotolia.com)
Es ist nachweislich gesund, regelmäßig Sport zu treiben. Es kommt dabei aber auf das richtige Maß an. Zu viel des Trainings führt schon bald zu Überbelastung und erhöht das Verletzungsrisiko. (Bild: Jag_cz/fotolia.com)

Trainingsprogramme die auf Leistungssportler zugeschnitten sind
Doch für manche Freizeitsportler kann es gar nicht schnell genug gehen. Sie stürzen sich auf extreme Trendsportarten oder Trainingsprogramme aus dem Internet, die eigentlich auf Leistungssportler oder erfahrene Athleten zugeschnitten sind. Das Training wird so schon bald zur Überbelastung. Auch das Verletzungsrisiko steigt

Prof. Dr. Daniel Kaptain, Fitnessexperte der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement DhfPG, erklärte in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa: „Anzeichen für Übertraining sind Leistungsrückgang, Müdigkeit und Gereiztheit. In extremen Fällen treten auch Verspannungen und Verletzungen auf.“

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Muskelaufbau findet in den Pausen statt
Das Training ist der Reizauslöser. Der eigentliche Kraft- oder Muskelaufbau findet in den Phasen zwischen den Trainingseinheiten statt. Deswegen ist nicht nur die Dauer dieser Phasen wichtig, sondern insbesondere die Qualität.

„Hierzu zählt die Schlafdauer und -tiefe, ausgewogene und qualitative Ernährung und ein möglichst geringer Stresspegel. Wenn diese Faktoren optimiert sind, ist eine intensivere Belastung besser zu kompensieren“, so Prof. Kaptain. Der Körper benötige außerdem auch Trainingserfahrung. Der Organismus sei umso belastbarer, je länger diese Erfahrung ist.

Lebensstil mit einbeziehen
Am besten werden die Trainingsprogramme nicht nur an das Trainingsniveau angepasst, sondern auch an die allgemeine Belastbarkeit beziehungsweise an die Regenerationsfähigkeit. Laut dem Fachmann sollten sowohl Übungsauswahl als auch Trainingsdauer und -intensität darauf Rücksicht nehmen. Wenn das Programm ausgewogen ist, wird das Leistungslimit nicht so schnell überschritten.

„Um ein individuelles Training optimal zu gestalten, ist ein erfahrener Trainer hilfreich, der die Ziele realistisch definiert. Dabei sollte er nicht nur die derzeitige Leistungsfähigkeit testen, sondern auch den Lebensstil mit einbeziehen“, erläuterte der Fitnessexperte.

Sport kann abhängig machen
Übermäßiges Training birgt neben den gesundheitlichen Risiken auch die Gefahr einer Abhängigkeit, denn auch Sport kann zur gefährlichen Sucht werden. Laut Gesundheitsexperten ist man davon möglicherweise betroffen, wenn man Sportarten wie Radfahren gar nicht als Sport zählt, sich in mehreren Fitnessstudios anmeldet, um jederzeit trainieren zu können oder für den Sport sein soziales Umfeld vernachlässigt.

Gleiches gilt, wenn man Entzugserscheinungen bekommt, nur weil man mal nicht trainieren kann, oder seinem Umfeld nicht erzählt, dass man so viel Sport treibt. Als Anzeichen für eine Sucht gilt auch, Warnzeichen des Körpers wie Schmerzen, Erschöpfung oder Kopfschmerzen zu ignorieren. Alarmsignale sollten grundsätzlich ernst genommen werden. Betroffene sollten sich Unterstützung suchen – in vielen Fällen hilft eine Psychotherapie. (ad)