Verlängertes Stillen nach der Geburt senkt das Sterberisiko der Babys ab

Schnelles Stillen nach der Geburt ist für Neugeborene sehr wichtig. So kann die Wahrscheinlichkeit für gefährliche Infektionen und einen verfrühten Tod deutlich reduziert werden. (Bild: rohappy/fotolia.com)
Alexander Stindt
Zu wenige Babys bekommen direkt nach ihrer Geburt Muttermilch
Etwa 77 Millionen aller Neugeborenen auf der Welt werden nicht von ihren Müttern innerhalb der ersten Stunde ihrer Geburt gestillt. Forscher fanden heraus, dass dadurch das Risiko für einen verfrühten Tod steigt. Dies geschieht, weil die Neugeborenen nicht sofort lebenswichtige benötigte Antikörper und Nährstoffe erhalten. Muttermilch ist sozusagen der erste Impfstoff, den ein Säugling erhält.

Wissenschaftler des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) stellten jetzt bei einer Untersuchung fest, dass etwa 77 Millionen der Neugeborenen weltweit nicht von ihren Müttern innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt gestillt werden. Diese Unterversorgung erhöhe die Wahrscheinlichkeit eines frühzeitigen Todes. UNICEF veröffentlichte einen neuen Bericht mit den Ergebnissen ihrer Untersuchung.

Schnelles Stillen nach der Geburt ist für Neugeborene sehr wichtig. So kann die Wahrscheinlichkeit für gefährliche Infektionen und einen verfrühten Tod deutlich reduziert werden. (Bild: rohappy/fotolia.com)
Schnelles Stillen nach der Geburt ist für Neugeborene sehr wichtig. So kann die Wahrscheinlichkeit für gefährliche Infektionen und einen verfrühten Tod deutlich reduziert werden. (Bild: rohappy/fotolia.com)

Neugeborene sollten spätestens zwei bis drei Stunden nach der Geburt gestillt werden
Wenn Mütter ihre Neugeborenen nicht innerhalb von zwei bis drei Stunden nach der Geburt stillen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit um etwa vierzig Prozent, dass die Babys in den nächsten 28 Tagen versterben, erklären die Mediziner. Dieser Wert erhöht sich sogar auf achtzig Prozent, wenn die Mutter dem Kind keine Muttermilch innerhalb der nächsten 24 Stunden gibt, erläutern die Mitarbeiter von UNICEF in ihrem Bericht.

Stillen könnte jährlich mehr als 800.000 Neugeborenen das Leben retten
Wenn Neugeborene zu lange auf den ersten Kontakt mit ihrer Mutter warten müssen, reduziert sich durch diesen Umstand schon die Überlebenswahrscheinlichkeit der Kinder stark, so France Bégin, Ernährungsberater von UNICEF. Dadurch werde zudem automatisch die Milchzufuhr verringert und es sinke zusätzlich die Wahrscheinlichkeit, ohne Flaschenmilch auszukommen. Wenn alle Neugeboren ab der Geburt ausschließlich Muttermilch bekommen würden bis sie sechs Monate alt wären, könnte dies jedes Jahr das Leben von nicht weniger als 800.000 Babys retten, sagen die Mediziner von UNICEF.

Mütter müssen weltweit besser informiert werden
Viele Mütter auf der ganzen Welt scheinen nichts von den Vorteilen der Muttermilch zu wissen. Basierend auf den Daten der letzten 15 Jahren werden viele Neugeborene nicht in den ersten Stunden nach der Geburt gestillt. Dieses Problem sei besonders in Afrika südlich der Sahara zu beobachten. Diese Region besitze eine der höchsten Sterblichkeitsraten für Kinder unter fünf Jahren weltweit, erklären die Experten.

Stillraten in Zentral- und Westafrika haben sich in den letzten 15 Jahren kaum geändert
Während die Stillraten in Ost- und Südafrika um bis zu 10 Prozent in den letzten 15 Jahren zugenommen haben, sind die Raten in Zentral- und Westafrika weitgehend unverändert geblieben. In Asien haben sich die frühkindlichen Stillraten hingegen in den letzten Jahren deutlich erhöht. Im Jahr 2000 lag der Wert noch bei etwa 16 Prozent, in der heutigen Zeit liegt der Wert bei etwa 45 Prozent, erklären die Mediziner. Trotzdem müssen immer noch 21 Millionen Neugeborene in dieser Region viel zu lange auf ihre Muttermilch warten.

Frauen brauchen erfahrene Begleitung bei ihrer Geburt
Einige Mütter bekommen einfach nicht genug professionelle Unterstützung durch Ärzte oder Krankenschwestern, erklärt UNICEF. In Ländern wie Nordafrika, Südasien und im Nahen Osten werden manche Frauen bei der Geburt von einem erfahrenen Begleiter unterstützt. So werde es unwahrscheinlicher, dass Neugeborene erst zu spät gestillt werden, verglichen mit Frauen, die Geburten beispielsweise mit der Hilfe ihrer von Verwandten oder ungelernten Begleitern durchführten, erläutern die UNICEF-Experten.

Viele Kinder auf der Welt erhalten weniger nahrhafte Alternativen statt Muttermilch
In vielen Ländern sind die Mütter eher dazu geneigt, ihr Kind die ersten drei Tage nach der Geburt mit Säuglingsnahrung zu füttern. Oft mit Milch von Kühen und mitunter auch mit Zuckerwasser. Etwa die Hälfte aller Neugeboren auf der Welt wird mit weniger nahrhaften Alternativen als Muttermilch gefüttert. Nur 43 Prozent aller Kinder unter sechs Monaten wurden ausschließlich durch das Stillen mit Muttermilch ernährt, schätzt UNICEF.

Muttermilch ist wie ein Impfstoff für ihr Neugeborenes
Muttermilch ist ein erster Impfstoff für das Baby, der erste und beste Schutz gegen Krankheiten, betont Bégin. UNICEF warnte davor, dass Säuglinge, die überhaupt nicht gestillt werden, eine vierzehnfach höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, verfrüht zu sterben, verglichen mit Babys, die nur Muttermilch erhalten. Wenn Neugeborene keine Muttermilch erhalten, steigt auch die Wahrscheinlichkeit an schweren Infektionen zu erkranken und daran zu versterben um das siebenfache, verglichen mit Babys die nur geringe Mengen Muttermilch während der ersten sechs Monate ihres Lebens erhalten, berichtet UNICEF. (as)

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