Ungesundes Cholesterin? Warnung vor Eier und Butter aufgehoben

Sebastian
Cholesterin-Warnungen: Eier und Butter sind gar nicht so problematisch
Jahrelang wurde vor cholesterinhaltigen Speisen gewarnt. Ein hoher Verzehr von Eiern, Butter und Co wurde mit gesundheitlichen Risiken fürs Herz in Verbindung gebracht. Immer mehr Experten weisen mittlerweile darauf hin, dass Cholesterin in Lebensmitteln gar keine Gesundheitsgefahr darstellt.
Cholesterin-Warnungen streichen
Mediziner und Ernährungsexperten haben jahrzehntelang davor gewarnt, zu viel cholesterinhaltige Speisen zu sich zu nehmen. Ein erhöhter Verzehr von Eiern, Butter und Co wurde mit gesundheitlichen Risiken – speziell fürs Herz – in Verbindung gebracht. Es wurde davon ausgegangen, dass solche Nahrungsmittel einen negativen Einfluss auf den Cholesterinspiegel und somit auf das Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risiko haben. Mittlerweile weisen aber immer mehr Untersuchungen darauf hin, dass Cholesterin in Lebensmitteln nur eine mäßige oder gar keine Gesundheitsgefahr darstellt.

Milch und Butter werden nicht mehr verteufelt. Bild: Maksim Kostenko - fotolia
Milch und Butter werden nicht mehr verteufelt. Bild: Maksim Kostenko – fotolia

Anfang des Jahres gaben Experten in den USA bekannt, dass die Cholesterin-Warnung für Lebensmittel wie Eier und Butter gestrichen werden soll. Andererseits weisen Wissenschaftler aber auch darauf hin, dass Cholesterin sehr wohl schädlich wirken kann. Eine Rolle spielt dabei unter anderem, welche Cholesterin-Art aufgenommen wird. Die Diskussionen um das gute und böse Cholesterin gehen also weiter.

Folgen eines erhöhten Cholesterinspiegels
Cholesterin ist nicht an sich schädlich. Der größte Teil davon wird vom Körper selbst produziert. Problematisch ist das LDL-Cholesterin („Low Density Lipoprotein“), auch „schlechtes Cholesterin“ genannt. Ungefähr bei jedem Dritten ist das Cholesterin zu hoch. Die Folgen dieser Fettstoffwechselstörung können gravierend sein. Häufige Folge eines erhöhten Cholesterinspiegels ist Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Bei dieser Erkrankung treten Ablagerungen an den Innenseiten der Gefäße auf, so dass sich nach und nach der Arteriendurchmesser verringert, bis der betroffene Bereich schließlich vollständig verstopft ist. Es können Erkrankungen wie die koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall, Angina Pectoris, Durchblutungsstörungen und Niereninsuffizienz auftreten.

Ernährungsumstellung oder Medikamente
Bei hohen Cholesterinwerten wird in der Regel zunächst eine Ernährungsumstellung empfohlen. Reicht das nicht aus, werden häufig cholesterinsenkende Medikamente verschrieben. Manche Gesundheitsexperten meinen jedoch, es ist nicht für alle Patienten sinnvoll, die Cholesterinwerte zu senken. Zwar sei Cholesterin mitunter schlecht fürs Herz, doch er ist auch ein Baustoff für die Synapsen, jene Knotenpunkte, die dafür sorgen, dass die Milliarden Nervenzellen im Gehirn sinnvoll in Verbindung treten können. Wie „Welt“ online berichtet, haben Personen, die beginnen, Statine oder andere Cholesterinsenker einzunehmen, „im folgenden Monat fast viermal so oft mit Gedächtnisstörungen zu tun wie die, die ihren Cholesterinspiegel nicht senken“. Je stärker „der cholesterinsenkende Effekt eines Medikaments, desto mehr leidet das Gehirn“. Bei manchen Medikamenten kann es zu Nebenwirkungen wie Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsstörungen sowie geistiger Verwirrtheit kommen.

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Cholesterinspiegel nicht bei allen Patienten senken
Der Zeitung zufolge warnt der dänische Mediziner Uffe Ravnskov schon lange davor, bei allen Patienten den Cholesterinspiegel zu senken. Damit richte man mehr Schaden als Nutzen an. „50 Prozent der Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden, haben einen hohen Cholesterinspiegel“, so Ravnskov, der vor Jahren ein internationales Forschernetzwerk von Cholesterinskeptikern ins Leben rief. „Die andere Hälfte hat einen niedrigen Cholesterinspiegel und dennoch Arteriosklerose.“ Obwohl die Blutfettwerte ganz normal sind, verkleben ihre Gefäße. Zwar sei unbestritten, dass cholesterinsenkende Medikamente tatsächlich das Fett aus den Gefäßen verdrängen. „Doch ob dies auch zu einer Senkung des Herzinfarktrisikos führt, ist ganz und gar nicht sicher.“

Verschieden Faktoren berücksichtigen
Diese Skepsis wird durch eine aktuelle Studie des unabhängigen Forschernetzwerks Cochrane Collaboration bestätigt. „Wenn 1000 Personen fünf Jahre lang ein Statin einnehmen, werden 18 einen Herzinfarkt vermeiden“, heißt es von Seiten der Wissenschaftler. Nach Forschungslage macht es also meist keinen Sinn, ein Statin oder ein vergleichbares Mittel zu verordnen. Nikolaus Marx von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zufolge müsse man vor jeder Verschreibung „andere Faktoren, wie Bluthochdruck, Diabetes, Alter, Geschlecht und eine mögliche familiäre Veranlagung berücksichtigen“.

Risiko eines zweiten Infarkts mindern
Trotz aller Kritik wird aber auch darauf hingewiesen, dass Statine sehr wohl wirkungsvoll und notwendig seien – jedoch nur für eine Gruppe von Patienten: Bei Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, reduzieren Statine das Risiko eines zweiten Infarkts. „Wir sollten diese Patienten nicht weiter verunsichern“, meinte Jonathan Schertzer von der McMaster University in Ontario, „sondern daran arbeiten, die Medikamente zu verbessern“. Dem kanadischen Biochemiker und seinem Team ist es gelungen, den insulinhemmenden Effekt der Statine durch eine Art Harnstoff-Hülle zu entschärfen. Zudem könnte eine Ernährungsumstellung die Wirksamkeit der Medikamente erhöhen und Nebenwirkungen mindern. Er rät in diesem Zusammenhang zu einer von der japanischen Küche inspirierten Kost, mit viel Grüntee und Fisch.
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