Urologie: Macht Radfahren Männer wirklich impotent?

Volker Blasek

Neue Studie räumt mit Mythen über das Radfahren auf

Radfahren erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit. Doch schon seit längerem geistern Gerüchte durch die Medien, dass häufiges Radfahren die Sexualfunktion des Mannes einschränken kann. In einer aktuellen Studie wurden nun männliche Radfahrer hinsichtlich Harn- und Sexualfunktion in einer großen multinationalen Stichprobe untersucht, um mit den Gerüchten aufzuräumen. Männer, die gerne und viel Radfahren, können aufatmen. Denn die Studie zeigt, dass Radfahren kein erhöhtes Risiko für sexuelle Funktionsstörungen darstellt.


Zahlreiche frühere Berichte haben zu der Überzeugung geführt, dass Radfahren aufgrund des anhaltenden Drucks auf das Perineum Mikrotrauma auslösen kann, die nachteilige Auswirkungen auf die sexuelle Gesundheit oder die Gesundheit der Harnwege haben könnten. Dies hat eine neue Studie der „University of California“ entkräftet. Die Studie wird als die bisher größte ihrer Art gewertet. 2.774 Radfahrer, 539 Schwimmer und 789 Läufer aus verschiedenen Ländern waren an der Studie beteiligt. Die Forschung berücksichtigte auch die Fahrradintensität, Fahrrad- und Sattelkonfiguration und sogar Straßenbedingungen. Die Ergebnisse wurden in dem Fachmagazin „The Journal of Urology“ veröffentlicht.

Neue Studie ermutigt Radfahrer. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Radfahrer keine sexuellen Funktionsstörungen befürchten müssen. (Bild: ARochau/fotolia.com)

Verschiedene Gruppen der Intensität

Die Radfahrer wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe bestand aus Leuten, die regelmäßig mit niedriger Intensität radelten. Die andere Gruppe umfasste Menschen, die mit hoher Intensität durchschnittlich über 40 Kilometer täglich auf dem Rad zurücklegten. Eine Kontrollgruppe bestand aus Schwimmern und Läufern. Im Vergleich der verschiedenen Gruppen haben die Forscher einige interessante Erkenntnisse gewonnen. Sexuelle und urinale Gesundheit war bei allen Teilnehmern vergleichbar, obwohl einige Radfahrer eine höhere Rate an Harnröhrenverengungen aufwiesen.

Niedrige Lenkerhöhe kann genitale Taubheit verursachen

In Bezug auf die Fahrrad- und Straßenoberfläche stellten die Forscher fest, dass diese keine negativen Auswirkungen auf die Radfahrer hatten. Allerdings könne es zu einer Taubheit im Genitalbereich kommen, wenn die Lenkerhöhe niedriger als die Sattelhöhe ist. Wenn die Sportler allerdings mehr als 20 Prozent der Zeit beim Radfahren stehen, sei die Wahrscheinlichkeit von genitaler Taubheit deutlich reduziert.

Gesundheitsfördernde Vorteile überwiegen

Die Auswertungen der Umfrage legen den Schluss nahe, dass Radfahrer keine schlechtere sexuelle Funktion als Schwimmer oder Läufer haben. Auch in Bezug auf die Gesundheit der Harnwege konnten die Forscher nur eine erhöhte Anfälligkeit für Harnröhrenstriktur feststellen. Ansonsten bestanden keine gesundheitlichen Bedenken.

„Wir glauben, dass die Ergebnisse für Radfahrer ermutigend sein werden“, berichtet Studienleiter Benjamin Breyer von der Abteilung für Urologie an der Universität von Kalifornien in einer Pressemitteilung zu der aktuellen Studie.

Radfahren biete enorme kardiovaskuläre Vorteile und habe geringe Auswirkungen auf die Gelenke. „Wir glauben, dass die gesundheitsfördernden Vorteile von Radfahren die Gesundheitsrisiken weit übertreffen werden“, so Breyer. In zukünftigen Untersuchungen müsse genauer auf diejenigen geschaut werden, die über Taubheit berichteten, um festzustellen, ob dies ein Prädiktor für zukünftige Probleme sein könnte. (fp)