Verbraucherschützer warnen vor Schlankmacher

Fabian Peters

Warnung vor gefährlichen Schlankmachern, Potenzmitteln und Fitnesspillen aus dem Internet

06.10.2011

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat in einer umfassenden Untersuchung die Inhaltsstoffe von online verkauften Schlankmachern, Fitnessprodukten und Potenz-Präparaten getestet, mit erschreckendem Ergebnis: Zahlreiche Produkte enthielten verbotene und/oder gesundheitsschädliche Substanzen.

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Viele der als Naturprodukte beworbenen Präparate enthalten den Angaben der Verbraucherzentrale zufolge für den Konsumenten nicht erkennbare potenziell gesundheitsschädliche Wirkstoffe wie zum Beispiel Sibutramin, Tadalafil, Ephedrin oder Amphetamin. Außerdem waren auf den meisten Verpackungen keine klaren Angaben zu den Inhaltsstoffen vorhanden, was gegen die in Deutschland geltende Kennzeichnungspflicht verstößt. Die vorhandenen Beschreibungen auf englisch oder gar chinesisch reichen nach deutschem Recht nicht aus und machen es für den Verbraucher quasi unmöglich nachzuvollziehen, welche Risiken ein Verzehr mit sich bringt, so der Vorwurf der Verbraucherzentrale. Die unter wortgewaltigen Namen wie AnaPhen HardCore, Super Lover, oder Passion Plus vertriebenen Produkte stellen nach Ansicht der Verbraucherschützer ein erhebliches Risiko für die Gesundheit dar.

Illegale und hochgradig gesundheitsschädliche Substanzen
Der Markt für die vermeintlichen Wundermittel scheint riesig und tausende Kunden fallen regelmäßig auf die völlig übertriebenen Versprechen der Schönheits-, Fitness-, Schlankmacher-, Anti-Aging- und Potenzmittel herein, berichtet die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Doch nicht nur, dass die Präparate meist nicht die gewünschte Wirkung zeigen, sie bringen oftmals auch erhebliche Nebenwirkungen mit sich, die im schlimmsten Fall tödliche Konsequenzen haben können, erklärten die Experten. Bei den Testkäufen enthielt knapp ein Drittel der Nahrungsergänzungsmittel ausländischer Herkunft illegale und hochgradig gesundheitsschädliche Substanzen, so die Mitteilung der Verbraucherzentrale am Mittwoch in Düsseldorf. Trotzdem boomt der Online-Handel mit den Wundermitteln und bei Preisen von rund 30 Euro pro Packung ist dies heute ein Milliardengeschäft, erläuterten Verbraucherschützer.

Schlankmacher, Potenz- und Fitnesspräparate enthalten riskante Wirkstoffe
Im Auftrag der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen habe Testkäufer online 70 ausländische Anti-Aging-, Schlankmacher-, Potenzsteigerungs- und Fitnessprodukte erworben, deren Inhaltsstoffe anschließend analysiert wurden. Sämtliche Artikel waren als rein „natürliche“ Nahrungsergänzungen deklariert, enthielten jedoch oftmals verbotene und riskante Arzneien, so die Aussage der Verbraucherschützer. Demnach waren entsprechende Substanzen in 13 von 21 Mitteln zur Gewichtsreduktion, acht von 13 Mitteln zur Libido- und Potenzsteigerung sowie sechs von 21 Fitnessprodukten enthalten. Zu den gefährlichsten Inhaltsstoffen zählten dabei zum Beispiel Wirkstoffe wie Sibutramin oder Tadalafil und Stimulanzen wie Ephedrin und Amphetamin, berichteten die Verbraucherschützer. So gehen beispielsweise mit der Einnahme des in der EU nicht zugelassenen Arzneiwirkstoffs Sibutramin Nebenwirkung wie ein Bluthochdruck, Kopfschmerzen, eine gesteigerte Herzfrequenz bis hin zu Herzrhythmusstörungen, Übelkeit und Erbrechen einher, erklärten die Experten. Darüber hinaus könne Sibutramin akute Herzerkrankungen bedingen und bei gleichzeitiger Einnahme von Psychopharmaka (Antidepressiva, Neuroleptika) gefährliche Wechselwirkungen verursachen. Aufgrund der drohenden Nebenwirkungen sollten Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion, Angina pectoris, Schlafstörungen, Bluthochdruck, Epilepsie, Herzrhythmusstörungen und Störungen der Leber- und Nierenfunktion in keinem Fall Sibutramin verwenden, warnen die Experten.

Wundermittel mit schlimmstenfalls tödlichen Nebenwirkungen
Das in vermeintlich rein pflanzlichen Potenz-Präparaten enthaltene Tadalafil könne bei falscher Medikation einen Kreislaufkollaps bedingen, erklärten die Verbraucherschützer. Und die Stimulanzen, welche in zahlreichen Fitnessprodukte enthalten waren, beuten die Energiereserven des Organismus aus und können so völlig Erschöpfung, Muskelblockaden und Dehydrierung zur Folge haben, erläuterten die Experten. Im schlimmsten Fall drohen laut Aussage der Verbraucherschützer bei einer Überdosierung tödliche Beeinträchtigungen der Gesundheit. Das in einigen Präparaten zur Gewichtsreduktion enthaltene Phenolphthalein ist der Verbraucherzentrale zufolge potenziell krebserregend. Besonders problematisch ist dabei, dass die meisten Produkte keine bzw. keine deutschsprachigen Angaben zu den Inhaltsstoffen aufwiesen, erklärten die Experten. So hätten neun von zehn Produkten aufgrund gravierender Kennzeichnungsmängel überhaupt nicht in Deutschland angeboten oder verkauft werden dürfen. Bei einem Viertel der Produkte waren die Angaben nicht auf deutsch sondern lediglich „in Englisch oder buchstäblich in Fachchinesisch“ vorhanden, so die Aussage der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Auch habe bei vier von fünf getesteten Nahrungsergänzungsmitteln der nach europäischem Recht vorgeschriebenen Warnhinweise zur Einnahme gefehlt.

Milliardengeschäft mit Wundermitteln
Zahlreiche Anbieter nutzen laut Aussage der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen den Deckmantel des Internets, um „ungehindert fremdartige Nahrungsergänzungsmittel mit verbotenen Substanzen auf den deutschen Markt zu bringen.“ Fragwürdig erscheint dabei, dass „obwohl die Anbieter alle einen Firmensitz im Ausland angaben, die Hälfte der bestellten Proben von einem deutschen Standort aus zugestellt“ wurde, erklärten die Verbraucherschützer. So nutzen offenbar findige deutsche Geschäftsleute die Möglichkeit bei dem Milliardengeschäft ordentlich mitzuverdienen. Um dem Verbraucher Effektivität und Sicherheit der Wundermittel zu suggerieren, scheuen einige Anbieter dabei nicht davor zurück, „unverfroren falsche Gütesiegel – etwa von Stiftung Warentest oder den hiesigen Apotheken“ zu verwenden, warnte die Verbraucherzentrale. Die Experten forderten daher eine konsequentere Überwachung des Onlinehandels mit den vermeintlichen Wundermitteln sowie eine effizientere Verfolgung und Ahndung sämtlicher Verstöße. Da die Produkte von den Testern auch bei Online-Plattformen wie Ebay oder Amazon erworben wurden, seien diese ebenfalls zum Handeln aufgefordert und sollten bei ihnen angebotene Ware stärker kontrollieren, erklärten die Verbraucherschützer. (fp)

Bild: Rita Thielen / pixelio.de