Veggie-Fake: Fleischersatzprodukte besser nur ab und zu verzehren

Alfred Domke
Experten raten: Veggie-Fleischprodukte nur in Maßen essen
Immer mehr Menschen schränken ihren Fleischkonsum ein oder verzichten ganz auf tierische Lebensmittel. Manche wollen aber dennoch den Geschmack nicht missen. Vegetarische Fleischersatzprodukte haben in den letzten Jahren einen wahren Boom erlebt. Doch die pflanzlichen Alternativen sind nicht automatisch nachhaltig und uneingeschränkt empfehlenswert.

Nachfrage nach Fleischersatzprodukten steigt
Immer weniger Menschen essen Fleisch. Gründe für eine fleischfreie Ernährung gibt es genug. So kamen verschiedene wissenschaftliche Studien zu dem Ergebnis, dass dadurch das Risiko von Diabetes, Bluthochdruck sowie anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesenkt werden kann. Außerdem bekommen Vegetarier seltener Darmkrebs. Herstellern von Fleischersatzprodukten hat der Trend zur vegetarischen Ernährung große Freude bereitet. Experten weisen aber darauf hin, dass die pflanzlichen Alternativen nicht automatisch nachhaltig und uneingeschränkt empfehlenswert sind.

Vegetarische Würstchen, Burger und Schnitzel erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Man sollte die pflanzlichen Fleischalternativen aber nur in Maßen genießen, raten Experten. (Bild: PhotoSG/fotolia.com)

Nicht automatisch nachhaltig
Noch vor einigen Jahren fand sich pflanzlicher Fleischersatz fast nur im Bioladen oder Reformhaus, heute sind vegetarische Schnitzel und Würstchen in fast jedem gut sortierten Supermarkt erhältlich.

Rein pflanzliche Fleisch- und Wurstalternativen sind aber nicht automatisch nachhaltig und uneingeschränkt empfehlenswert, nur weil sie kein Fleisch enthalten, berichtet der Bundesverband Verbraucher Initiative in einer Mitteilung. Sie sollten daher nur in Maßen gegessen werden.

Die Basis für Fleischersatz bilden Soja, Weizen, pflanzliche Öle, Hühnereier und Milch. „Um daraus ansprechende Alternativen zu Schnitzel, Würstchen oder Fleischwurst herzustellen, sind energieaufwendige Verarbeitungsschritte und weitere Zusätze notwendig“, so Alexandra Borchard-Becker, Ernährungsexpertin bei der Verbraucher Initiative.

Gesundheitliche und ethische Vorteile
Häufig wird in den Ersatzprodukten eine ganze Reihe von Gewürzen, Aromen und Zusatzstoffen verarbeitet, um vom Aussehen und Aroma nah an das Fleisch-Original heranzukommen.

Manche Rohstoffe wie Soja legen zum Teil weite Transportwege zurück. Und Zusatzstoffe, Aromen und Gewürze sind oft hoch verarbeitet und dadurch nicht sehr klimafreundlich, berichtet die Verbraucher Initiative.

Andere Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass Veggie-Würste und Co. im Vergleich zu Fleisch das Klima sehr wohl schützen. Schließlich ist die Tierhaltung Hauptverursacher klimarelevanter Emissionen im landwirtschaftlichen Bereich.

Dass die vegetarischen Produkte gesundheitliche und ethische Vorteile haben, wird nicht angezweifelt. „Die Fleischalternativen enthalten kein oder kaum Cholesterin und meistens weniger Fett als ihre tierischen Originale. Für ihre Herstellung werden keine Tiere getötet“, so Borchard-Becker.

Die Ersatzprodukte sorgen für Abwechslung und erleichtern eine fleischarme oder vegetarische Lebensweise. Und weniger oder kein Fleisch mehr zu essen, hat nachweislich positive Effekte auf die Gesundheit – zumindest wenn die Ernährung ausgewogen ist.

Ware aus einheimischen Zutaten
„Bevorzugen Sie Produkte mit Weizen, Lupinen oder Sojabohnen aus Deutschland oder benachbarten Ländern“, rät die Ernährungsexpertin. „Essen Sie die fertigen Fleischersatzprodukte nur gelegentlich.“

Geringer verarbeitete Lebensmittel wie Tofu (Sojaquark), Tempeh (fermentiertes Sojaprodukt) oder selbst zubereitete Burger oder Puffer sind empfehlenswerter als Fleischersatzprodukte, weil sie mit weniger Verarbeitungsschritten – aus gesundem Getreide, Hülsenfrüchten und Gemüse – hergestellt werden können. (ad)