Verunsicherung durch Beipackzettel

Fabian Peters

Beipackzettel verunsichern die Patienten

16.07.2011

Die Beipackzettel der Arzneimittel führen bei den Patienten eher zur Verunsicherung, anstatt als hilfreiche Information wahrgenommen zu werden, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der
Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA).

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Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hat 3.300 Bundesbürger nach ihren Erfahrungen mit den Beipackzetteln befragt und dabei herausgefunden, dass ein Großteil die Erklärungen als zu kompliziert und ausführlich empfindet. Darüber hinaus machen die beschriebenen Nebenwirkungen vielen Befragten Angst und führen zur Verunsicherung der Patienten, so das Ergebnis der ABDA-Umfrage.

Jeder Zweite wird durch die Beipackzettel verunsichert
Bei der aktuellen Erhebung haben 58 Prozent der 3.300 Befragten angegeben, dass sie die Beipackzettel der Arzneimittel als zu kompliziert und ausführlich empfinden. Außerdem seien die Informationen oft unverständlich und wegen der besonders kleinen Druckweise schlecht lesbar, so die Einschätzung jedes zweiten Studienteilnehmers. Darüber hinaus gaben 37 Prozent der Probanden an, dass ihnen die Beipackzettel Angst machen. Bei den Studienteilnehmern im Alter über 65 Jahren fühlten sich sogar 49 Prozent der Befragten durch die Beipackzettel verängstigt. Der ABDA-Vizepräsident Friedemann Schmidt erklärte daher, dass bei möglichen Verunsicherungen durch „ die lange Liste der möglichen Nebenwirkungen“ Betroffene unbedingt mit einem „Arzt oder Apotheker darüber sprechen“ sollten. Zwar seien die beschriebenen Nebenwirkungen für die Patienten oft erschreckend, doch in einem Beratungsgespräch können mögliche Unwägbarkeiten laut Aussage der Experten sehr viel genauer erörtert werden, als auf einem Beipackzettel im Kleingedruckten. In jedem Fall sei ein Beratungsgespräch „besser, als Medikamente gar nicht einzunehmen oder die Behandlung vorzeitig abzubrechen“, warnte der ABDA-Vizepräsident.

Angaben zu den Nebenwirkungen oft verwirrend
Die geäußerte Kritik der Patienten ist nach Ansicht von Friedemann Schmidt auch darauf zurückzuführen, dass die Hersteller sämtliche bekannten Nebenwirkungen inklusive deren Häufigkeit angeben müssen. Dabei würden sich jedoch die Angaben auf den Beipackzetteln wie „häufig“ oder „gelegentlich“ vom allgemeinen Sprachgebrauch unterscheiden, so dass dies bereits zur Verwirrung bei den Patienten führen könne. Denn die Angabe „häufig“ bedeutet laut Aussage des ABDA-Vizepräsidenten bei den Nebenwirkungen, dass von einhundert Patienten höchstens neun entsprechende Symptome entwickelt haben. Nebenwirkungen die mit „selten“ angegeben werden, sind höchstens bei einem von eintausend Anwendern zu verzeichnen, erläuterte Schmidt. Da das Problem den Medizinern und Apotheker durchaus bewusst ist, haben die ABDA und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bereits Frühjahr 2011 ein umfangreiches Zukunftskonzept vorgestellt, mit dessen Hilfe die Verunsicherung der Patienten reduziert und die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) verbessert werden soll. Als mögliche Maßnahme wird dabei unter anderem vorgeschlagen, dass Ärzte zukünftig nicht die Medikamente direkt sondern lediglich Wirkstoffe und die Rahmenbedingungen zu deren Verwendung (Menge, Darreichungsform) bestimmen sollen. Die Apotheker würden anschließend die Auswahl der passenden Präparate für die Patienten treffen. (fp)