Unentdeckte Clostridium-difficile-Infektionen

Sebastian

Krankenhauskeime: Mehr als 39000 unentdeckte Clostridium-difficile-Infektionen jährlich

12.05.2014

Europaweit bleiben jährlich über 39.000 Fälle einer Clostridium-difficile-Infektion (CDI) unentdeckt. Dies vor allem wegen mangelndem klinischen Verdacht oder unzureichender Labortests. Das Risiko an einer solchen Durchfall-Krankenhausinfektion zu erkranken ist insbesondere für ältere Patienten hoch.

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Über 39.000 unentdeckte Fälle im Jahr
Auf dem 24. Europäischen Kongress für klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten (ECCMID), der vom 10. bis 13. Mai in Barcelona stattfindet, wurde die bisher größte Untersuchung über Clostridium-difficile-Infektion (CDI) in ganz Europa, die sogenannte EUCLID-Studie, präsentiert. Wie das Datenmaterial aus 482 Krankenhäusern in 20 europäischen Ländern zeigt, bleiben an einem einzigen Tag durchschnittlich 109 Fälle von CDI wegen mangelndem klinischen Verdacht oder unzureichender Labortests unentdeckt. Daraus folgt, dass man in Europa von potentiell mehr als 39.000 unentdeckter Fälle im Jahr ausgehen kann.

Infektion kann lebensbedrohlich werden
Die Krankheit entsteht infolge einer Infektion der Darminnenwand mit dem Bakterium C. difficile. Typische Anzeichen sind Durchfall, Bauchschmerzen, Darmentzündungen und Fieber. Die Toxine der Erreger führen schlimmstenfalls zu einer lebensbedrohlichen Auflösung der Darmwände, nach der sich die Bakterien im gesamten Organismus ausbreiten und eine Blutvergiftung(Sepsis) verursachen können. In diesem Fall besteht für die Patienten akute Lebensgefahr. Üblicherweise entwickeln Patienten CDI nach einer Behandlung mit Breitband-Antibiotika. In Industrieländern ist CDI die häufigste Ursache einer im Krankenhaus erworbenen Diarrhö, besonders für ältere Patienten über 65 Jahren ist das Risiko hoch. Bei 25 Prozent der CDI-Patienten kommt es bei den derzeit üblichen Therapien innerhalb von 30 Tagen nach der Behandlung zu einem Rückfall.

Zunahme der CDI-Erkrankungen
Wie die Studienergebnisse zeigen, gibt es eine Zunahme der CDI-Erkrankungen. Außerdem geht aus den Daten hervor, dass die Länder mit den höchsten Raten von Tests auf CDI die niedrigsten Raten dieses epidemischen C. difficile-Stamms hatten. „Länder mit einem ausgeprägteren Bewusstsein für CDI konnten aller Wahrscheinlichkeit nach Ausbrüche in Verbindung mit den virulentesten C. difficile-Stämmen durch eine verbesserte Früherkennung dieser Infektion reduzieren“, erläuterte Professor Mark Wilcox, Professor für medizinische Mikrobiologie an den Lehrkrankenhäusern und an der Universität von Leeds. Seine Forschungsgruppe koordiniert die EUCLID-Studie.

Es gibt noch viel zu tun
Zudem erbrachte die Auswertung, dass die aktuellen Richtlinien und Methoden der CDI-Diagnostik sich merklich in Richtung verbesserter Testverfahren und einer gezielteren Auswahl der Labormethoden verschoben haben. „In Leitlinien wird empfohlen, dass Krankenhäuser alle ungeformten Stuhlproben auf CDI testen, wenn die Ursache für die Diarrhö nicht bekannt ist“, so Professor Wilcox. „CDI ist eine Erkrankung, die nicht nur beträchtliches Leiden bei den Patienten verursacht, sondern auch eine enorme wirtschaftliche Belastung für Krankenhäuser in ganz Europa darstellt. Diese Ergebnisse zeigen, dass es noch viel zu tun gibt, um das Management und die Prävention von CDI zu optimieren.“ (sb)

Bild: Cornelia Menichelli / pixelio.de