Unter 25 Millionen Spendewilligen: Junge Blutkrebs-Patientin findet ihren Retter

Krebszelle
Fabian Peters
Junge Leukämie-Patientin findet genetischen Zwilling
Lara Casalotti, eine junge Frau, die an Blutkrebs erkrankt ist, brauchte für eine lebensrettende Knochenmarkspende einen genetischen Zwilling. Im Internet startete die Patientin eine nahezu aussichtslose Kampagne – und hatte damit Erfolg. Unter 25 Millionen Spendewilligen fand sie den für sie passenden.

Blutkrebs wird oft nur zufällig entdeckt
Laut dem Krebsinformationsdienst erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 11.500 Menschen an Leukämie. Weltweit sollen es mehr als 900.000 sein. In sehr vielen Fällen wird Blutkrebs nur durch eine Zufallsdiagnose entdeckt. So auch bei Lara Casalotti. Bei ihr kamen die Beschwerden schleichend, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Zunächst tat das Bein weh, dann die Hüfte. Als die 24-jährige Londoner Studentin im vergangenen Dezember schließlich zum Arzt ging, kam die niederschmetternde Diagnose: Die junge Frau leidet an einer aggressiven Form von Blutkrebs, der akuten myeloischen Leukämie (AML). Wie ihr die Mediziner damals mitteilten, brauche sie binnen vier Monaten eine Knochenmarktransplantation, um überleben zu können „Das war ein großer Schock“, sagte Lara.

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Stammzellen-Spenden können bei einer Leukämie Leben retten. (Bild: crevis/fotolia.com)

Übertragung von Knochenmark als einzige Chance
Die Übertragung von Knochenmark ist häufig die einzige Chance, um die gefährliche Erkrankung zu heilen. Allerdings brauchen die Patienten Zellen eines Menschen mit übereinstimmenden Gewebemerkmalen, eines sogenannten genetischen Zwillings. Unter Menschen gleicher Herkunft ist die Erfolgsaussicht hier höher. Doch die Eltern der Londoner Studentin haben thailändisch-chinesische sowie italienische Wurzeln. Durch diesen ethnischen Mix wurde die Suche nach einem passenden Stammzellenspender deutlich erschwert. Es gibt zwar weltweit über 25 Millionen registrierte Spender, aber nur wenige von ihnen haben laut dpa einen ähnlichen genetischen Hintergrund wie Lara. Den Angaben zufolge findet ein Drittel der Kranken, unter denen viele Kinder und Jugendliche sind, einen Spender in der eigenen Familie. Bei Lara war dies jedoch nicht der Fall, selbst ihr einziger Bruder Seb kam nicht als Spender infrage. Die 24-Jährige war – wie der Großteil der Blutkrebs-Patienten – auf Hilfe von Fremden angewiesen.

Jeder fünfte Patient findet keinen Spender
Nach Angaben der Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ist die Aussicht auf einen passenden Spender nicht allzu hoch. Demnach findet generell jeder fünfte Patient keinen Spender. Laut Aussagen ihrer Angehörigen standen die Chancen auf Rettung für Lara mit ihrem besonderen genetischen Hintergrund äußerst schlecht. Doch weder Familie noch Freunde ließen sich entmutigen und machten sich auf die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Mithilfe ihrer Kampagne „Match4Lara“ (Treffer für Lara) riefen sie Menschen in aller Welt via Videobotschaften, Facebook und Twitter dazu auf, sich als Stammzellenspender zu registrieren. Auch Prominente wie Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling und der britische Premier David Cameron machten sich für Lara stark – mit Erfolg.

Lebensrettende Kampagnen
Wie die Blutkrebsstiftung „Anthony Nolan“ mitteilte, meldeten sich allein in Großbritannien binnen Wochen mehr als 20.000 neue Spender. Den Organisatoren zufolge sei der Anstieg „beispiellos“. Die Registrierung ist ganz einfach: Wangenabstrich oder Blutprobe reichen. Nach Angaben der DKMS erfolgt selbst die Transplantation meist ohne OP, die Spender bleiben anonym. Auf der Internetseite der DKMS kann jeder überprüfen, ob er die Voraussetzungen erfüllt, um Spender werden zu können. Die DKMS initiiert teilweise selbst Kampagnen, um Patienten zu helfen. So starteten sie zusammen mit der Familie eines neunjährigen Jungen aus dem Vogtland die Aktion „Rettet Clemens“, um einen geeigneten Stammzellenspender zu finden.

Unter 25 Millionen passenden Spender gefunden
Nicht nur in England, auch im weit entfernten Thailand trieb Laras Verwandtschaft die Kampagne voran. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, standen Mönche, Soldaten und Studenten Schlange, um in Datenbanken aufgenommen zu werden. „Die Resonanz war phänomenal“, so Lara. Sie erzählte, dass ihr Menschen aus aller Welt geschrieben und ihre eigenen Schicksale geteilt hätten: „Es war sehr berührend.“ Anfang Februar fand Lara schließlich einen passenden Spender. „Es ist unglaublich und wunderbar, dass diese Person eine unter 25 Millionen ist“, sagte die junge Frau in einer Videobotschaft auf Youtube. „Wenn alles nach Plan läuft, kann ich mich bald der Transplantation unterziehen“, so die Patientin.

Als Spender registrieren lassen
Auch nach diesem großen Erfolg will Lara weitermachen. Die junge Frau will auf die Knochenmarkspende aufmerksam machen und vor allem genetische Zwillinge ethnischer Minderheiten vermitteln. „Es ist wirklich wichtig, dass die Leute sich als Spender registrieren lassen“, so die Londonerin. „Sie könnten jemanden retten, der in einer ähnlichen Situation ist wie ich.“ Stammzellenspenden kann Leben retten. Auch ihr Bruder Seb ist erleichtert, dass die bedrückende Situation zur lebensbejahenden Mission wurde. „Es ist ein gemeinsamer Erfolg, die Menschen haben für Lara und Tausende andere da draußen etwas bewirkt“, meinte der 20-Jährige laut dpa. Er ermutigt jeden, sich registrieren zu lassen. Laut Seb sei Helfen in diesem Fall so einfach, „wie in einen Becher zu spucken“. (ad)

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