Vegane Ernährung von Hunden: Gemüse statt Knochen

Heilpraxisnet

Wenn der Hund vegan leben muss

01.10.2014

Vegan ist im Trend – und das längst nicht mehr nur unter den Menschen. So findet vegane Tiernahrung mittlerweile immer mehr Kunden beispielsweise unter den Hundebesitzern. „Was für Herrchen und Frauchen gut ist, kann für den Hund auch nicht schlecht sein“, scheint eine gängige, aber auch umstrittene Annahme zu sein. Denn während die einen vegane Tiernahrung über alle Maßen loben, ist die vegane Ernährungsweise von Hunden für die anderen Tierquälerei. Die Nachrichtenagentur „dpa“ sprach mit Experten über Tofu-Sticks und vegane Schweineohren statt Knochen und Pansen.

Immer mehr Veganer ernähren auch ihre Hunde ohne tierische Produkte
In vielen Bioläden gehört vegane Tiernahrung zum festen Sortiment. Denn wer sich selbst vegan ernährt – fleischlos und ohne tierische Produkte wie Milch, Eier und Honig – möchte meist auch seinem Hund diese von vielen als besonders gesund bewertete Ernährungsweise zukommen lassen. Statt herkömmlichen Würstchen liegen dann Tofu-Sticks oder vegane Schweineohren als im Futternapf. Neben sogenannten Fleischersatzprodukten, die es auch für Menschen gibt, stehen bei veganen Hunden auch Gemüse, Linsen, Nüsse, Birnen, Reis und vegane Tierfuttermischungen auf dem Speiseplan. Der Handel hat längst erkannt, dass es einen inzwischen einen beachtlichen Markt für vegane Tiernahrung gibt. Die Zahl der Veganer steige stetig, so die Pressesprecherin des Vegetarierbundes Deutschland, Stephanie Stragies, gegenüber der Nachrichtenagentur. „Immer mehr Menschen werden gleich vegan und machen nicht erst einen Umweg über das vegetarische Leben.“ Viele dieser Menschen ernähren auch ihre Haustiere vegan.

„Vegan zu leben, ist verbunden mit einer gewissen Haltung“, sagte Trendforscher Peter Wippermann zur Nachrichtenagentur. Diese würde der eine oder andere auch auf andere Lebewesen übertragen. „Dazu gehören dann auch Haustiere.“

Ellen Kienzle, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik am Lehrstuhl für Tierernährung der Ludwig-Maximilians-Universität München, sieht die vegane Ernährungsweise von Hunden kritisch. Viele Menschen unterschätzen den hohen Kalzium-Bedarf von Hunden, erläutert sie im Interview mit dem Magazin „Spiegel-Online“, den sie unter anderem durch Knochen decken. Komme es zu einem Kalziummangel, würden Skelett-Erkrankungen wie brüchige Knochen auftreten, was sich innerhalb von zwei Jahren manifestieren könne. Welpen seien dabei besonders gefährdet, so Kienzle.

Immer mehr vegane Hundehalter wollen ihre Tiere vegan ernähren. „Der Bedarf veganer Hundenahrung an ist stetig steigend“, wird vom Fachhandel bestätigt. Helen Unsinn von der veganen Supermarkt-Kette „Veganz“ beschreibt die Kunden so: „Es sind unsere veganen Kunden, die ihre Tiere vegan ernähren oder Kunden, die selbst nicht vegan sind, aber ihren Hund aus gesundheitlichen Gründen vegan ernähren“ Das ist beispielsweise bei Allergien der Fall. Im Sortiment sind 30 bis 40 vegane Tiernahrungs-Produkte. Der absolute Verkaufsschlager sind die veganen Schweineohren.
Keine artgerechte Hundeernährung?
Doch nicht alle Veganer stehen auch voll dahinter. „Es ist keine artgerechte Hundeernährung“, sagt Christina Müller. „Das Thema spaltet“. Eine randomisierte Langzeitstudie zu diesem Thema gibt es nach Angaben der FU Berlin nicht. Wichtig sei es aber in jedem Fall, „Mangelerscheinigungen vorzubeugen“,wie Susan Kröger betont. Daher sei es am Besten den Tierarzt zu befragen, bevor der Hundebesitzer entscheidet, dass das Tier ausschließlich veganes Fressen serviert bekommt. Dieser könne dann nämlich entscheiden, welche eventuellen Zusatzstoffe benötigt werden, um die Gesundheit des Tieres nicht zu gefährden.

Zu Fehler komme es oft, wenn das vegane Hundefutter selbst zuhause zubereitet wird, bestätigt auch die stellvertretende Leiterin des Lehrstuhls für Tierernährung und Diätetik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Britta Dobenecker. Zudem gebe es zu wenig Rationskomponenten bei der veganen Ernährung, weshalb die Zubereitung noch schwieriger wird. Hierdurch kann es zu Mangelerscheinungen an Vitaminen A, Kupfer, Zink oder essenziellen Aminosäuren kommen, wenn diese nicht extra verabreicht werden. Eigentlich sollte vegane Hundenahrungs-Artikel diese Inhaltsstoffe enthalten. Leider ist das aber nicht immer der Fall. Daher sei eine Rationsberechnung sinnvoll, wie die Expertin weiter erklärte.

Im Grundsatz könne ein Hund vegan ernährt werden. Voraussetzung sei aber dass alle essenziellen Nährstoffe zusätzlich gegeben werden, so Dobenecker. Fraglich sei die vegane Nahrung aber dann, wenn die Hündinnen tragend sind oder säugen müssen. Auch der Anspruch von Welpen ist in der Wachstumsphase sehr viel höher. (ag)

Bild: Ruby-Stein / pixelio.de