Untergewicht: Ein unterschätztes Gesundheitsrisiko

Fabian Peters

Untergewicht ein erhebliches Risiko für die Gesundheit

05.04.2011

Untergewicht ist in Deutschland ein häufig unterschätztes Risiko für die Gesundheit. Die von Experten als sogenannte „schlechte Futterverwerter“ bezeichneten Personen, müssen ständig viel essen, um überhaupt ihr Gewicht zu halten. Bei Stress oder Erkrankungen wie Beispiel Magen-Darmgrippe nehmen die Betroffenen leicht mehrere Kilogramm ab und es drohen ernsthaften gesundheitlichen Folgen.

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Untergewicht geht meist mit erheblichen Risiken für die Gesundheit einher, da in der Regel auch die Versorgung mit „essenziellen Nährstoffen und/oder Spurenelementen“ nicht gewährleistet ist, warnen die Experten des Deutschen Ernährungsberatungs- und Informationsnetzes. Zwar ist Untergewicht hierzulande weit weniger verbreitet als Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas), doch insgesamt bleibt das Phänomen der „schlechten Futterverwerter“ auch in Deutschland ein ernstzunehmendes gesundheitliches Risiko.

Gesunde Gewichtszunahme schwerer als Abnehmen?
Oft werden die Probleme der Untergewichtigen eher verharmlost und unterschätzt, da in der Gesellschaft vorwiegend die negativen gesundheitlichen Folgen des Übergewichtes diskutiert werden und ein schlanker Körper als generell positiv bewertet wir. Doch für die „schlechten Futterverwerter“ stellt Untergewicht ein erhebliches Problem dar, betonen Experten wie die Ernährungsberaterin mit dem Spezialgebiet Mangelernährung, Kerstin Bernhardt. Denn gesunde Gewichtszunahme sei mindestens genauso schwer wie gesundes Abnehmen, da die Ursachen des Untergewichtes meist komplexer seien als bei Übergewicht oder Adipositas und die Lösung für eine gesunde Gewichtssteigerung meist weniger simpel, erklärte die Ökotrophologin. Einfach das Gegenteil von dem machen, was Ernährungsexperten zum Abnehmen empfehlen, helfe den Betroffenen wenig, warnte Kerstin Bernhardt. Denn deutlich erhöhte Mengen fetter und süßer Speisen seien keine Lösung. Eine solche Ernährung „wäre nicht nur sehr ungesund,“ sondern „auch unnütz oder sogar schädlich“, betonte die Ernährungsberaterin.

Gesundheitliche Risiken von Untergewicht nicht unterschätzen
Oft leiden Untergewichtige unter einer anhaltenden Appetitlosigkeit oder sie essen erhebliche Mengen und der Körper verwertet die Nahrung nur unzureichend, erklärte Susanne Nowitzki-Grimm, Autorin des Buches „Mensch, bist Du dünn! Ein Programm für Leute, die gerne ein paar Kilo mehr auf die Waage bringen würden“ gegenüber dem Nachrichtensender „ntv“. Es gibt in der Tat die sogenannten „schlechten Futterverwerter“, die ungeheure Essensmengen in sich reinschaufeln können, ohne zuzunehmen, erläuterten die Experten. Laut Nowitzki-Grimm geht dies jedoch „vor allem (auf) eine genetische Veranlagung, die man nicht beeinflussen kann“, zurück. Die schlechten Futterverwerter müssen ständig darauf achten, genug zu essen, nur um ihr Gewicht zu halten. An Gewichtszunahme ist bei ihnen unter normalen Umständen nicht zu denken. Die Autorin betonte, dass gute Futterverwerter die meiste mit der Nahrung aufgenommene Energie als Fett im Körper deponieren, während die schlechten Futterverwerter diese Energie in Form von Wärme abgeben. Für die Betroffenen ein ernsthaftes gesundheitliches Risiko, da mit dem Untergewicht meist eine „Unterversorgung an essenziellen Nährstoffen und/oder Spurenelementen“ einhergeht, erläuterten die Experten des Deutschen Ernährungsberatungs- und Informationsnetzes. Durch den Nährstoffmangel werde unter anderem die Entstehung von Osteoporose begünstigt, die Muskelfunktion beeinträchtigt, die Krankheitsanfälligkeit erhöht und die Wundheilung verschlechtert.

