Unfruchtbar durch Sonnenmilch: Chemikalien in UV-Filtern können Spermien beschädigen

Hautärzte raten dazu, sich im Sommer gut einzucremen, um sich vor Sonnenbrand zu schützen. Doch in Sonnenmilch enthaltene Chemikalien können männliche Spermien stören. (Bild: tunedin/fotolia.com)
Alfred Domke
Neue Studie: Sonnenmilch kann die Spermienfunktion beeinflussen
Dänische Forscher haben herausgefunden, dass in Sonnenmilch enthaltene Chemikalien die Funktion der männlichen Spermien stören können. Bereits in geringen Mengen können die UV-Filter schädlich sein. Die Wissenschaftler bezeichneten die Ergebnisse als besorgniserregend.

UV-Filter in Sonnenmilch können Spermien stören
Beim Sonnenschutz sollte man laut Dermatologen nicht beim Eincremen sparen. Für Männer scheint dieser Rat aber nicht immer angebracht zu sein. Wie Forscher der Universität Kopenhagen herausgefunden haben, können in Sonnenmilch enthalten UV-Filter bereits in niedrigen Dosen die Funktion von Spermien stören. Darüber hinaus wirken manche chemische UV-Filter ähnlich wie das weibliche Geschlechtshormon Progesteron. Dieses Hormon wird weltweit zur Vermeidung von Frühgeburten eingesetzt, hat neuen Untersuchungen zufolge dafür aber keinen nennenswerten Nutzen. Wie die dänischen Wissenschaftler mitteilten, seien ihre Ergebnisse besorgniserregend. Die Experten fordern vermehrt chemische Untersuchungen, bevor Produkte zugelassen werden.

Hautärzte raten dazu, sich im Sommer gut einzucremen, um sich vor Sonnenbrand zu schützen. Doch in Sonnenmilch enthaltene Chemikalien können männliche Spermien stören. (Bild: tunedin/fotolia.com)
Hautärzte raten dazu, sich im Sommer gut einzucremen, um sich vor Sonnenbrand zu schützen. Doch in Sonnenmilch enthaltene Chemikalien können männliche Spermien stören. (Bild: tunedin/fotolia.com)

Mehrere erlaubte Sonnenschutzmittel getestet
Sonnencremes enthalten meist chemische, teilweise auch mineralische Filtersubstanzen, die die UV-Strahlung absorbieren oder reflektieren und so die Haut schützen. Häufig werden dabei mehrere Filtersubstanzen kombiniert, in einigen Sonnencremes kommen mittlerweile auch Nanopartikel wie Nano-Titandioxid zum Einsatz. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, die auf der Webseite der „Endocrine Society“ veröffentlicht wurde, testeten die Forscher um Niels Skakkebaek von der Universität Kopenhagen in ihrer Studie, wie 29 der 31 in Europa und den USA für Sonnenschutzmittel erlaubten UV-Filter auf menschliche Spermien wirkten. Sie stellten dabei fest, dass 13 davon die Spermienfunktion störten, indem sie deren Ionenhaushalt veränderten.

Effekt schon bei sehr niedrigen Dosen
Den Angaben zufolge aktivierten die chemischen Substanzen einen Kanal in der Zellmembran der Keimzellen, der zu einem starken, verfrühten Calciumeinstrom führte. Normalerweise findet dieser erst statt, wenn das Spermium an der Eizelle angekommen ist. Wenn dies zu früh geschieht, fehlt der „Schub“ später und eine Befruchtung kann nicht stattfinden. Dieser Effekt trat laut Skakkebaek bereits bei sehr niedrigen Dosen ein. Schon aus früheren Studien ist bekannt, dass zumindest einige der chemischen UV-Filter von der Haut aufgenommen werden und sich anschließend sowohl im Blut als auch im Urin nachweisen lassen. Außerdem haben ältere Untersuchungen gezeigt, dass Plastik-Weichmacher das Erbgut beeinträchtigen können. So zeigte eine Studie einer deutsch-dänischen Forschergruppe, dass Substanzen, die unter anderem in Sonnenmilch und Zahnpasta verwendet werden, männliche Spermien schädigen können.

Forscher äußern ihre Besorgnis
Wie die Wissenschaftler in der aktuellen Untersuchung feststellten, beruht die beeinträchtigende Wirkung bei neun der 13 spermienstörenden UV-Filter darauf, dass die Chemikalien wie das weibliche Geschlechtshormon Progesteron wirken. Das spreche laut den Forschern dafür, dass es sich bei diesen Mitteln um endokrine Disruptoren handele – Chemikalien, die eine hormonähnliche Wirkung besitzen. Zu den 13 beanstandeten UV-Filtern gehören unter anderem die chemischen Verbindungen Octylsalicylat, Avobenzon, Octocrilen, Octinoxat, Oxybenzon (auch als Benzophenon-3 bezeichnet) und Padimat-O, die sowohl in gängigen Sonnencremes als auch in Kosmetika und Lippenstiften mit UV-Schutz enthalten sind. „Diese Ergebnisse wecken Besorgnis und könnten teilweise erklären, warum medizinisch nicht erklärbare Unfruchtbarkeit so weit verbreitet ist“, meinte Skakkebaek. „Unsere Studie legt nahe, dass die zuständigen Behörden die Auswirkungen der UV-Filter auf die Fruchtbarkeit vor der Genehmigung besser untersuchen lassen sollten.“ (ad)

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