Unterer Rückenschmerz: Was wirklich gegen untere Kreuzschmerzen hilft

Alfred Domke
Tiefliegende Kreuzschmerzen: Was gegen Rückenschmerzen hilft
In Deutschland werden immer mehr Therapien wegen Rückenleiden verordnet. Dies ist auch nicht besonders verwunderlich, schließlich verbringen viele von uns den Großteil des Tages am Schreibtisch. Doch auch Menschen, die in ihrem Job meist sitzen, können Rückenschmerzen gegensteuern.

Wir verbringen immer mehr Zeit im Sitzen
Über 80 Prozent der Deutschen haben irgendwann in ihrem Leben unter Rückenschmerzen zu leiden. Das hat auch damit zu tun, dass viele Berufstätige einen Großteil des Tages sitzend verbringen. „Die Zeit, in der wir sitzen, hat die Zeit, in der wir uns bewegen, leider überholt“, erklärte der Leiter der Zentralen Physiotherapie des Universitätsklinikums Freiburg, Jörg Bohmann in einer älteren Mitteilung. Kommt es zu Beschwerden, sollte man sich nicht übermäßig schonen. Gesundheitsexperten raten vielmehr dazu, den Rücken durch Bewegung zu stärken, um Schmerzen vorzubeugen.

Millionen Bundesbürger leiden immer wieder mal an tiefliegenden Kreuzschmerzen. Das hat auch damit zu tun, dass viele von uns einen Großteil des Tages im Sitzen verbringen. Mit einigen Übungen kann man den Beschwerden gegensteuern. (Bild: Andrey Popov/fotolia.com)

Rückenschmerzen auf natürliche Weise angehen
Das viele Sitzen schadet unserem Rücken sehr schnell. Wenn es zu tiefliegenden Kreuzschmerzen kommt, sollten Betroffene zunächst eine schmerzfreie Position suchen.

Auf Arzneimittel sollte eher verzichtet werden, da Medikamente gegen Rückenschmerzen laut aktuellen Studien oft mehr schaden als helfen.

Als einfache Hausmittel bei Rückenschmerzen hat sich Wärme bewährt, etwa in Form einer Wärmflasche oder eines heißen Bades. Zu empfehlen sind zudem spezielle Übungen gegen Rückenschmerzen.

Sport gegen Rückenprobleme
So eignen sich laut Fachleuten Übungen wie Katzenbuckel, Hacker und Kraule. Und natürlich Sportarten, die das Kreuz stärken – beispielsweise Schwimmen, Nordic Walking oder Pilates.

Allerdings kommt es auf das richtige Maß an. „Die Dosis macht das Gift. Wenn jemand mit Rückenproblemen nur Laufen geht, ist das falsch. Wenn er das sehr lange macht, schadet er sich“ erläuterte Dr. Reinhard Schneiderhan, Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga, in einem Interview.

Er sagte weiter: „Auch Schwimmen ist nicht immer gut für den Rücken. So positiv sich Rücken- oder Brustschwimmen auswirken können, so sehr belastet der Delphin einen untrainierten Rücken. Radfahren bringt relativ wenig, aber es belastet auch nicht.“

Bei Stress werden die Muskeln angespannt
In einer aktuellen Meldung der Nachrichtenagentur dpa haben weitere Experten wichtige Informationen und sinnvolle Tipps zum Thema Kreuzschmerzen.

Neben dem vielen Sitzen, zu wenig Bewegung und Übergewicht ist auch Stress ein Grund dafür, warum so viele Menschen Probleme mit dem unteren Rücken haben.

Wie der Psychologe von der Schmerztagesklinik der Universitätsmedizin Göttingen, Michael Pfingsten, erklärte, spannen sich die Muskeln in stressigen Momenten an. Geht der Betroffene dann zum Sport, baut er die Anspannung ab.

Ist der Körper diesem Stresszustand allerdings dauerhaft ausgesetzt, ist die Muskulatur ebenfalls ständig verspannt – die Folge können Schmerzen sein.

„Dieser Schmerz kann sogar chronisch werden und sich immer mehr ausweiten“, so Pfingsten laut dpa.

Richtige Matratze und gutes Schuhwerk
Schwimmen, Radfahren, Yoga: Bewegung ist grundsätzlich sinnvoll, aber: „Nichts tun, was richtig wehtut“, warnte Peter Baum, Ärztlicher Direktor der Gelenk-Klinik Gundelfingen.

Kombinationen aus Ausdauer- und Muskelaufbautraining seien ideal. Prof. Bernd Kladny, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) empfiehlt Nordic Walking: „Das ist eine gute Kombination aus Muskeltraining, Förderung von Beweglichkeit und Ausdauer.“ Wichtig sei, dass der Patient überhaupt etwas tut.

Um unspezifischen Kreuzschmerz entgegenzuwirken sollte man sich auch richtig betten. Die Wirbelsäule braucht nachts Entlastung. Dafür ist laut Baum „die richtige Matratze entscheidend“. Der Körper muss darauf spannungsfrei liegen.

„Jeder muss das ausprobieren, und zwar nicht nur fünf Minuten im Laden.“ Kladny sieht das ähnlich: „Viele Händler bieten an, die Matratze zuhause zu testen“, so der Mediziner.

Wichtig ist zudem gutes Schuhwerk. Baum zufolge könnten sich Menschen, die erstmalig Probleme mit dem Rücken haben, einfach mal einen guten Laufschuh kaufen. „Die sind meist sehr gut gepolstert.“ Dadurch wird Stoßenergie beim Gehen abgefedert.

Übungen für eine fitte Rückenmuskulatur
Peter Baum aus der Gelenk-Klinik Gundelfingen hat einige Empfehlungen für Übungen für eine fitte Rückenmuskulatur parat, die jeweils zehnmal wiederholt werden sollten: Beim Katzenbuckel richtet man den Blick im Vierfüßlerstand mit geradem Rücken nach unten und krümmt dann die Wirbelsäule langsam, bis der Rücken ganz rund ist. Und wieder zurück in die Ausgangsposition.

Der Kuhrücken beginnt ebenfalls im Vierfüßlerstand. Doch statt den Rücken zu krümmen, lässt man ihn langsam ins Hohlkreuz fallen und hebt dabei den Blick. Anschließend zurück in die Ausgangsposition.

Bei der Brücke liegt man mit dem Rücken auf der Matte, stellt die Beine an und legt die Arme seitlich neben den Körper. Dann die Hüfte langsam vom Boden heben und Wirbel für Wirbel aufrollen. Das Gesäß zehn Sekunden oben halten.

Um den Po zu kräftigen legt man sich mit dem Bauch nach unten auf die Matte und verschränkt die Arme unter der Stirn. Dann langsam die gestreckten Beine anheben und den Po dabei anspannen. Kurz halten und ebenso langsam wieder ablegen.

Auch die Entspannung sollte nicht zu kurz kommen. Dafür kann man sich auf den Boden knien und das Gesäß auf den Fersen absetzen. Dann den Kopf auf dem Boden absetzen, die Arme lang nach vorn ausstrecken und die Hände auf dem Boden ablegen. Dabei tief und gleichmäßig atmen. Die Position sollte rund eine Minute gehalten werden. (ad)