Ungesunder Handy-Gebrauch: Mehr als 70 Prozent der kleinen Kindern daddeln zu viel

Alfred Domke
Sieben von zehn kleinen Kindern daddeln zu viel am Handy
Smartphones und Tablets sind für viele Menschen nicht mehr aus ihrem Alltag wegzudenken. Bei manchen ist der Gebrauch solcher Geräte allerdings exzessiv. Vor allem immer mehr Jugendlichen droht die Internetsucht. Und selbst ein Großteil der kleinen Kinder daddelt viel zu viel am Handy, warnen Experten.

Heranwachsende verbringen viel zu viel Zeit mit dem Smartphone
Der digitale Medienkonsum von Heranwachsenden hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das hat hat auch Folgen für die Gesundheit. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Samrtphones Kinder und Jugendliche unter Dauerstress setzen und die Schlafqualität vermindern können. Besonders besorgniserregend ist, dass selbst schon kleine Kinder viel zu viel Zeit am Handy verbringen.

Ärzten zufolge nutzen sieben von zehn kleinen Kindern das Handy ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde am Tag. Übermäßiger Medienkonsum kann laut Experten unter anderem die Sprachentwicklung verzögern. (Bild: Syda Productions/gotolia.com)

Handy-Gebrauch schon im Krippen- und Kita-Alter
Ärzten zufolge nutzen sieben von zehn Kindern das Handy ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde am Tag, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Dies habe eine seit dem vergangenen Jahr laufende Studie in Kinderarztpraxen zum Medienkonsum bei Ein- bis Sechsjährigen ergeben, wie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) am Freitag zum Auftakt eines Kongresses in Weimar mitteilte.

Den Angaben zufolge wurden für die Erhebung bislang die Ergebnisse von mehr als 3.000 Früherkennungsuntersuchungen bei Kindern und Befragungen von Eltern ausgewertet.

Kongressleiter Dr. Uwe Büsching erklärte laut dpa, das Handy habe bei kleinen Kindern „eigentlich nichts zu suchen“. Übermäßiger Medienkonsum könne unter anderem die Sprachentwicklung verzögern. Zudem sei bekannt, dass es Zusammenhänge mit der Entwicklung einer Aufmerksamkeits-Defizit-Störung (ADHS) gebe.

Schon ganz junge Kinder müssen beraten werden
Die sogenannte BLIKK-Studie (Bewältigung-Lernverhalten-Intelligenz-Krankheiten-Kinder), an der neben dem Ärzteverband und seiner Stiftung Kind und Jugend unter anderem die Rheinische Fachhochschule Köln (RFH) und die Universität Duisburg-Essen beteiligt sind, untersucht bei Kindern im Alter von einem Monat bis 14 Jahren den Umgang mit digitalen Medien.

In einer Stellungnahme von Dr. Büsching heißt es, dass sich nach einer Querschnittsstudie bei annähernd 6000 Patienten zeigte:

„Nicht regulierter Mediengebrauch findet sich vermehrt bereits bei Kindern im Vorschulalter mit Entwicklungsdefiziten, insbesondere mit Entwicklungsstörungen der Sprache. Die Beratung der Eltern muss deshalb bereits bei ganz jungen Kindern beginnen.“

Der Experte schreibt dort weiter: Eltern sind von frühester Kindheit an Vorbilder. Regeln müssen vor Anschaffung von digitalen Medien schriftlich vereinbart werden. Regeln gelten für alle Familienmitglieder ohne Ausnahme. (ad)