Verdrängen der Symptome erschwert Therapie

Fabian Peters

Verzögerte Therapie: Anzeichen von Demenz werden oftmals verdrängt

19.12.2011

Da Demenz und Alzheimer sich bis heute nicht heilen, sondern in ihrem Krankheitsverlauf lediglich verzögern lassen, kommt der frühzeitigen Diagnose eine besondere Bedeutung zu. Viele Betroffene scheuen bei ersten Anzeichen der neurodegenerativen Erkrankungen jedoch aus Angst vor der Diagnose den erforderlichen Arzt-Besuch.

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Die ersten typischen Symptome einer Demenzerkrankung werden laut Aussage des Gerontologen und Psychologen Richard Mahlberg, Privatdozent am Institut für Psychogerontologie der Universität Erlangen-Nürnberg, gegenüber „FOCUS Online“ von den Betroffenen oftmals ignoriert. Das Verdrängen der Erkrankung hat jedoch fatale Folgen, da nur mit Hilfe einer frühzeitigen Therapie im Sinne der Patienten der Krankheitsverlauf um einige Jahre verzögert werden kann. Insbesondere ältere Menschen, die Anzeichen einer Demenzerkrankung bei sich bemerken, sollten daher laut Aussage des Experten dringend beim Arzt einen standardisierten Gedächtnistest durchführen lassen.

Anzeichen der Demenzerkrankung werden verdrängt
Dem im August veröffentlichten Demenz-Report 2011 des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zufolge leiden in Deutschland heute bereits rund 1,3 Millionen Menschen an Demenz, zwei Drittel von ihnen unter Alzheimer. Wobei mit steigendem Lebensalter das Risiko einer Demenzerkrankung deutlich zunimmt. So erkrankt hierzulande laut Aussage von Richard Mahlberg rund „ein Drittel der über 85-Jährigen an einer Demenz.“ Die häufigste Form der neurodegenerativen Erkrankung, die Alzheimer-Demenz, mache sich dabei im frühen Krankheitsstadium meist durch Gedächtnisstörungen bemerkbar. Im Zuge der Erkrankung leiden die Alzheimer-Patienten zunehmend unter zeitlicher und räumlicher Orientierungslosigkeit, Gedächtnisverlust, Verwirrtheit und dem Verlust früheren Wissens oder erlernter Fähigkeiten. Im späteren Krankheitsverlauf droht eine vollständige Veränderung der Persönlichkeit und die Betroffenen werden in der Regel dauerhaft pflegebedürftig. Viel zu häufig werden laut Aussage des Experten die ersten Anzeichen der Erkrankung verdrängt – mit schwerwiegenden Folgen.

Demenz-Risiko steigt mit dem Alter
„Vergesslichkeit im Alltag“ ist Richard Mahlberg zufolge auch bei gesunden Menschen nicht ungewöhnlich und „wer ein- oder auch fünfmal seinen Schlüssel verbummelt, ist nicht gleich an Demenz erkrankt.“ Doch die Warnzeichen wie zum Beispiel zunehmende Schwierigkeiten mit Namen von Bekannten, das Verlegen von Gegenstände oder die allgemeine Vergesslichkeit sollten insbesondere von Menschen im Alter ab 65-Jahren äußerst ernst genommen werden. Denn mit dem Alter steigt laut Aussage des Experten die Wahrscheinlichkeit, dass die Vergesslichkeit Anzeichen einer Demenzerkrankung ist. Richard Mahlberg zufolge geht „ein demenzielles Syndrom so gut wie nie vor dem 50. Lebensjahr los und 50- bis 65-Jährige sind auch selten betroffen.“ Ab einem Lebensalter von 65 Jahren verdoppelt sich jedoch das Risiko einer Demenzerkrankung etwa alle fünf Jahre. Daher sollten Personen im Alter über 65 Jahren dringend „bei einem Spezialisten einen standardisierten Gedächtnistest machen lassen“, wenn sie feststellen, „dass die Vergesslichkeit zunimmt“, betonte Mahlberg.

Verzicht auf Arztbesuch aus Angst vor der Diagnose
Zahlreiche Betroffene sind sich des Erkrankungsrisikos zwar durchaus bewusst, „haben aber Angst vor einer endgültigen Diagnose und gehen gar nicht oder erst sehr spät zum Arzt“, erläuterte der Gerontologe. So würden die zunehmenden Gedächtnislücken nicht nur von den Betroffenen sondern auch von ihren Angehörigen oftmals als normale Altersbeschwerden abgetan. Für den Experten eine verständlich aber folgenschwere Reaktion. Denn nur mit einer frühzeitigen Diagnose und zeitnah eingeleiteter, gut abgestimmter Therapie könne der Krankheitsverlauf um bis zu zwei Jahre verzögert werden. Die Betroffenen und deren Angehörige sollten daher umgehend auf die Anzeichen einer Demenzerkrankung reagieren und rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, mahnte der Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Gerontologie, Dr. med. Richard Mahlberg. (fp)