Urlauber bringen exotische Krankheiten mit

Astrid Goldmayer

Urlauber bringen immer häufiger exotische Krankheiten mit

17.08.2012

Immer häufiger infizieren sich Urlauber mit exotischen Krankheiten. Längst haben einige Überträger-Tiere aufgrund der Klimaerwärmung auch den Sprung nach Europa geschafft. In den meisten Fällen werden die zum Teil gefährlichen Viren durch Insektenstiche übertragen. Aber auch Infektionen über Fäkal-Keime wie beispielsweise bei Sarkozystose, die spontane Darmentleerungen zur Folge hat, treten auf. Das ungewollte Souvenir aus dem Urlaub kann gravierende gesundheitliche Folgen haben und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen. Urlauber sollten sich vor ihrer Reise informieren und sich schützen.

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Exotische Mückenarten inzwischen auch in Deutschland
Früher galten exotische Krankheiten wie das Chikungunya-, Pappataci- oder Dengue-Fieber als sehr selten in Deutschland. Inzwischen gehören besonders während und kurz nach der Hauptreisezeit annähernd zum Alltag vieler Ärzte. Aufgrund des Klimawandels kommen exotische Überträger-Tiere seit einiger Zeit auch in Europa vor. Die Asiatische Tigermücke ist beispielsweise auch am Oberrhein heimisch.

„Vor allem durch Insektenstiche übertragene Krankheiten nehmen zu“, erklärt Christian Meyer vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI). An erster Stelle der eingeschleppten Erkrankung steht noch immer Malaria. Jährlich treten rund 500 Fälle in Deutschland auf, die nur sehr selten, wenn Ärzte die Krankheit nicht erkennen, tödlich enden. Während sich die Zahl der Malaria-Fälle stabilisiert habe, seien andere Erkrankungen, die durch Stechmücken übertragen werden, dagegen auf dem Vormarsch. Meyer nennt in diesem Zusammenhang das Dengue- und Chikungunya-Fieber.

Exotische Krankheiten werden häufig von Stechmücken übertragen
Beide Erkrankungen werden unter anderem durch die Asiatische Tigermücke übertragen. Sie gilt als Hauptüberträger der Krankheiten. Das Chikungunya-Fieber trat erstmals im Sommer 2007 in Norditalien auf. Damals infizierten sich rund 200 Menschen mit dem Virus. Heute erkranken jährlich etwa 20 bis 50 deutsche Urlauber, die das Virus meistens aus Thailand, Indonesien oder den Malediven mitbringen. Die Symptome von Chikungunya ähneln denen einer Grippe. Neben hohem Fieber treten Gelenkbeschwerden auf. Die Diagnose erfolgt mittels Blutuntersuchung. Die Krankheit verläuft in den meisten Fällen gutartig, ohne bleibende Schäden zu verursachen. Selten tritt das sogenannte hämorrhagische Fieber auf, bei dem es zu inneren Blutungen kommen kann. Ein tödlicher Verlauf von Chikungunya ist sehr selten.

Auch das Dengue-Fieber wird durch die Asiatische Tigermücke übertragen. Während Betroffene zunächst grippeähnliche Symptome wie Fieber, Glieder- und Gelenkschmerzen zeigen, kann es im weiteren Verlauf zu inneren Blutungen und dem sogenannten Dengue-Schock-Syndrom (DSS) kommen, was in beiden Fällen zum Tod des Patienten führen kann. Dengue-Fieber ist die sich am schnellsten ausbreitende und von Stechmücken übertragene virale Infektionskrankheit weltweit. Bislang gibt es weder einen Impfstoff noch eine erfolgsversprechende antivirale Therapie. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt es weltweit jährlich zu rund 20.000 Todesfällen durch das Dengue-Fieber. Dengue ist seit 2010 auch in Südfrankreich und Kroatien heimisch. Wie das Centrum für Reisemedizin berichtet, schleppen heute etwa zehnmal mehr Urlauber das Virus nach Deutschland ein als noch im Jahr 2001.

Das sogenannte Pappataci-Fieber wird durch Sandmücken übertragen und tritt in der Toskana auf. Bei einer Infektion kann es neben hohem Fieber, schwerem Krankheitsgefühl und sehr starken Kopfschmerzen bei zu zwölf Prozent der Fälle auch zur Hirnhautentzündung und komatösen Zuständen kommen. Zu den weiteren Symptomen des Pappataci-Fiebers können Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Steifheitsgefühl in den Beinen sowie Rückenschmerzen gehören.

Für Urlauber Schutz vor Mückenstichen und Bakterien wichtig
Um sich vor den krankheitsübertragenden Mücken zu schützen, helfen mückenabweisende Sprays und Lotionen, die nicht nur abends auf Haut und Kleidung aufgetragen werden sollten, da sowohl die Asiatische Tigermücke als auch die die Schlafkrankheit übertragenden afrikanischen Tsetse-Fliegen am Tag aktiv sind. Die Mittel sollten einen hohen Anteil des Wirkstoffs DEET enthalten, da dieser die lästigen Insekten vertreibt.

Um sich im Urlaub vor bakteriell verursachten Erkrankungen, die meist zu Durchfall führen, zu schützen sind häufiges Händewaschen, abgekochte Speisen sowie Getränke aus verschlossenen Flaschen ein Muss. Shigelliose, eine auch als Bakterienruhr bezeichnete Durchfallerkrankung, nimmt laut Angaben des Robert-Koch-Instituts zu. Sie wird vor allem aus Ländern wie Äqypten und Indien eingeschleppt.

Ein besonders unangenehmer Parasit tritt in Asien auf. „Etwa ein Fünftel der Menschheit ist mit dem Spulwurm infiziert“, erläutert Tropenmediziner Meyer. Damit ist er der weltweit am häufigsten auftretende Parasit. Er kann bis zu 30 Zentimeter lang werden. Die Infektion erfolgt über die Nahrungsaufnahme von kotgedüngtem und nicht ausreichend abgekochtem Gemüse, auf dem die Eier des Spulwurms sitzen. Im Darm schlüpfen die Larven und wandern von dort aus durch den gesamten Körper des Betroffenen und zurück in den Darm, wo sie zu großen Ansammlungen von dicken Würmern heranwachsen und bis zu 200.000 Eier pro Tag legen. Betroffene können einen lebensbedrohlichen Darmverschluss erleiden. (ag)