Überzogene Hoffnung auf einen Aids-Impfstoff?

Fabian Peters

US-Aidsforscher rechnet in den kommenden Jahren mit Durchbruch bei Entwicklung eines Aids-Impfstoffes

21.05.2013

Erneut hat der renommierte Aidsforscher Carl Dieffenbach von der US-Gesundheitsbehörde „National Institutes of Health“ anlässlich des „HIV Vaccine Awareness Day“ am 18 Mai in einer Videobotschaft seine Hoffnung auf einen Durchbruch bei der Entwicklung eines Aids-Impfstoffes bekräftigt. Obwohl sein Team seit Jahren an einem Impfstoff gegen HIV arbeitet, konnte bislang keine wirksame Vakzine entwickelt werden. Allerdings haben jüngste Meldungen über Erfolge aus der HIV-Impfstoffforschung, wie beispielsweise die eines spanischen Forscherteams um Felipe Garcia von der Universität Barcelona von Anfang des Jahres, neue Hoffnungen geweckt.

Obwohl AIDS mit den modernen HIV-Medikamenten mittlerweile relativ gut therapierbar ist, sterben immer noch Millionen Menschen weltweit jährlich an der Immunschwächekrankheit. Insgesamt wird die Zahl der HIV-Infektionen global auf deutlich mehr als 30 Millionen geschätzt. Die medizinische Versorgung der Betroffenen ist dabei vor allem in den ärmeren afrikanischen Staaten südlich der Sahara sowie in einigen osteuropäischen und südostasiatischen Staaten relativ schlecht. Die Infizierten haben häufig keinen Zugang zu den benötigten Arzneien und entsprechend viele Menschen sterben auch heute noch an Aids. Carl Dieffenbach hat in diesem Zusammenhang nun gegenüber dem Informationsportal „blog.aids.gov“ auf die seiner Ansicht nach vielversprechenden Möglichkeiten eines Aids-Impfstoffes hingewiesen und betonte in seiner Videobotschaft, dass die Forschung sich derzeit „auf einem sehr guten Weg bei der Entwicklung eines sicheren, effizienten Impfstoffes gegen HIV“ befinde.

HIV-Impfstoff keinen Hilfe für Betroffene
Die mediale Reaktion auf die geäußerte Hoffnung des renommierten Aidsforschers bald einen Aids-Impfstoff präsentieren zu können, scheint angesichts der tatsächlichen medizinischen Bedeutung deutlich überzogen. Denn hier wird keineswegs eine Heilmittel gegen Aids präsentiert, sondern lediglich eine verbesserte Möglichkeit der Prävention, wie auch Dieffenbach einräumte. Personen, die bereits erkrankt sind, können von dem Impfstoff nicht mehr profitieren. Zwar ließe sich die Zahl der Neuinfektionen beim umfassenden Einsatz eines Aids-Impfstoffes in den Risikoländern möglicherweise reduzieren, doch auch die konsequente Anwendung von Kondomen hätte hier eine vergleichbare Wirkung. Wer die Prävention ernst nimmt, unterliegt auch heute bereits einem relativ geringen Infektionsrisiko. Aufklärung ist hier als wesentliches Mittel im Kampf gegen HIV zu nennen. Denn vielen sind die Ansteckungsrisiken und Folgen der Erkrankung nicht bewusst.

Vielversprechende Forschung an Aids-Impfstoffen?
Trotz der Zweifel, die von unterschiedlicher Seite an der Sinnhaftigkeit der Entwicklung eines Aids-Impfstoffes geäußert werden, zeigte sich der US-Aidsforscher Carl Dieffenbach voller Tatendrang und kündigte gegenüber der Nachrichtenagentur „AFP“ neue medizinische Testläufe für die kommenden Jahre an, wobei „zwei klare Forschungsachsen“ verfolgt würden. Dabei handele es sich einerseits um die Weiterentwicklung eines Impfstoffes, der bei Versuchen in Thailand im Jahr 2009 eine Immunisierungsquote von 31 Prozent bewirkt habe und der nun gemeinsam mit den Experten der Pharmaunternehmen Sanofi Pasteur und dem Pharmakonzern Novartis sowie mit Unterstützung der Bill & Melinda Stiftung zu einem Impfstoff weiterentwickelt werden soll, der ab dem Jahr 2014 in Südafrika getestet werden kann. Zum Anderen basiere seine Hoffnung der baldigen Entwicklung eines Aids-Impfstoffes auf der Entdeckung zweier auffällig wirksamer Antikörper im Jahr 2010. Sollte es gelingen aus diesen einen „Probe-Impfstoff“ herzustellen, könnte dieser „alle weltweit zirkulierenden Stämme des HI-Virus auszulöschen“, so Dieffenbach. Hier konzentriere sich die Forschungen derzeit auf die Gewinnung bestimmter Immunogene, welche eine gezielte Immunreaktion des Organismus und auf diese Weise die Bildung der Antikörper auslösen können. (fp)

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