Untersucht: Nachtarbeit ist schlecht fürs Herz

Ständiger Wechsel zwischen Tag- und Nachtschicht kann schwerwiegende Folgen haben. (Bild: Tanja/fotolia.com)
Nina Reese
Risiko für Herzerkrankungen durch langjährige Nachtschichten erhöht
Nachtarbeit kann sich unter Umstände negativ auf die Gesundheit auswirken. Davor warnen Experten schon seit Längerem. Laut verschiedener Studien ist beispielsweise das Brustkrebs-Risiko durch regelmäßige Nachtschichten erhöht, ebenso steigt die Gefahr für Diabetes und Übergewicht. Nun hat eine neue Untersuchung ergeben, dass nächtliches Arbeiten auch schlecht fürs Herz sein kann. Denn nach zehn Jahren Nachtschicht sei das Risiko für die Entwicklung einer koronaren Herzerkrankung deutlich erhöht, berichtet das internationale Forscherteam um Celine Vetter von der Harvard Universität in Boston im Fachmagazin „JAMA“.

Zusammenhang mit Herzproblemen schon lange bekannt
Schon seit Jahren belegen Studien immer wieder, dass regelmäßige Nachtarbeit zu gesundheitlichen Schädigungen führen kann. So konnten US-Forscher beispielsweise zeigen, dass Übergewicht und Diabetes Typ II durch Schichtarbeit begünstigt werden. Ebenso deuten Untersuchungen schon seit Langem auf einen Zusammenhang zwischen Nachtschichten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen an. „Wir haben seit Jahren Studien zu diesem Thema laufen. Dabei hat sich gezeigt, das bei Nacht- und Schichtarbeit vor allem Störungen des Magen-Darmtrakts und Herz-Kreislauf-Probleme bei diesen Beschäftigten verstärkt auftreten“, sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur „APA“ schon 1987 der damalige Vorstand des Instituts für Umwelthygiene der Universität Wien, Manfred Haider.

Ständiger Wechsel zwischen Tag- und Nachtschicht kann schwerwiegende Folgen haben. (Bild: Tanja/fotolia.com)
Ständiger Wechsel zwischen Tag- und Nachtschicht kann schwerwiegende Folgen haben. (Bild: Tanja/fotolia.com)

Forscher untersuchen rund 240.000 Krankenschwestern
Nun konnten durch eine aktuelle Beobachtungsstudie unter Leitung von Eva Schernhammer von der Abteilung für Epidemiologie der MedUni Wien neue wichtige Erkenntnisse zu diesem Thema gewonnen werden. Laut einer aktuellen Mitteilung der Universität hatten die Forscher für die umfangreiche amerikanischen Kohorten-Studie rund 240.000 Krankenschwestern in den USA untersucht, die seit mindestens fünf Jahren im unregelmäßigen Wechsel für Tag- und Nachtschichten eingeteilt waren. Es zeigte sich, dass Frauen, die mehr als zehn Jahre lang auch nachts arbeiten, ein um 15 bis 18 Prozent höheres Risiko für die koronare Herzerkrankung haben als diejenigen, die nur im Tagesdienst tätig sind. Das Risiko sei demnach aber auch schon ab fünf Jahren nächtlicher Arbeit deutlich erhöht. Die Forscher erkannten, dass dies auch für die Frauen galt, die vor Eintritt in den Nachtschicht-Rhythmus gesund waren und keine Vorerkrankungen hatten. Gleichzeitig konnten sie aber auch belegen, dass das erhöhte Risiko für eine koronare Herzerkrankung sukzessive wieder abnahm, wenn die Frauen nur noch tagsüber arbeiteten oder in Rente gingen.

Arbeitgeber sollten präventive Gesundheitschecks anbieten
Den Experten zufolge sei daher ein generelles Überdenken der Nachtschicht-Pläne empfehlenswert, ebenso sollten Arbeitgeber präventive, innerbetriebliche Gesundheitschecks anbieten. Zudem könne es sinnvoll sein, bei der Einstellung zu beachten, welchem „Chronotypen“ der neue Mitarbeiter angehört. „In etwa zehn bis 15 Prozent der Menschen sind Abendtypen, und 20 Prozent oder mehr sind Morgenmenschen. Der Rest sind Mischtypen“, so Eva Schernhammer laut der Mitteilung der Uni. Ein schneller Wechsel zwischen Tag- und Nachtarbeit könne demnach bei empfindlichen Menschen schon zu einem „Mini-Jet-Lag“ und Schlafstörungen führen. (nr)

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