Verkaufsstart: Pink Viagra für Frauen auf dem Markt

Sebastian

In wenigen Tagen startet der Verkauf von „Addyi“ in den USA. Das Medikament, das als „Viagra für Frauen“ schon lange für Schlagzeilen sorgt, wurde vor kurzem für den US-Markt zugelassen. Ob und wann die sogenannte „Lustpille“ in Deutschland eingeführt wird, ist unklar. Gesundheitsexperten sind skeptisch und warnen vor Nebenwirkungen. 

„Viagra für Frauen“ in wenigen Tagen auf dem Markt
Seit Monaten wird sie angekündigt: Die Pille, die Frauen mehr Lust machen soll. Lange vor der Markteinführung sorgte die als „Pink Viagra“ oder „Viagra für die Frau“ titulierte Pille für reichlich Wirbel. Im August erhielt das Mittel nach zweit gescheiterten Anläufen schließlich die Zulassung in den USA. Ab kommenden Samstag wird das Medikament Flibanserin auf dem US-Markt unter dem Handelsnamen „Addyi“ angeboten. „Der süßeste Tag“ jubelt die Herstellerfirma Sprout Pharmaceuticals auf ihrer Internetseite. „Lerne Addyi kennen“, heißt es dort. „Sie ist die erste ihrer Art.“ Doch viele Experten sind skeptisch.

Pink Viagra jetzt im Handel. Bild: phadungsakphoto - fotolia
Pink Viagra jetzt im Handel. Bild: phadungsakphoto – fotolia

Experten zweifeln am Erfolg
Verschiedene Fachleute zweifeln laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa, dass das Mittel ein Erfolg werden wird, sowohl unternehmerisch als auch in seiner Wirkung. Eigentlich sei ein Mittel gegen sexuelle Unlust bei Frauen längst überfällig, wie die Gynäkologin Karen Adams von der Health and Science University im Bundesstaat Oregon gegenüber dem „Forbes“-Magazin sagte. „Zwischen 40 und 50 Prozent aller Frauen haben irgendeine Art von sexueller Störung. Das ist also sehr verbreitet und so gesehen hat sich auf dem Pharma-Entwicklungsmarkt da noch nicht viel getan“, so die Ärztin.

Eine deutsche Erfindung
Ursprünglich war Flibanserin eine Entwicklung der rheinland-pfälzischen Boehringer Ingelheim. Das kleine US-Unternehmen Sprout Pharmaceuticals aus North Carolina hatte das Patent übernommen, nachdem die Rheinland-Pfälzer an der US-Arzneibehörde FDA gescheitert waren. 2013 scheiterten auch die Amerikaner an der Zulassung, in diesem Jahr hatten sie schließlich Erfolg. Direkt im Anschluss schluckte der kanadische Pharmariese Valeant die Firma Sprout Pharmaceuticals im August. Der Wirkstoff Flibanserin wurde eigentlich entwickelt, um Depressionen zu lindern. Bei der Entwicklung entdeckten die Forscher des Pharmakonzerns, dass der Stoff auch das Lustempfinden von Frauen steigern kann.

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Effekte nur bei wenigen Frauen
Das Präparat ist trotz des Spitznamens nicht mit Viagra für Männer zu vergleichen. Die blaue Pille wirkt direkt auf den Körper und hilft Männern, eine Erektion zu bekommen. Es geht dabei also um das Können, nicht um das Wollen. Bei vielen Frauen hingegen ist das Problem kein körperliches. Manche haben selten oder nie Lust auf Sex und wenn es doch dazu kommt, macht er ihnen keinen Spaß. Dies ist meist eine Belastung für die Frauen selbst, aber nicht selten auch für die Männer beziehungsweise die Beziehung. Die Arznei, die Botenstoffe im Gehirn beeinflusst, soll diesen Frauen die Lust zurückbringen.

Während Viagra direkt und bei fast 100 Prozent der Männer wirkt, ist Addyi erheblich weniger effizient und zudem risikoreicher. Die Tablette muss täglich eingenommen werden. Erst nach einigen Wochen zeichnen sich leichte Effekte ab – und das auch nur bei etwa einer von zehn Frauen.

Gesundheitsexperten warnen vor Risiken
Außerdem sind sie nicht ganz ungefährlich. Viele Mediziner warnen vor Gesundheitsrisiken. Das Mittel habe häufig starke Nebenwirkungen wie Schwindelgefühle, Müdigkeit und Übelkeit. Darüber hinaus dürfen die Frauen während der gesamten Dauer der Einnahme keinen Alkohol trinken, um die drohenden Nebenwirkungen nicht noch zu verstärken. Viele Frauenärzte, wie auch Karen Adams, raten ihren Patientinnen davon ab, sich sofort auf das vermeintliche Wundermittel zu stürzen. Besser sei es, bei sexueller Unlust zunächst andere Faktoren zu überprüfen: Beispielsweise die körperliche und geistige Gesundheit oder auch den Zustand der Beziehung.

Oft könnten Probleme mit einer Paartherapie gelöst werden. „Es ist wirklich unangebracht, da mit einer Tablette anzufangen“, so Adams. „Man muss sich erst mal die Gründe anschauen, warum eine Frau keinen Sex haben will.“ Ganz wesentlich ist dabei offenbar Stress. Einer Umfrage zufolge ist er der Lustkiller Nummer eins für Frauen in Deutschland. Fast drei Viertel von ihnen sagten zudem eine Lustpille für die Frau sei für sie „keine Option“. (ad)