Mehr als eine Millionen Deutsche leiden an Untergewicht
In Deutschland sind nach Aussage des Ernährungsberichtes der Deutschen Gesellschaft für Ernährung 1,5 Prozent der Frauen und 0,4 Prozent der Männer untergewichtig, wobei der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes sogar von vier Prozent der Frauen und ein Prozent der Männer mit Untergewicht ausgeht. Nach den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelten Personen mit einen Body-Mass-Index (BMI) unter 18,5 als untergewichtig. Dabei setzt der BMI das Gewicht ins Verhältnis zur Körpergröße und bei einem BMI zwischen 20 und 25 sprechen die Experten von Idealgewicht. In Deutschland leiden vor allem ältere Menschen (meist wegen anhaltender Appetitlosigkeit oder Schädigungen des Kauapparates) an Untergewicht, doch auch bei schweren Krankheit oder Chemotherapien können Patienten so viel Gewicht verlieren, dass sie unter einen BMI von 18,5 fallen. Allerdings können laut Aussage der Experten auch junge, gesunde Menschen betroffen sein, wobei hier häufiger ein verstecktes medizinisches Problem wie zum Beispiel eine Stoffwechselstörung vorliege. Allerdings kann der Ernährungsberaterin, Kerstin Bernhardt, zufolge auch psychischer Stress eine Schleife auslösen, die zu Untergewicht führt. „Es gibt die, die bei Kummer mehr essen und es gibt die, die bei Kummer nichts mehr essen“, erklärte die Ökotrophologin. Als klassisches Beispiel werde hier Liebeskummer genannt, der den Magen regelrecht einschnürt, die Nerven flattern und nach den ersten Bissen bereits Sättigungsgefühle aufkommen lässt. Bei anhaltender Appetitlosigkeit trete relativ schnell eine Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen ein und weitere Mangelerscheinungen seien die Folge. Die Betroffenen werden häufig antriebslos, nervös oder gereizt, erläuterte die Expertin. Insgesamt sind nach Einschätzung der Fachleute hierzulande deutlich mehr als eine Millionen Menschen von Untergewicht betroffen.

Behandlung von Untergewicht durch Ernährungsumstellung
Die Behandlung von Untergewicht ist meist ein langwieriger Prozess bei dem die Betroffenen über Monate lernen ihre Ernährungsgewohnheiten entsprechend umzustellen, erklärte die Autorin Susanne Nowitzki-Grimm, die im schwäbischen Schorndorf auch mehrmonatige „Zunehmkurse“ anbietet. Auch Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) betont, wie wichtig regelmäßiges und häufiges Essen insbesondere bei Untergewicht ist. Dabei sollte die Ernährung im wesentlichen auf viel Milch, Käse, Joghurt, Sahne und mit Öl angereicherten Speisen sowie Nüsse und frisch gepressten Obstsäften beruhen, empfiehlt die BZgA. Auch fettreicher Fisch wie Sardinen, Thunfisch oder Lachs ist auf Basis einer aktuellen Studie des Fred-Hutchinson-Krebszentrums und der University of Alaska-Fairbanks zu empfehlen. Denn die Forscher haben bei einer Untersuchung der gesundheitlichen Auswirkung einer Ernährung mit besonders fettreichen Fischarten festgestellt, dass diese nicht nur dick macht, sondern auch gesund hält. Bei der Studie an den Ureinwohnern Alaskas, den Yup’ik-Eskimos, stellten die Wissenschaftler fest, dass diese zwar häufig übergewichtig waren, jedoch bestimmte Krankheiten deutlich seltener auftraten als beim Durchschnitt der US-Bürger. Den Forschern zufolge hatte die auf fettreichen Fischen basierende Ernährung eine eindeutig vorbeugende Wirkung gegenüber Diabetes und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. So stellt fettreicher Fisch offenbar eine besonders gesunde Möglichkeit dar, das Körpergewicht effizient zu steigern. (fp)