Privatversicherte sollen seltener krank sein?

Sebastian

Umfrage: Privatversicherte fühlen sich besser

13.02.2014

Einer aktuellen Umfrage zufolge fühlen sich Privatversicherte gesünder als gesetzlich Versicherte. Zudem seien die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen durchschnittlich dreimal so lange krank wie Privatpatienten. Es kann aber auch sein, dass Privatversicherte aus Angst, die Prämien könnten steigen, seltener "sich krank fühlen".

Privatversicherte im Vorteil
Privatversicherte scheinen nicht nur im Vorteil zu sein, wenn es um die Vergabe von Arztterminen oder ähnlichen Vorzugsbehandlungen geht, sondern sie sind in der Regel auch seltener krank und fühlen sich gesundheitlich wohler als Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen. Dies sei zumindest das Ergebnis einer bisher unveröffentlichten repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Nielsen, welche der „Welt“ vorliege.

Weniger als die Hälfte der gesetzlich Versicherten fühlt sich wohl
In der Umfrage, die vom Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) in Auftrag gegeben wurde, werde ein ganz erhebliches Gefälle beim wahrgenommenen Wohlbefinden von Mitgliedern der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung (PKV) belegt. So hätten 61 Prozent der Befragten mit privater Krankenversicherung angegeben, sich gegenwärtig voll und ganz oder zumindest weitestgehend wohl zu fühlen. Im Gegensatz dazu gehe es den gesetzlich Versicherten insgesamt weniger gut. Von ihnen fühlten sich nur 49 Prozent, also nicht einmal die Hälfte, zum Umfragezeitpunkt wohl.

Gefühl von Sicherheit
Offenbar am besten fühlten sich erstaunlicherweise die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen, die eine oder mehrere private Zusatzversicherungen haben. 62 Prozent dieser Befragten hätten angegeben, sich voll und ganz oder zumindest weitestgehend wohl zu fühlen. „Die Ergebnisse stimmen zweifellos nachdenklich“, so Lutz Boden, Gesundheitsmarkt-Experte beim BAH gegenüber der „Welt“. „Offenbar fühlen sich selbst gesetzlich Versicherte mit einer Zusatzversicherung gesundheitlich ein Stück weit besser als Menschen, die nur gesetzlich versichert sind. Das hat offenbar mit einem Gefühl von Sicherheit zu tun.“

Privatversicherte mit eigener Gesundheit zufrieden
Ähnlich fielen die Ergebnisse aus, wenn die Teilnehmer konkreter nach ihrer Gesundheit gefragt wurden. Demnach sei die Hälfte der Privatversicherten mit der eigenen Gesundheit sehr zufrieden oder zumindest zufrieden. Genauso hoch ist der Anteil bei den gesetzlich Krankenversicherten mit privater Zusatzversicherung. Bei denjenigen Befragten jedoch, die nur gesetzlich versichert sind, seien lediglich 37 Prozent mit der eigenen Gesundheit zufrieden.

Krankheitsdauer knapp dreimal so lange
Privatversicherte seien aber offenbar auch tatsächlich gesünder. Die PKV-Kunden hätten gegenüber den Marktforschern angegeben, in den drei Monaten vor der Befragung im Schnitt anderthalb Tage lang so krank gewesen zu sein, dass sie ihren üblichen Tätigkeiten nicht hätten nachgehen können. Bei den gesetzlich Krankenversicherten seien es hingegen durchschnittlich knapp fünf Tage, und damit fast dreimal so viele, gewesen. Beinahe ebenso lang sei die Krankheitsdauer bei den GKV-Mitgliedern mit Zusatzversicherung gewesen.

Ergebnisse nicht voreilig interpretieren
Wie Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) gegenüber der „Welt“ sagte, seien die Ergebnisse nicht überraschend: „Auswertungen der Krankschreibungen zeigen regelmäßig, dass gerade die Arbeitnehmer, die am stärksten körperlich arbeiten, auch am häufigsten krankgeschrieben und tendenziell länger krank sind. Gerade unter diesen Arbeitnehmern gibt es aber viele mit relativ geringen Einkommen, die gar nicht die Chance haben, in die private Krankenversicherung zu kommen.“ Und BAH-Experte Boden meinte, man solle sich hüten, die Ergebnisse voreilig zu interpretieren: „Die Daten belegen, dass Menschen, die privat krankenversichert sind, bessergestellt sind und sich gesünder fühlen. Welchen Anteil die private Krankenversicherung am höheren wahrgenommenen Wohlbefinden hat, diese Frage kann die Umfrage nicht eindeutig beantworten.“ (sb)

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