Verhütungsmittel: Für manche Frauen können Anti-Baby-Pillen auch gefährlich sein

Alfred Domke
Fakten über die Anti-Baby-Pille: Für manche Frauen ist das Verhütungsmittel gefährlich
Wenn es um Verhütung geht, setzen die meisten Deutschen auf die Anti-Baby-Pille. Für manche Frauen birgt die Einnahme des Medikaments aber ein Gesundheitsrisiko. So kann sich dadurch etwa die Gefahr für lebensbedrohliche Thrombosen erhöhen. Gesundheitsexperten erklären, welchen Nutzen und welchen Schaden die Einnahme der Pille haben kann.

Deutsche bevorzugen die Verhütung mit der Pille
Die Verhütung mit Pille und Kondom wird von den meisten Deutschen bevorzugt. So ergab eine Studie der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vor wenigen Jahren, dass rund 53 Prozent der sexuell aktiven Erwachsenen die Pille zur Verhütung nutzen und etwa 37 Prozent Kondome.

Die Einnahme des Medikaments ist allerdings mit unangenehmen Nebenwirkungen verbunden. Zudem droht ein hohes Thrombose-Risiko durch moderne Anti-Baby-Pillen. Des Weiteren berichteten dänische Forscher, dass durch die Pille das Risiko für Hirntumore erhöht wird. Neben den Arzneimitteln gibt es aber auch hormonfreie Alternativen, die keine oder weniger Belastungen für die Gesundheit verursachen.

Die Pille zählt bei den Deutschen zu den beliebtesten Verhütungsmethoden. Die Einnahme des Medikaments ist allerdings mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Anhand von Fakten können Frauen für sich herausfinden, ob die Pille das passende Verhütungsmittel für sie ist. (Bild: kristina rütten/fotolia.com)
Die Pille zählt bei den Deutschen zu den beliebtesten Verhütungsmethoden. Die Einnahme des Medikaments ist allerdings mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Anhand von Fakten können Frauen für sich herausfinden, ob die Pille das passende Verhütungsmittel für sie ist. (Bild: kristina rütten/fotolia.com)

Neuere Präparate bergen höheres Thrombose-Risiko
Die Krankenkasse AOK berichtet in einer aktuellen Mitteilung über die Vor- und Nachteile der Pille, die laut den Experten zu den sichersten Verhütungsmethoden zählt. Dies gilt sowohl für neuere als auch ältere Varianten, die häufig als „Pille der ersten und der zweiten Generation“ bezeichnet werden.

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Es gibt jedoch einen wichtigen Unterschied: Den Angaben zufolge ist die Einnahme neuerer Präparate mit den Gestagen-Varianten Drospirenon, Gestoden oder Desogestrel mit einem höheren Risiko für Blutgerinnsel in den Venen verbunden. Bei älteren, bewährten Gestagenen ist das laut den Experten nicht der Fall. „Es ist deshalb wichtig, in der Packungsbeilage der Pille zu prüfen, welches Gestagen enthalten ist“, erklärte Dr. med. Kai Kolpatzik, Leiter der Abteilung Prävention im AOK-Bundesverband.

Viele junge Frauen erhalten problematische Mittel
Wie es in der Mitteilung heißt, sind auch Frauenärzte, die hormonelle Verhütungsmittel verschreiben, angehalten, auf das Thromboserisiko von Patientinnen zu achten. „Vor allem bei der Erstverordnung für junge Frauen sollten bewährte Präparate verordnet werden, deren Risiko geringer ist“, so Kolpatzik.

Allerdings wird die Anti-Baby-Pille trotz Thromboserisiko oft verordnet. So zeigte eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) im vergangenen Jahr, dass etwa zwei Drittel der unter 20-jährigen AOK-Versicherten die problematischen Präparate verschrieben bekommen.

Wichtige Informationen zusammengefasst
Bei einer Thrombose bildet sich in einem Blutgefäß ein Blutgerinnsel (Thrombus) – meist in tiefen Bein- oder Beckenvenen. Dieses Blutgerinnsel verengt oder verstopft das Gefäß, was zu schweren Folgeschäden führen kann. Lösen sich zum Beispiel Teile des Blutgerinnsels und gelangen in die Lunge, kann dies eine Lungenembolie verursachen.

Eine unentdeckte Thrombose wird schnell zur Lebensgefahr. Jedes Jahr sterben allein in Deutschland schätzungsweise 100.000 Menschen infolge von Venen-Thrombosen.

Die AOK hat in einer Faktenbox wichtige Informationen zur Pille zusammengefasst. Sie ist in Zusammenarbeit mit dem Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung entwickelt worden. „Es geht uns darum, dass Frauen über die möglichen Risiken Bescheid wissen und eine informierte Entscheidung treffen können“, sagte Professor Gerd Gigerenzer, Leiter des Harding-Zentrums.

Natürliche Verhütungsmethoden ohne Nebenwirkungen
Für Frauen, die ohne Pille verhüten wollen, stehen diverse hormonfreie Alternativen zur Verfügung. Eine davon ist die Verhütung mit der Temperaturmethode, die jedoch eine regelmäßige Lebensführung voraussetzt. Die Frau muss hier jeden Morgen möglichst zur gleichen Zeit unmittelbar nach dem Aufwachen ihre Körpertemperatur messen und notieren.

Eine weitere Alternative, die ebenfalls die Körpertemperatur einschließt, ist die „symptothermale Methode“, bei der die Frau täglich ihre Körpertemperatur misst und gleichzeitig Veränderungen ihrer Scheidenflüssigkeit beobachtet. Bei solchen natürlichen Verhütungsmethoden wird versucht, den Zeitpunkt des Eisprungs möglichst genau zu bestimmen, um die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage zu unterscheiden. An den fruchtbaren Tagen müssen die Paare dann auf Sex verzichten oder Kondome verwenden. (ad)