Uni nutzt erfolgreich Hunde gegen Prüfungsstress

Fabian Peters

Hunde-Streicheln zur Stressbewältigung für Studenten

07.12.2012

Mit Hunden gegen den Prüfungsstress. An der kanadischen Dalhousie Universität in Halifax wurde ein ungewöhnliches Projekt zur Stressbewältigung gestartet. Durch das Kuscheln mit jungen Hunden, soll den Studenten der vorweihnachtliche Stress während der Prüfungsphase genommen werden.

Vor Weihnachten stehen an den kanadischen Universitäten eine Vielzahl von Prüfungen an. Entsprechend hoch ist die Anspannung und der Stress der Studierenden. Dies führte zu einer enormen Resonanz auf die ungewöhnliche Aktion der Dalhousie Universität. Als „die Türen am Dienstagnachmittag für die erste von drei Puppy-Room-Sessions in dieser Woche geöffnet wurden, Standen mehr als 100 Studenten Schlange, um für ein paar Minuten mit einem Labradoodle, einem Sheltie und einem Golden Retriever Zeit zu verbringen“, berichtet die Universität.

Hunderte Studenten entspannen mit den Hunden
Rund 450 Studenten nutzten in den vergangenen drei Tagen die Möglichkeit ein wenig bei den jungen Hunden zu entspannen, erläuterte der Initiator des Projektes, Michael Kean. Die beachtliche Anzahl der Teilnehmer zeige auch, wie hoch das Entspannungsbedürfnis der Studenten in der Vorweihnachtszeit tatsächlich ist. Der eingesetzte Labradoodle, Sheltie, Golden Retriever, Dalmatiner, Papillon und Bernhardiner waren ausgebildete Therapiehunde, die sonst zum Beispiel in Pflegeheimen oder Krankenhäusern ihren Dienst leisten. Für die Studierenden an der Dalhousie Universität waren die Hunde eine äußerst willkommene Abwechslung. Die meisten Besucher blieben fünf bis zehn Minuten, einige sogar bis zu einer halben Stunde, berichtet Kean und ergänzte: „Alle reagierten positiv.“ Die Idee zu dem Projekt kam Michael Kean, der an der Dalhousie Universität Umweltwissenschaften studiert, nachdem er von einem ähnlichen Programm an der McGill Universität in Montreal gehört hatte.

Hunde gegen Nervenzusammenbrüche und Depressionen?
Auch an der Universität in Montreal wurden junge Hunde auf den Campus gebracht, um zur Entspannung der Studierenden beizutragen. Nervenzusammenbrüche und Depressionen der Studenten sollten mit Hilfe der Vierbeiner vermieden werden. Da Michael Kean derzeit persönlich ebenfalls unter erheblichem Prüfungsstress leidet, dachte er sofort daran, ein vergleichbares Projekt auch an seiner Universität umzusetzen. Der Vizepräsident des Studentenwerks an der Dalhousie Universität, Gavin Jardine erklärte: „Ich war sofort platt von der Idee und so aufgeregt.“ Die Hunde stammen von der Initiative „Therapeutic Paws of Canada“ (Therapeutische Pfoten Kanadas). Das Studentenwerk stellte den benötigten Raum zur Verfügung. Allen sei bewusst, dass die Aktion das Stressproblem der Studenten nicht lösen könne, doch die Hunde helfen wenigsten ein bisschen zu entspannen, erläuterte Gavin Jardine.

Hunde-Kuschelraum erweckt weltweit Aufmerksamkeit
Die Teilnehmerin Rachel Foster erklärte auf die Frage nach ihrem Befinden im Anschluss an die gemeinsame Zeit mit den Hunden, sie fühle sich „relaxed, voller Glück.“ Die Studenten spielten mit den Hunden und unterhielten sich, was sie von dem anstrengenden Studienalltag ablenke, erläuterte Michael Kean den positiven Effekt. Lindsay Dowling vom Studentenwerk der Dalhousie Universität erklärte zum dem Stress der Studierenden: „Sie wollen die besten in ihrem Fach sein, um hinterher einen tollen Job zu ergattern“, was nicht leicht sei bei der derzeitigen Arbeitsmarktsituation. Zwar ist die Dalhousie Universität insgesamt vorbildlich im Umgang mit Stress bei den Studierenden, doch andere Aktionen wie das rund um die Uhr geöffnete Wellness-Zimmer für Yoga, Meditation oder ein kurzes Nickerchen haben nicht ansatzweise das gleiche mediale Echo erfahren, wie das aktuelle Projekt mit dem Hunde-Kuschelraum. Diese Idee habe unerwarteterweise weltweit Aufmerksamkeit erregt, so die Mitteilung der Universität. Laut Lindsay Dowling kamen bereits „Anfragen aus der ganzen Welt zu der Aktion.“

Therapeutischer Einsatz von Tieren
Der therapeutische Einsatz von Hunden und anderen Tieren ist durchaus keine Neuigkeit, sondern wird mit unterschiedlichem Ansatz bereits in verschiedenen Bereichen durchgeführt. So sollen Tiere zum Beispiel Demenzkranken helfen, aber auch Patienten mit Bluthochdruck oder extremen Stress. Allerdings fehlen in der Regel belastbare wissenschaftliche Aussagen zur der therapeutischen Wirkung. Andere Ansätze nutzen Hunde beziehungsweise deren ausgeprägten Geruchssinn zur Diagnose von Krankheiten. So haben aktuelle Studien gezeigt: Hunde können Lungenkrebs riechen. Zur therapeutischen Entspannung werden Tiere wie Hunde und Katzen insbesondere in den USA und in Kanada bereits seit längerem eingesetzt, doch hierzulande sind vergleichbare Aktionen wie an der Dalhousie Universität heute noch kaum vorstellbar. Mit der enormen Resonanz, die das kanadische Projekt erfahren hat, könnten jedoch auch deutsche Universität auf den ungewöhnlichen Ansatz zur Stressbewältigung aufmerksam geworden sein. (fp)