Verbraucherschützer gegen GKV-Zusatzbeiträge

Heilpraxisnet

Während immer mehr Krankenkassen Zusatzbeiträge von ihren Versicherten abverlangen, fordert der Bundesverband der Verbraucherzentrale Ärzte, Krankenhäuser, Pharmaindustrie und Apotheken stärker an den Kosten der gesetzlichen Krankenkassen zu beteiligen.

(28.04.2010) Immer mehr gesetzliche Krankenkassen (GKV) fordern von ihren Mitgliedern sogenannte Zusatzbeiträge. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert angesichts der Krankenkassen-Defizite eine stärke finanzielle Beteiligung von Ärzten, Apotheken, Pharmaindustie und Krankenhäusern. Heftig kritisert Verbraucherschutzzentralen-Vorstand Gerd Billen die momentane Situation: "Es kann nicht sein, dass die gesetzlich Versicherten mit Zusatzbeiträgen zur Kasse gebeten werden, während andere ihre Besitzstände wahren". Die gesetzlichen Krankenkassen stehen nämlich vor einem finanziellen Desaster. So hat das Bundesversicherungsamt kürzlich das Finanzdefizit für das Jahr 2011 auf 15 Milliarden Euro geschätzt. Für 2010 wird das Defizit auf 4 Milliarden Euro prognostiziert. Trotz der vielfach von den Versicherten erhobenen Zusatzbeiträgen wird das Defizit nicht aufgefangen werden können.

Angesichts dieser Zahlen schlägt Billen vor, die Einkommenssteigerungen der Ärzte von der wirtschaflichen Entwicklung sowie der Einnahmebasis der Krankenkassen abhängig zu machen. "In Zeiten, wo Arbeitnehmer und Rentner Nullrunden hinnehmen müssen, können die Einkommen der Ärzte nicht überproportional steigen", erklärte der Verbraucherschutz-Verbandchef.

Mehr zum Thema:

Völlig gegenläufig zur wirtschaftlichen Situation sowie der allgemeinen Einkommensentwicklung von Arbeitnehmern würden die Vergütungen der Ärzte immer weiter ansteigen. Im letzten Jahr seien die Gehälter der Ärzte um insgesamt 3 Milliarden Euro angestiegen. Um dem Ärztemangel entgegenzuwirken, sollte es eine bessere Arbeitsteilung zwischen Ärzten und anderen Heilberufen geben.

Reformen sollten auch bei der Krankenhausvergütung stattfinden. Durch Spzialisierungen und Rationalisierungen hätten Kliniken deutliche Gewinne erzielen können. Diese Gewinne hätten jedoch bei den Leistungszahlungen der Gesetzlichen Krankenkassen keine Rolle gespielt. Hier könnten deutliche Korrekturen erfolgen, anstatt GKV-Versicherten immer höhere Beiträge und pauschale Zusatzbeiträge abzuverlangen. (sm)

Bild: Andreas Morlok /Pixelio.de.