Versicherung haftet nicht für PIP-Brustimplantate

Fabian Peters

Allianz-Versicherung lehnt Kostenübernahme für minderwertige Brustimplantate ab

04.01.2012

Der Skandal um die minderwertigen Brustimplantate des mittlerweile nicht mehr existenten französischen Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) zieht immer weitere Kreise. Nun hat sich die Allianz als Versicherer von PIP gegen eine Kostenübernahme für die entstandenen Schäden ausgesprochen.

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Denn wie die „Financial Times Deutschland“ unter Berufung auf die Aussage eines Unternehmenssprechers der Allianz am Mittwoch berichtete, geht die Versicherung davon aus, dass der Vertrag mit PIP wegen falscher Angaben ungültig ist. Die Allianz beziehungsweise deren französisches Tochterunternehmen, dass die Versicherung von PIP übernommen hatte, sei daher nicht dazu bereit, die Haftung für die minderwertigen Silikonimplantate zu übernehmen.

Falsche Angaben des Brustimplantat-Herstellers bei Versicherungsabschluss
Nach Ansicht der Allianz hat PIP bei Abschluss der Versicherung wissentlich falsche Angaben gemacht, weshalb der Vertrag ungültig sei und die Kosten für die Folgeschäden durch minderwertige Brustimplantate nicht von dem Versicherungskonzern übernommen werden. Zwar sei der mittlerweile insolvente Hersteller PIP bei der französischen Tochter des Münchner Allianz Konzerns von 2005 bis 2010 versichert gewesen. Doch für die Schäden durch in dieser Zeit ausgelieferte minderwertige Silikonimplantate will die Versicherung nicht aufkommen, berichtete die „Financial Times Deutschland“. Durchaus verständlich, drohen der Versicherung doch immense Schadensersatzforderungen angesichts der weltweit rund 300.000 Frauen, die in den vergangenen Jahren mit einem minderwertigen Silikonimplantate von PIP versorgt wurden.

Minderwertiges Silikon in Brustimplantaten verarbeitet
Das französische Tochterunternehmen der Allianz hatte bereits im Jahr 2010 den Insolvenzverwalter von PIP verklagt und die wissentlich falschen Angaben beim Versicherungsabschluss moniert. Eine erste Anhörung in dem entsprechenden Verfahren soll am am 02. Februar stattfinden. Wie die „Financial Times Deutschland“ berichtet hatte das „Bureau Central de Tarification“ die Allianz-Tochter ursprünglich zu der Versicherung von PIP aufgefordert. Die französische Behörde organisiere die Versicherung für Unternehmen, die aufgrund des hohen Risikos keine andere Deckung finden, erklärte die „Financial Times Deutschland“. Welche Folgen der Versicherungsabschluss haben könnte, war damals jedoch kaum abzusehen. Denn dass PIP minderwertiges Silikon in seinen Brustimplantaten verarbeitete, wodurch die Silikonkissen anfälliger für Risse waren und vermehrt erhebliche gesundheitliche Komplikationen bei den Patientinnen auftraten, wurde erst sehr viel später bekannt.

Weltweit bis zu 300.000 Frauen betroffen
Insgesamt sollen weltweit bis zu 300.000 Frauen ein minderwertiges Silikonimplantate der Firma PIP in ihrer Brust tragen. Insbesondere in Lateinamerika aber auch in Frankreich wurden die Implantate häufig verwendet. In anderen europäischen Ländern kamen PIP-Brustimplantate zwar ebenfalls zum Einsatz, jedoch in deutlich geringerem Umfang. In Frankreich hatten die staatlichen Gesundheitsbehörden jüngst rund 30.000 betroffene Patientinnen dazu aufgefordert, sich die Implantate wieder entfernen zu lassen, um weitere gesundheitliche Folgen zu vermeiden. Die Kosten hierfür sollen die Krankenkassen übernehmen. Wie viele Frauen in Deutschland ein PIP-Brustimplantat erhielten, ist bisher nicht abschließend geklärt. Derzeit bemühen sich die Behörden, einen Überblick über die Zahl der Betroffenen zu gewinnen. Ersten Erkenntnissen zufolge sollen die minderwertigen Brustimplantate allein in Baden-Württemberg in mindestens zehn Kliniken verwendet worden sein.

Brustimplantate vermehrt gerissen und Ursache von Entzündungen
Offenbar aus reiner Profitgier hatte PIP bei der Herstellung der Brustimplantate keine hochwertiges Silikon, dass für medizinische Zwecke vorgesehen ist, verwendet, sondern auf eine billigere Variante des deutschen Chemikalienhändlers Brenntag zurückgegriffen. Wie ein Sprecher des Chemikalienhändlers am Dienstag bestätigte, wurde PIP mit dem Industrie-Silikon „Baysilone“ beliefert, welches unter anderem als Dichtungsmasse in der Baubranche bekannt sei. Dem Unternehmenssprecher zufolge sei PIP bei der Auslieferung jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass das Silikon ausschließlich für industrielle Zwecke genutzt werden dürfe. Dennoch hatte der französische Hersteller das minderwertige Material für die Produktion von Silikonimplantaten genutzt, mit fatalen Folgen für die Gesundheit der Betroffenen. Die Implantate sind vermehrt gerissen und viele Frauen erlitten infolgedessen schwere Entzündungen. Auch ein möglicherweise erhöhtes Krebsrisiko durch das minderwertige Silikongel wird derzeit noch untersucht. (fp)

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Bild: Rainer Sturm / pixelio.de