Universität Leipzig wählt neue Rektorin

Heilpraxisnet

Erstmals steht künftig eine Frau an der Spitze der Universität Leipzig

An der Universität Leipzig wird heute das Rektorenamt neu besetzt. Zum ersten Mal in der mehr als 600-jährigen Geschichte der Universität Leipzig wird dabei eine Frau den Posten übernehmen. Denn die Wahl wird zwischen der 56-jährigen Prof. Dr.-Ing. habil. Dr. phil. Sabine E. Kunst, Präsidentin der Universität Potsdam und der 54-jährigen Prof. Dr. med. Beate A. Schücking von der Universität Osnabrück entschieden.

Bewerberinnen stellen sich vor
Eine der beiden Bewerberinnen wird die Nachfolge des seit 2003 an der Spitze der Universität Leipzig stehenden Prof. Dr. Franz Häuser antreten. Prof. Häuser war im August 65 Jahre alt geworden und geht noch diese Jahr in Pension. Bereits am Samstag hatten sich die Bewerberinnen erstmals öffentlich präsentiert. Im Rahmen der heutigen Rektorenwahl wird eine der beiden für fünf Jahren als Leitung der Universität Leipzig benannt. Die Amtseinführung wird voraussichtlich am 2. Dezember, dem sogenannten „Dies academicus“ (akademischen Feiertag) erfolgen.

Mehr zum Thema:

Ehemaliger Rektor hinterlässt große Fußstapfen
Die Fußstapfen, die Professor Franz Häuser hinterlässt und die von den Bewerberinnen gefüllt werden sollen, gebieten dabei ein gewisses Maß an Ehrfurcht. Mit wachsendem Erfolg hatte er die Universität Leipzig in den letzten Jahren als herausragende Bildungsstätte etabliert. Dabei stand Prof. Häuser oft genug im Disput mit der Hochschulpolitik der sächsischen Landesregierung – auch wenn es um die Pläne zu einem ausgewogenen Angebot im Hochschulbereich ging. „Dieses Mosaik“, was sich aus dem ausgewogenen Angebot ergeben würde, „ist eine provinzielle Landesperspektive“, erklärte Prof. Häuser und schob ein wenig provozierend hinterher: „Wenn wir als Universität internationale Partner suchen, dann können wir nicht punkten mit einem ausgewogenen sächsischen Format. Das juckt und interessiert niemanden.“ Darüber hinaus stand Prof. Häuser der Sparpolitik des Landesregierung stets kritisch gegenüber. Selbst wenn aktuell keine Einsparungen in den Hochschulen vorgesehen sind, fürchtet der Fachmann ab 2013 einen massiven Stellenabbau, der vor allem die „kleiner gehegten Bereiche“, bei denen die Universität Leipzig auf eine gute Geschichte zurückblicken kann, negativ betreffen würde.

Beide Bewerberinnen hoch qualifiziert
So warten große Aufgaben auf eine der Bewerberinnen. Wobei der Lebenslauf beider Damen sie durchaus als geeignet für die Position erscheinen lässt. Die 1956 geborene, studierte Humanmedizinerin Prof. Dr. med. Beate A. Schücking Beate A. Schücking, ist sowohl Psychotherapeutin als auch ausgebildete Allgemeinmedizinerin, hat mehrere Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Universitäten Paris und Marburg im Bereich der allogene Knochenmarktransplantation/Hämatologie gearbeitet und war später an Hochschulen in München und Osnabrück tätig.

Von 2005 bis 2009 war sie Vizepräsidentin für Forschung und Nachwuchsförderung an der Universität Osnabrück und ist derzeit Studiendekanin der Gesundheitswissenschaften in Osnabrück. Die 1954 geboren Bewerberin Dr.-Ing. habil. Dr. phil. Sabine E. Kunst, studierte Biologie/Chemie sowie Politologie/Philosophie und promovierte 1982 sowie 1990. Darüber hinaus habilitierte sie 1990 am Fachbereich Bauingenieur- und Vermessungswesen der Universität Hannover, verübte mehrere wissenschaftlichen Tätigkeiten in Hannover, Darmstadt und beim Umweltbundesamt sowie in Südafrika und Bolivien, nahm 1991 einen Lehrauftrag in Hamburg an und ist seit 2007 Präsidentin der Universität Potsdam. Beide Bewerberinnen bringen demnach umfassende Erfahrungen aus den verschiedensten Fachbereichen mit ein und unabhängig von dem Ergebnis der Rektorenwahl, lässt sich jetzt schon festhalten, dass die erste Frau an der Spitze der Leipziger Universität in jedem Fall für die Tätigkeit hoch qualifiziert sein wird. (fp, 16.11.2010)