Unterschätztes Risiko: Wie gefährlich ist Tollwut tatsächlich?

Alfred Domke

Gefährliche Infektionskrankheit: Tollwut stellt noch immer eine Bedrohung dar

Am Sonntagabend war im Dortmunder „Tatort“ ein Mann zu sehen, der nach einer Tollwut-Infektion einen schrecklichen Tod erleiden musste. Für die TV-Ermittler stellte sich die Frage, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Auch manche Zuschauer fragen sich seitdem, ob man sich hierzulande tatsächlich noch mit der gefährlichen Krankheit infizieren kann. Theoretisch schon, erklären Experten.

Tollwut-Gefahr in Deutschland?

Wer am Sonntagabend vorm Fernseher saß, hat womöglich mitangesehen, wie ein Häftling im Dortmunder „Tatort“ unter großen Qualen sterben musste. Der Mann war absichtlich mit Tollwut infiziert worden. Besteht aber in Deutschland wirklich noch die Gefahr, sich mit der besiegt geglaubten Infektionskrankheit anzustecken? Im TV-Krimi wurde dies über den Zugang zu Tollwut-Viren, die in einem Labor lagerten, möglich. Besteht aber auch im Alltag noch ein Risiko? Experten haben Antworten darauf.

Im aktuellsten „Tatort“ stand ein Todesfall durch Tollwut im Mittelpunkt der Ermittler. Hierzulande ist die Gefahr, sich anzustecken, kaum gegeben. In anderen Ländern wird die gefährliche Krankheit häufig durch Hundebisse übertragen. (Bild: Isabel B. Meyer/fotolia.com)

Tollwut fordert jedes Jahr Zehntausende Tote

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jedes Jahr weltweit rund 59.000 Menschen an Tollwut. In Deutschland konnte die gefährliche Infektionskrankheit so gut wie ausgerottet werden.

Lediglich bei Fledermäusen konnte das Virus hierzulande in den vergangenen Jahren nachgewiesen werden, weshalb Fachleute mahnen, die Tiere niemals mit bloßen Händen anzufassen.

„Für in Deutschland lebende Menschen bestehen gegenwärtig erhöhte Infektionsrisiken fast ausschließlich bei Reisen in Länder mit endemischem Vorkommen der Tollwut“, schreibt das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Webseite.

Daher sei laut Gesundheitsexperten bei Fernreisen immer das Tollwut-Risiko zu bedenken.

Infektionen durch Hundebisse

„Die meisten humanen Todesfälle sind Folge von Bissen durch tollwutinfizierte Hunde. Während Hunde das Hauptreservoir für das klassische Tollwutvirus darstellen, waren es in der Vergangenheit in Deutschland Füchse“, so das RKI.

Auch wenn geschädigte Haut oder die Schleimhäute von Mund, Nase oder Auge beispielsweise mit infiziertem Hundespeichel in Kontakt kommen, kann das Virus übertragen werden.

Allerdings liegt der letzte Tollwut-Fall in Deutschland lange zurück. Es handelte sich um einen Mann, der im Jahr 2007 in Marokko von einem streunenden Hund gebissen wurde.

Gegen Tollwut gibt es kein Heilmittel

Kommt es zu einem Biss oder Kratzer, muss die Stelle gründlich gereinigt und ein Arzt aufgesucht werden. Wenn erst abgewartet wird, ob Tollwut-Symptome auftreten, dann ist es in der Regel bereits zu spät für eine Therapie.

Eine Infektion mit dem Tollwut-Erreger wird normalerweise mit einer sofortigen aktiven Impfung und mit speziellen Antikörpern (Immunglobulin) behandelt. Auch eine vorbeugende Impfung steht zur Verfügung.

Ein Heilmittel gegen Tollwut gibt es nicht. Die Krankheit bricht zwar nicht bei jedem aus, der sich infiziert hat, doch bei denen sie ausbricht, endet sie zu fast 100 Prozent tödlich.

Ohne Behandlung führt die Infektion sehr schnell zum Tod

Nach einer Infektion kommt es zunächst zu uncharakteristischen Beschwerden wie Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit. Fieber tritt nicht bei allen auf.

Auch Brennen, Jucken und vermehrte Schmerzempfindlichkeit im Bereich der Bisswunde sind möglich. In diesem Stadium kann es für eine Behandlung bereits zu spät sein.

Später kommt es dann unter anderem zu Krämpfen in der Schlundmuskulatur und erheblicher Angst vor dem Trinken. Der Gemütszustand der Patienten wechselt zwischen aggressiver und depressiver Verstimmung.

„Der Tod tritt in der Regel im Koma und unter den Zeichen der Atemlähmung ein. Zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem Tod liegen bei unbehandelten Patienten maximal 7 Tage“, schreibt das RKI.

Bis zum Ausbruch der Krankheit können Jahre vergehen

„In der Regel beträgt die Inkubationszeit drei bis acht Wochen. In Einzelfällen kann es sogar mehrere Jahre dauern, bis die Krankheit ausbricht“, erklärt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin in einer Mitteilung.

Der Experte rät dazu, vorzubeugen und sich schon vor der Reise vollständig mit einem modernen Zellkulturimpfstoff impfen zu lassen. Für einen vollständigen Schutz wird die Tollwutimpfung in drei Dosen innerhalb von mehreren Wochen verabreicht.

Bei der sogenannten Schnellimmunisierung ist es auch möglich, innerhalb von einer Woche zu impfen. Nach Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier sollte dann sicherheitshalber noch einmal geimpft werden. (ad)