Verbessertes sexuelles Erleben: Von dem Kuschelhormon Oxytocin profitieren Frau und Mann

Alfred Domke
Verbessertes sexuelles Erleben des Mannes bei Oxytocin-Behandlung der Frau
Wenn Frauen mit dem „Kuschelhormon“ Oxytocin behandelt werden, kann dies auch Vorteile für Männer mit sich bringen. Ihr sexuelles Erleben wird dadurch verbessert, berichten ForscherInnen aus Österreich. Ausschlaggebend dafür ist wohl die Verbesserung der Kommunikation des Paares.

Kuschelhormon mit vielfältigen Wirkungen
Das auch als „Kuschel“- oder „Bindungshormon“ bezeichnete Oxytocin spielt besonders bei der Geburt eine große Rolle, da es eine Kontraktion der Gebärmuttermuskulatur auslöst und die Wehen einleitet. Zudem ist es wichtig für eine starke Bindung zwischen Mutter und Kind sowie den Milcheinschuss der Mutter. Es hilft Ängste zu bewältigen und beeinflusst auch das Verhalten zwischen Partnern und generell soziale Interaktionen, indem es bindungsfähiger macht und beruhigt.

In einer aktuellen Studie zeigte sich, dass sich das sexuelle Erleben von Männern, deren Frauen mit dem sogenannten „Kuschelhormon“ Oxytocin behandelt werden, verbessert. (Bild: detailblick-foto/fotolia.com)

Gegen Schmerzen und sexuelle Unlust
Das Hormon kann aber noch viel mehr: So zeigten wissenschaftliche Untersuchungen, dass Ocytocin bei Muskelschwund und auch bei Magersucht helfen könnte.

Und es lindert Schmerzen, wie Forscher des Max-Planck-Instituts für medizinische Forschung in Heidelberg im vergangenen Jahr berichteten.

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Nicht zuletzt zeigten wissenschaftliche Untersuchungen, dass Oxytocin bei Frauen sexuelle Unlust mindern kann.

Wenn Frauen mit dem Hormon behandelt werden, profitieren auch die Männer, berichten nun ForscherInnen aus Österreich.

Auch Männer profitieren
Das Ergebnis einer Studie an der Medizinischen Universität Wien (MedUni) zeigt, dass das sexuelle Erleben der Männer, deren Frauen eine Hormonbehandlung mit dem „Bindungshormon“ Oxytocin oder ein Placebo bekommen hatten, gesteigert werden konnte.

Bis hin zu einer besseren Erektionsfähigkeit, wie es in einer Mitteilung der Hochschule heißt.

Den Angaben zufolge war dieser Effekt substanzunabhängig. Das Ergebnis ist daher auf die Verbesserung der Kommunikation in diesen Langzeit-Beziehungen zurückzuführen.

Die 30 Paare, die in der Studie untersucht wurden, waren zwischen zwei und 33 Jahren zusammen und zwischen 41 und 65 Jahre alt.

Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Fertility and Sterility“ veröffentlicht.

Verbessertes sexuelles Erleben
Bereits vor etwa einem Jahr hatten die ForscherInnen unter der Leitung der Internistin und Sexualmedizinerin Michaela Bayerle-Eder in einer Studie festgestellt, dass eine Hormonbehandlung mit Oxytocin das sexuelle Erleben von Frauen mit Sexualstörungen verbessert.

Damals zeigte sich aber auch, dass die Vergleichsgruppe, die nur ein Placebo erhalten hatte, praktisch identisch verbesserte Werte zeigte.

Die SexualmedizinerInnen untersuchten daher nun die Auswirkungen auf ihre männlichen Partner. Sie konnten zeigen, dass die Therapie der Partnerin mit Oxytocin nicht nur ihre eigene Sexualität, sondern auch die ihres Mannes verbessert.

Da dieser Effekt sowohl in der Substanzgruppe als auch in der Placebogruppe zu sehen war, ist auch hier wieder die Verbesserung der Kommunikation in der Paarbeziehung der Auslöser.

Wichtige soziale Interaktion in einer Beziehung
Das konkrete Ergebnis: „Allein, dass in der Beziehung mehr über Sexualität gesprochen wurde, und dass Mann und Frau ein gemeinsames Tagebuch führen mussten, hat geholfen, das sexuelle Erleben zu steigern“, so Bayerle-Eder.

Denn die Ergebnisse waren in der Gruppe der Paare, in der die Frauen Oxytocin bekamen, gleich gut wie in der Gruppe, in der die Frauen nur ein Placebo erhielten.

„Eine ganz wichtige Erkenntnis für alle SexualtherapeutInnen. Nicht allein das Medikament hilft, sondern viel wichtiger ist offensichtlich die funktionierende, soziale Interaktion in einer Beziehung“, sagte die Studienleiterin.

Das ist insbesondere für ältere Paare in Langzeit-Beziehungen von großer Bedeutung. (ad)