Untersuchungen: Harnwegsinfektionen werden oft falsch diagnostiziert

Fabian Peters
Harnwegsinfektionen werden häufig falsch diagnostiziert
Viele Frauen kennen das Problem von krampfartigen Schmerzen bei Harndrang sowie Beschwerden beim Wasserlassen. Meist wird dahinter schnell eine Harnwegsinfektion vermutet. Forscher fanden nun aber in einer Untersuchung heraus, dass häufig falsche Diagnosen gestellt werden.

(Bild: Henrie/fotolia.com)
Oft werden bei einem Harnwegsinfekt fälschlischerweise Bakterien als Ursache vermutet, obwohl Chlamydien oder andere Erreger hinter den Beschwerden stecken. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Heftige Beschwerden beim Wasserlassen
Vor allem viele Frauen kennen das Problem von krampfartigen Schmerzen bei Harndrang und Beschwerden beim Wasserlassen. Häufiges Wasserlassen/Urinieren zwingen sie ständig zur Toilette, es brennt und schmerzt. Wenn das Wasserlassen dermaßen unangenehm wird, liegt schnell der Verdacht nahe, dass man sich einen Blaseninfekt beziehungsweise eine Infektion der Harnwege zugezogen hat. Oder möglicherweise doch eine Geschlechtskrankheit? Die „Welt am Sonntag“ berichtet online, dass Wissenschaftler herausgefunden haben, dass in diesem Zusammenhang oft falsche Diagnosen gestellt werden.

Über die Hälfte der Diagnosen falsch
Demnach haben sich Mikrobiologen die Diagnosen und Urinproben von 264 Frauen noch einmal angesehen, die in ein Krankenhaus in der Stadt Cleveland in den USA gekommen waren, da sie die Schmerzen nicht mehr aushielten. Die Forscher stellten dabei fest, dass ein großer Teil der Diagnosen falsch waren. So war 175 Frauen eine Harnwegsinfektion attestiert worden, doch nur bei 84 dieser Frauen wurden tatsächlich Bakterien gefunden, die eine solche Infektion auslösen. Über die Hälfte der Diagnosen stimmte also nicht.

Erreger bei Urintest nicht leicht auseinanderzuhalten
Den Angaben zufolge waren 60 der 264 Patientinnen mit Chlamydien oder den Erregern der sexuell übertragbaren Krankheiten Gonorrhö oder Trichomoniasis infiziert. Allerdings war dies bei 22 von ihnen nicht gleich festgestellt worden. Den Forschern zufolge seien die Krankheiten bei einem schnellen Urintest nicht leicht auseinanderzuhalten. Wie es heißt, könne man nur herausfinden, welcher Keim wirklich hinter den Beschwerden steckt, wenn man eine Bakterienkultur in der Probe anlegt. Und nur dann können man die passenden Antibiotika oder Medikamente verordnen. Allerdings müssen es nicht immer solche Arzneien sein. So meinte Prof. Dr. Kurt G. Naber, Urologe und früherer Chefarzt der Urologischen Klinik im Klinikum St. Elisabeth, Straubing, in einer Pressemitteilung im vergangenen Jahr, dass bei einem Harnweginfekt Naturheilkunde statt Antibiotika oft die bessere Lösung ist. (ad)