Unicef Bericht: Immer mehr jugendliche Aidstote

Alfred Domke

In armen Ländern immer mehr jugendliche Aidstote

01.12.2013

Unicef schlägt Alarm: Immer mehr Jugendliche sterben an Aids, vor allem in ärmeren Ländern. 110.000 waren es allein im vergangenen Jahr. Mit mehr Geld könnte dem Kinderhilfswerk zufolge die Todesrate gesenkt werden.

Anstieg von über 50 Prozent
Vor allem in den ärmeren Ländern endet für immer mehr Jugendliche eine HIV-Infektion tödlich. Dies geht aus einem Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef hervor. Demnach sei die Todesrate in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. Den Angaben zufolge starben im Jahr 2005 in ärmeren Ländern 71.000 Jugendliche, im vergangenen Jahr waren es bereits 110.000. Dies entspricht einem Anstieg von beinahe 55 Prozent. Als Jugendliche werden von den Vereinten Nationen Menschen im Alter von zehn bis 19 Jahren definiert. Rund 2,1 Millionen von ihnen hätten 2012 mit der Krankheit leben müssen.

Unicef fordert mehr Geld
Das Problem könnte nach Angaben der UN-Helfer mit mehr Geld wirksam bekämpft werden. So könnte bis zum Jahr 2020 mit einem Programmpaket im Umfang von 5,5 Milliarden US-Dollar (rund vier Milliarden Euro) die Ansteckung von zwei Millionen Jugendlichen verhindert werden. Das Budget habe 2010 bei 3,8 Milliarden US-Dollar gelegen.

50.000 Unterschriften in Berlin überreicht
Auch Deutschland steht in der Pflicht mehr zu tun. So forderte am Freitag in Berlin ein Zusammenschluss verschiedener Initiativen die Bundeskanzlerin auf, den deutschen Beitrag zum globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria mindestens zu verdoppeln. Deutschland zahle derzeit etwa 200 Millionen Euro jährlich ein. Wie ein Sprecher des „Aktionsbündnisses gegen Aids“ mitteilte, seien die Gespräche im Kanzleramt nach der Überreichung von 50.000 Unterschriften positiv verlaufen. Seit 2002 habe der Fonds Aids-Medikamente für die Behandlung von 5,3 Millionen Menschen bereitgestellt.

Übertragung von Mütter auf Kinder deutlich eingedämmt
Große Erfolge seien laut Unicef bei Kindern erreicht worden. So sei die Übertragung der Krankheit von Mütter auf Kinder deutlich eingedämmt worden. Es seien zwar auch im vergangenen Jahr noch 260.000 Kinder mit HIV infiziert worden, doch sieben Jahre vorher seien es mit 540.000 noch mehr als doppelt so viele gewesen.

Kinder müssen als erste von Erfolgen profitieren
Ein Drittel der infizierten Kinder würde ohne Behandlung vor dem ersten Geburtstag sterben und die Hälfte ihren zweiten Geburtstag nicht erleben. „Kinder müssen die ersten sein, die von unseren Erfolgen bei der Bekämpfung von HIV profitieren. Und sie müssen die letzten sein, die unter unserem Versagen leiden müssen“, so Unicef-Direktor Anthony Lake. „Heute muss das Kind einer infizierten schwangeren Frau nicht länger das gleiche Schicksal erleiden.“

Zahl der erkrankten Kinder in Afrika gesunken
In dem am schwersten betroffenen Erdteil, in Afrika, ist laut Unicef die Zahl der erkrankten Kinder in vielen Ländern deutlich gesunken. Etwa in Ghana um 76 Prozent oder in Namibia um 58 Prozent. Doch in ärmeren Ländern bekomme nur etwa ein Drittel der Kinder die nötige Behandlung. Im Gegensatz dazu seien es bei den Erwachsenen fast zwei Drittel. Zusätzliche Probleme könnten in Zukunft auch auftreten, nachdem ein neuer HIV-Erreger in Westafrika entdeckt wurde. So haben Wissenschaftler im westafrikanischen Guinea-Bissau einen neuen HIV-Erreger entdeckt, der zu einer schnelleren Aids-Erkrankung führen soll. Wie der Sender „Voice of America“ unter Berufung auf Daten der schwedischen Lund-Universität berichtete, dauere es in den dort bislang vorherrschenden HIV-Stämmen durchschnittlich rund sechs Jahre vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Ausbruch von Aids. Bei dem neuen A3/O2-Erreger gehe es im Schnitt ein Jahr schneller.

78000 Menschen leben in Deutschland mit HIV
Bei Programmen zur Aidsprävention sollten Jugendliche gezielter angesprochen werden, so die Forderung der Stiftung Weltbevölkerung in Hannover. Deren Geschäftsführerin Renate Bähr meinte: „Die aktuellen Zahlen belegen, dass mehr junge Menschen Zugang zu Aufklärung und Verhütung brauchen.“ Vor allem Mädchen hätten ein hohes Risiko, sich mit HIV anzustecken. Ende 2012 lebten in Deutschland etwa 78.000 Menschen mit HIV, unter ihnen rund 200 Kinder und Jugendliche bis zu 15 Jahren. An den Folgen einer Aids-Erkrankung starben im vergangenen Jahr etwa 550 Menschen hierzulande. (ad)

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Bild: Gerd Altmann / pixelio.de