Verunreinigtes OP-Besteck am Klinikum Fulda

Fabian Peters

Verunreinigtes Operationsbesteck am Klinikum Fulda

17.01.2011

Am Klinikum Fulda wurden verunreinigte OP-Bestecke entdeckt. Nachdem das Krankenhaus bereits 2007 deutschlandweit für Aufsehen gesorgt hatte, als es aufgrund von Mängeln in der Hygiene zu knapp 300 Salmonellen-Infektionen und anschließend auch noch zur Ausbreitung der Legionellen kam, steht die Klinik nun aufgrund der Funde von Flugrost und Blutresten auf dem OP-Besteck in der Kritik.

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Nach Salmonellen und Legionellen nun Verunreinigungen der Operationsbestecks
Nach dem Hygiene-Skandal 2007 hatte die Klinikleitung in Fulda mit der Einstellung eines leitenden Hygiene-Arztes reagiert und gehofft, die offensichtlichen Probleme in den Griff zu bekommen. Wenig erfolgreich, wie sich nun zeigt. Bei einer Routine-Untersuchung wurde verunreinigtes Operationsbesteck in der Zentralsterilisation des Krankenhauses entdeckt. Eigentlich sollen hier sämtliche Operationsinstrument desinfiziert und entkeimt werden, doch wie am Samstag bekannt wurde sind bereits im September erstmals Probleme mit Blutresten und Flugrost aufgetreten. Seither sind die Verunreinigungen des OP-Besteckes den Angaben der Klinikleitung zufolge zwar nicht häufig, aber doch dauerhaft aufgetreten – mit deutlicher Zunahme gegen Ende Dezember.

180.000 OP-Bestecke werden überprüft
Daher werden nun seit Freitag rund 180.000 OP-Bestecke in der Sterilisation des Klinikums Fulda überprüft und der OP-Betrieb ist, mit Ausnahme der Notfallbehandlungen, eingestellt. Rund 90 Prozent der geplanten Operationen können derzeit nicht durchgeführt werden, hieß es von Seiten des Klinikums. Um ähnliche Probleme zukünftig zu vermeiden, werde die Zentralsterilisation in den kommenden Monaten komplett neu aufgebaut, so die Verantwortlichen des Klinikums am Sonntag im Rahmen einer Pressekonferenz. Denn die Verunreinigungen sind offenbar doch weitreichender als vorerst angenommen. „Wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass durch Korrosion der gesamte Aufbereitungsbestand, also nicht nur die Instrumentarien, sondern auch Maschinen verseucht sind“, betonte Klinikvorstand Harald Jeguschke. Allerdings würden sich die entdeckten Mängel lediglich auf den technisch sehr komplexen Bereich der Zentralsterilisation beziehen, so Jeguschke weiter. Doch von hier aus wurden auch andere Kliniken mit den vermeintlich sterilen Instrumenten versorgt. So ist beispielsweise das Herz-Jesu-Krankenhaus in Fulda als Kunde der Sterilisationsabteilung ebenfalls betroffen.

Maschinen der Zentralsterilisation werden ausgetauscht
Da auch die Maschinen in der Zentralsterilisation Verunreinigungen aufwiesen, werden diese nach Angaben des Klinikums in den kommenden vier Monaten vollständig ersetzt, wobei durch den Kauf neuer Instrumente und Maschinen mit Kosten von rund vier Millionen Euro zu rechnen sei. Um die Versorgung der Patienten des Klinikums Fulda zu gewährleisten, haben Krankenhäuser aus ganz Hessen ihre Hilfe zugesagt, betonte Klinikvorstand Jeguschke. So werde die Klinik mit frischen, sterilen OP-Bestecken aus anderen Krankenhäusern für die zwingender Maßen erforderlichen Notfalloperationen versorgt und ansonsten übernehmen die anderen Kliniken auch die in Fulda geplanten Operationen. Die Leitung des Klinikums Fulda geht jedoch davon aus, dass der OP-Betrieb in den kommenden Tagen schrittweise wieder zum Normalbetrieb übergehen könne. Durch die entdeckten Verunreinigungen habe zu keiner Zeit eine Gesundheitsgefahren für die Patienten bestanden, so die Klinik-Leitung weiter.

Hygiene-Mängel durch Absichtlich verschmutzte Testinstrumente
Angesichts der neuerlichen Hygiene-Mängel am Klinikum Fulda betonte der Fuldaer Oberbürgermeister, Gerhard Möller (CDU), welcher auch Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums ist, am Sonntag: „Das ist mit Sicherheit keine kleine Panne, das ist keine Lappalie. Natürlich ist das immer ein ernster Vorgang, wenn Hygiene-Mängel sichtbar werden.“ Allerdings sei der Mangel selbst entdeckt worden und das Klinikum habe nichts zu verbergen, denn schließlich habe man aus dem drei Jahre zurückliegenden Salmonellen-Skandal gelernt, erläuterte der Fuldaer Oberbürgermeister. Auch Klinik-Vorstand Jeguschke bezeichnete die aktuellen Funde als „mittlere Katastrophe“ und ergänzte, dass er die Situation als Vorstand und als Mensch „höchst bedrückend“ empfinde. Wie es genau zu den Verunreinigungen kommen konnte, ist allerdings bisher nicht klar. Der Vorstand der Krankenversorgung am Klinikum Fulda, Winfried Fassbinder, geht davon aus, dass der Rost mit absichtlich verschmutzten Testinstrumenten in das gesamte System gelangt sei – Einzelheiten wollte er jedoch nicht nennen.

Ausbreitung multiresistenter Erreger durch Hygiene-Mängel
Immer wieder treten in Klinken Missstände in der Hygiene auf, die für die Ausbreitung gefährlicher Keime verantwortlich sind. So sind Infektionen mit gesundheitsgefährdenden Keimen im Zuge eines Krankenhausaufenthalts hierzulande keine Seltenheit. Dabei stellen insbesondere die multiresistenten Erreger (MRSA), welche nicht mehr auf die Behandlung mit den gängigen Antibiotika reagieren, ein ernsthaftes Problem dar. Die mangelnde Einhaltung der Hygienevorschriften ist hier einer der wesentlichen Gründe für das gehäufte Auftreten der MRSA. (fp)