Vermeidbare Tragödie: Lungenkrebs wird noch immer unterschätzt

Alfred Domke
Welt-Lungenkrebs-Konferenz: Problem Lungenkarzinom wird nach wie vor unterschätzt
Gesundheitsexperten zufolge haben weltweit mehrere Millionen Menschen Lungenkrebs, ohne davon zu wissen. Über 80 Prozent der Betroffenen sterben an einem Lungenkarzinom. Auf der Welt-Lungenkrebs-Konferenz tauschen sich Tausende Experten zum Thema aus.

Lungenkrebs ist die häufigste Krebs-Todesursache
Zwar ist die Lebenserwartung mit Krebs europaweit gestiegen, doch noch immer stirbt rund jeder vierte Mensch in der Europäischen Union an Krebs. Lungenkrebs ist die häufigste Krebs-Todesursache in Europa. Diese Erkrankung ist auch deshalb so gefährlich, weil sie häufig erst spät erkannt wird, denn Lungenkrebs-Symptome werden oft nicht bemerkt. Bei der Welt-Lungenkrebs-Konferenz in Wien tauschen sich rund 6.000 Experten zum Thema aus.

Jährlich wird bei fast zwei Millionen Menschen weltweit Lungenkrebs diagnostiziert. Das Problem Lungenkarzinom wird laut Experten aber noch immer unterschätzt. (Bild: liukovmaksym/fotolia.com)
Jährlich wird bei fast zwei Millionen Menschen weltweit Lungenkrebs diagnostiziert. Das Problem Lungenkarzinom wird laut Experten aber noch immer unterschätzt. (Bild: liukovmaksym/fotolia.com)

Eine vermeidbare Tragödie
Robert Pirker, Wiener Lungenkarzinom-Spezialist (MedUni Wien/AKH) und Präsident des Kongresses sagte laut einer Meldung der Nachrichtenagentur APA: „Der Lungenkrebs ist der wichtigste Krebs weltweit. Er ist eine vermeidbare Tragödie.“

Bei einer Pressekonferenz wies er auf die nach wie vor beklemmenden Zahlen hin: „Pro Jahr wird Lungenkrebs weltweit bei rund 1,8 Millionen Menschen neu diagnostiziert. Das ist die Einwohnerzahl Wiens. 1,6 Millionen Menschen oder etwa 85 Prozent davon, sterben an einem Lungenkarzinom.“

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Etwas gegen das Rauchen unternehmen
Wenn es um Strategien gegen Lungenkrebs geht, wird vor allem darauf hingewiesen, dass mehr gegen das Rauchen unternommen werden muss. Experten gehen davon aus, dass etwa 85 Prozent der Erkrankungen im Zusammenhang mit Tabakkonsum stehen. Deshalb werden auch immer wieder schärfere Anti-Raucher-Gesetze gefordert.

Und zwar nicht nur wegen dem erhöhten Risiko für verschiedene Krebsarten, sondern auch weil Rauchen als maßgeblicher Risikofaktor für zahlreiche weitere Erkrankungen gilt, wie Raucherlunge beziehungsweise Raucherhusten, Asthma, chronische Bronchitis sowie Herzinfarkt und Schlaganfall.

Stigmatisierung der Patienten
Die Experten der Welt-Lungenkrebs-Konferenz erklärten zum Auftakt des Kongresses jedoch, dass einfache Schuldzuweisungen an betroffene Raucher zur Stigmatisierung der Patienten führt und eine adäquate Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung verhindert.

Giorgio Scagliotti, italienischer Lungenkarzinom-Experte und führender Vertreter der Internationalen Vereinigung zur Erforschung von Lungenkrebs (IASLC), die für die Konferenz in Wien verantwortlich ist, meinte: „Das Rauchen als traditionell anerkannte Ursache für Lungenkrebs hat es einfach gemacht, den Patienten die Schuld zuzuweisen. Derzeit besteht aber bereits die Mehrheit der Lungenkarzinompatienten aus Menschen, die mit dem Rauchen aufgehört haben.“

Seiner Meinung nach seien der Abbau von Schuldzuweisungen und mehr finanzielle Mittel zur Bekämpfung der Erkrankung erforderlich. (ad)