Verschluckte Kleinteile: Erste Hilfe bei gefährlichen Fremdkörpern im Körper

Steckt ein größeres Stück Essen im Hals fest, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)
Nina Reese
Fremdkörper können schwere Schädigungen verursachen
Versehentlich herunter geschluckte Kleinteile wie z.B. ein Nagel oder eine Knopfzellen-Batterie können im Magen-Darm-Trakt zu schweren Schädigungen führen. Gleiches gilt für größere Essensbrocken, die im Hals feststecken. Betroffene sollten daher unbedingt einen Arzt aufsuchen. Eine neue Leitlinie zeigt auf, wie Fremdkörper auf schonende Weise wieder aus dem Körper entfernt werden können.

Kleinteile werden schnell herunter geschluckt
Ob eine Murmel, die Kappe vom Filzstift oder Spielzeug: Gerade bei kleinen Kindern passiert es schnell, dass Kleinteile verschluckt werden. Handelt es sich dabei um Batterien, Magnete oder spitze, lange Gegenstände wie z.B. einen Nagel oder eine Nähnadel, können schnell gefährliche Schädigungen im Magen-Darm-Trakt entstehen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in einer aktuellen Mitteilung hin.

Steckt ein größeres Stück Essen im Hals fest, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)
Steckt ein größeres Stück Essen im Hals fest, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)

Bei festsitzendem Essen sofort zum Arzt
Betroffene sollten in einem solchen Fall nicht zögern, sondern unbedingt zu einem Arzt gehen. Dies gelte auch, wenn große Essensstücke in der Speiseröhre stecken geblieben sind, so die Information der DGVS. „Erwachsene kommen am ehesten wegen eines in der Speiseröhre festsitzenden Fleischstücks in die Notaufnahme, während bei Kindern eher verschluckte Münzen oder Spielsachen im Vordergrund stehen“, berichtet der Vorsitzende der DGVS, Professor Dr. med. Alexander Meining.

Laut einer Erhebung aus den USA würden der Gesellschaft zufolge etwa 13 von 100.000 Erwachsenen im Jahr aufgrund von feststeckendem Essen einen Mediziner aufsuchen. Und das ist wichtig, denn „bei einem kompletten Verschluss der Speiseröhre kann es zu schwerwiegenden Schäden an der Schleimhaut kommen“, so Meining, der die Endoskopie-Abteilung an der Klinik für Innere Medizin der Ulmer Uniklinik leitet.

Fremdkörper können endoskopisch geborgen werden
Ärzte können hier jedoch Abhilfe schaffen, indem sie den Fremdkörper vorsichtig mithilfe eines Endoskops in den Magen vorschieben. Anschließend werde die Ursache für die Verengung der Speiseröhre geklärt, wobei es sich meist um eine Entzündung handele, berichtet die DGVS weiter.

Ist das verschluckte Teil bereits durch die Speiseröhre hindurch gelangt, gelte es hingegen abzuwägen. Ob eingegriffen wird oder nicht, werde dabei in erster Linie durch die Größe und Form des Gegenstands bestimmt, erklärt der Experte. Kleine, runde Dinge wie z.B. eine Münze würden demnach eine eher geringe Gefahr bedeuten, da sie meist ohne Folge auf natürlichem Wege wieder ausgeschieden werden.

Die meisten Gegenstände verlassen mit dem Stuhlgang den Körper
„Rund 80 bis 90 Prozent der Fremdkörper finden gemeinsam mit dem Nahrungsbrei den Weg ins Freie“, so Meining laut der Mitteilung. Etwa ein Fünftel könnten endoskopisch entfernt werden. Nur in sehr seltenen Fällen, wenn z.B. der Gegenstand mit dem Endoskop nicht erreicht werden kann oder bereits Schäden verursacht wurden, sei eine Operation notwendig.

Batterien und Magnete müssen sofort entfernt werden
Eine neue Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Gastrointestinale Endoskopie (European Society of Gastrointestinal Endoscopy, kurz „ESGE“) sehe laut der DGVS vor, dass bei spitzen, scharfen oder langen Dingen nach Möglichkeit mit Hilfe einer Röntgenaufnahme die genaue Lage bestimmt und diese innerhalb von 24 Stunden mit dem Endoskop entfernt werden.

Ebenso dürften Knopfbatterien nicht im Körper bleiben, da aus diesen giftige Inhaltsstoffe auslaufen und die Schleimhaut schädigen können. Auch Magnete müssten demnach schnellstmöglich wieder zurückgeholt werden. Denn diese können im Körper aneinanderhaften und dadurch z.B. Gewebe einklemmen und lebensgefährliche Verletzungen hervorrufen.

Unbedingt auf mögliche Warnsignale achten
Die neue Leitlinie liefere Anhaltspunkte, in welcher Situation wie gehandelt werden sollte, doch letztlich müsse der Arzt immer den Einzelfall beurteilen, so Meining. „Gerade bei verschluckten Gegenständen ist es wichtig, dass Arzt und Patient aufmerksam sind und mögliche Symptome wie Würgereiz, Erbrechen, Schmerzen oder Unwohlsein erkennen und richtig einordnen“, betont der Experte. (nr)

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