Verbraucherschutz warnt vor Portalen zur Ernährung

Nina Reese

Verbraucherschutz warnt vor Internetportalen zur Ernährungsberatung Ernährungsberatung im Internet häufig mehr Schein als Sein

18.06.2013

Ob ein Rezept für Babybrei, der Tipp für ein Frühstück ohne Eiweiß oder generelle Informationen zur „Low-Carb“-Diät – täglich nutzen tausende Menschen Internetportale, um sich rund um das Thema „Ernährung“ zu informieren. Doch gerade diese Ernährungsberatungsportale sind häufig weder objektiv noch unabhängig, sondern fungieren in erster Linie als Werbe- und Verkaufsfläche von Lebensmittelkonzernen. Daher rät die Verbraucherzentrale Hamburg dringend zur Vorsicht.

Ernährungsberatungsportale auf den ersten Blick oft objektiv und unabhängig
Wer im Internet auf der Suche nach Tipps und Informationen im Bereich „Ernährung“ sucht, der trifft dort auf ein großes Angebot an Ernährungsberatungsportalen – doch hier sei laut der Verbraucherzentrale Hamburg Vorsicht geboten: „Auf den ersten Blick wollen sie aufklären, beraten und helfen, doch oft verstecken sie die dahinter stehenden Absatzinteressen und informieren nicht objektiv.“

Verbraucherzentrale Hamburg checkt 12 Portale
Ernährungsportale im Internet sind also oft mehr Schein als Sein – das bestätigt aktuell auch die Verbraucherzentrale Hamburg durch einen Check von zwölf Portalen zu Themen wie „Laktose-Intoleranz“ oder „Säuglingsernährung“.

Dabei stellten die Verbraucherschützer fest, dass es bei Internetseiten, die Begriffe wie „Ratgeber“, „Hilfe“, „Forum“ oder „Zentrum der Gesundheit“ im Namen tragen, häufig in erster Linie um Imagepflege und Produktverkauf geht“, so die Mitteilung der Verbraucherzentrale.

Oft nicht zu erkennen, wer hinter dem Angebot steckt
Im Rahmen der Studie hatte die Verbraucherzentrale die Portale in Hinblick auf Transparenz, Verkaufsinteresse und Objektivität der Inhalte untersucht und dabei eine interessante Entdeckung gemacht: So war auf sechs von zwölf Internetseiten nicht oder nur sehr schwer zu erkennen, wer tatsächlich hinter dem Angebot steckt, denn entweder waren gar keine Informationen zum Anbieter vorhanden, oder aber diese hatten nur wenig Aussagekraft, etwa weil zum Beispiel stattdessen PR-Agenturen oder Vereine aufgeführt waren. So war laut der Verbraucherzentrale Hamburg beispielsweise „bei der Seite laktoseintoleranz-hilfe.de die HVG-Süd Handels- und Vermittlungs-GbR angegeben, deren Adresse und Telefonnummer mit der des Unternehmens Omira übereinstimmt, das mit seiner Marke MinusL Marktführer im Bereich der laktosefreien Produkte ist.“ Dass dieses Portal gegenwärtig nicht mehr online ist, zeigt die Relevanz der Untersuchung – denn offenbar wurde es aufgrund der Recherchen abgeschaltet.

Vorsicht bei Angeboten, die Werbebanner tragen
Da für den Verbraucher also oft nicht ersichtlich ist, wer sich hinter einem solchen Angebot verbirgt, sollten User laut der Verbraucherzentrale vor allem bei solchen Angeboten vorsichtig sein, die Werbebanner tragen oder Links auf Shops für Nahrungsergänzungsmittel enthalten. Empfehlenswert sei weiterhin der Blick ins Impressum, um Informationen über den Anbieter zu erhalten. Doch wie die Untersuchung der Hamburger zeigte, helfe auch dies nicht immer weiter – denn nur vier Betreiber gaben auf Nachfrage Auskunft über Finanzierung und Unabhängigkeit.

Bei acht Seiten Direktverlinkungen für den Produktverkauf
Darüber hinaus sei laut den Verbraucherschützern „bei acht Websites [.] das Verkaufsinteresse als groß zu bewerten“ denn „dabei werden redaktionell aufbereitete Inhalte als Aufhänger mit Direktverlinkungen für den Produktverkauf genutzt“, so die Information auf der Website der Verbraucherzentrale. So sei beispielsweise auf der Seite „rund-ums-baby.de“ nur Werbung von Hipp geschaltet, zudem würde das Forum „Ernährung von Babys und Kleinkindern“ vom Hipp Elternservice betreut.

Objektivität der Ernährungsberatung meistens mangelhaft
Insgesamt sei bei neun von zwölf Seiten „die Objektivität der Ernährungsberatung mangelhaft oder stark eingeschränkt“, so die Hamburger, denn zwischen auf den ersten Blick neutralen Ernährungsinformationen würden „Konzerne wie Danone, Unilever und Nestlé ihre Produkte anpreisen“. Auch die Qualität der Informationen würde der Verbraucherzentrale zufolge stark variieren: „Von Banalitäten und unsinnigen Diät-Tipps bis zu wissenschaftlich abgesicherten, hilfreichen Informationen für Betroffene.“

Kritisch bleiben und Seiten sorgfältig prüfen
Daher gibt Karin Riemann-Lorenz, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg, den Tipp, kritisch zu bleiben: „Wer im Netz nach Ernährungsinfos sucht, sollte genau hinschauen und nicht alles für bare Münze nehmen". Stattdessen sollten User sich im Impressum Informationen über den Anbieter einholen und auf eine ausgewogene Darstellung der Seite achten. Auch die Suche nach Informationen zur Finanzierung des Angebots kann oft Aufschluss geben, denn „Werbebanner, Links auf Portale zum Kauf von Nahrungsergänzungen, Diätpillen etc. sind oft Zeichen für fehlende inhaltliche Ausgewogenheit und Neutralität“, so die Verbraucherzentrale. (nr)

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