Viele Ärzte in Kliniken verkennen ernste Anzeichen bei Herzinfarkten

Alexander Stindt
Bessere Erkennung von Frühwarnzeichen könnte vielen Menschen das Leben retten
Bei einem Herzinfarkt ist es besonders wichtig, dass Frühwarnzeichen möglichst schnell erkannt werden. So ist es dann möglich, dass den Betroffenen eine optimale Behandlung zukommt. Englische Forscher fanden jetzt aber heraus, dass die Frühwarnzeichen für eine solche Erkrankung bei vielen Erkrankten von Ärzten und Krankenhausmitarbeitern leider nicht erkannt werden.

Die Wissenschaftler des Imperial College London stellten bei einer Untersuchung fest, dass bei vielen Menschen die Frühwarnzeichen für einen Herzinfarkt in Krankenhäusern nicht erkannt werden. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „The Lancet“.

Immer wieder versterben Menschen an den Folgen eines Herzinfarktes. Scheinbar sind viele dieser Tode vermeidbar. Das Problem dabei ist, dass viele Frühwarnzeichen nicht erkannt werden. (Bild: hriana/fotolia.com)

In Krankenhäusern werden wichtige Frühwarnzeichen nicht richtig erkannt
Scheinbar erkennen Ärzte häufig nicht die Vorzeichen für einen Herzinfarkt. Dadurch verstirbt dann etwa einer von zehn Patienten in englischen Krankenhäusern an einem tödlichen Herzinfarkt, erklären die Autoren der Studie. Für ihre Untersuchung analysierten die Mediziner die Herzinfarkte und damit zusammenhängenden Todesfälle in Krankenhäusern zwischen dem Jahr 2006 und dem Jahr 2010.

16 Prozent der Verstorbenen hatten zuvor ein Krankenhaus aufgesucht
Die Experten vom Imperial College London stellten fest, dass etwa 16 Prozent der Verstorbenen innerhalb der letzten 28 Tage ein Krankenhaus aufgesucht hatten. Einige davon wiesen bereits Warnzeichen auf, zu diesen gehörten beispielsweise Brustschmerzen. Mehr Forschung zu diesem Thema wird dringend benötigt, erklären die Wissenschaftler.

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Mediziner untersuchen 135.950 Todesfälle aufgrund eines Herzinfarktes
Insgesamt betrachteten die Forscher die Krankenhausaufzeichnungen aller 135.950 Todesfälle in England, welche über einen Zeitraum von vier Jahren aufgrund von Herzinfarkten entstanden. Die Aufzeichnungen zeigten dabei, ob die betroffenen Personen in den letzten vier Wochen vor ihrem Tod in ein Krankenhaus eingeliefert worden waren und ob Anzeichen eines Herzinfarktes als Hauptgrund für die Einweisung, als Nebengrund oder sogar überhaupt nicht aufgezeichnet wurden, erläutern die Wissenschaftler.

Bei 21.677 Patienten lag keine Erwähnung von Symptomen eines Herzinfarktes vor
Die Auswertung der vorhandenen Daten ergab, dass bei 21.677 Patienten keine Erwähnung von Symptomen eines Herzinfarktes in den Krankenhausaufzeichnungen notiert wurden. Ärzte sind sehr gut bei der Behandlung von Herzinfarkten, wenn diese die Hauptursache für die Einweisung in ein Krankenhaus sind, sagen die Forscher. Die Situation sieht allerdings schon ganz anders aus, wenn ein Herzinfarkt nicht die Hauptursache für eine Krankenhauseinweisung ist. Es fällt Ärzten und Mitarbeitern in Krankenhäusern schwer, wenn sie einen Herzinfarkt aufgrund von subtilen Zeichen erkennen müssen, erklärt die Autorin Dr. Perviz Asaria vom Imperial College London.

Was sind typische Symptome eines Herzinfarktes?
Wenn mehr solcher Zeichen frühzeitig erkannt würden, wäre es dadurch möglich, dass viele unnötige Tode als Folge von Herzinfarkten vermieden würden, erläutern die Mediziner. Zu den typischen Symptomen zählen beispielsweise:
Brustschmerzen (Ein Gefühl von Druck oder Enge in der Mitte der Brust)
– Schmerzen in anderen Teilen des Körpers (Beispielsweise ein Schmerz der sich von der Brust in die Arme ausbreitet, wobei normalerweise der linke Arm betroffen ist. Die Schmerzen können aber auch den Kiefer, den Hals, den Rücken und den Bauch betreffen)
– Schwindelgefühle
– Schwitzen
– Kurzatmigkeit
– Übelkeit und Erbrechen
– Überwältigende Angstgefühle (ähnlich wie bei Panikattacken)
– Husten und Keuchen

Nicht immer sind auftretende Brustschmerzen dominant
Die auftretenden Schmerzen in der Brust sind meist sehr stark, es gibt aber auch manche Fälle, bei denen nur geringe Schmerzen auftreten, ähnlich wie bei Verdauungsstörungen, sagen die Experten. In einigen Fällen kann es sogar zu gar keinen Brustschmerzen kommen, vor allem bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes.

Symptome können schon ein Monat vor einem tödlichen Herzinfarkt auftreten
Bestimmte Symptome wie Ohnmacht, Kurzatmigkeit und Schmerzen in der Brust traten meist bis zu einem Monat vor dem Tod bei einigen Patienten auf. Ärzte reagieren nicht immer richtig auf diese Symptome eines tödlichen Herzinfarktes, weil es zu diesem Zeitpunkt noch keine offensichtlichen Schäden am Herz gibt, erklären die Autoren.

Weitere Forschung ist nötig
Wir können noch nicht genau sagen, warum diese Zeichen häufig übersehen werden. Aus diesem Grund müssen weitere detailliertere Untersuchungen zu dem Thema durchgeführt werden, betonen die Forscher. Nur so können effektive Empfehlungen für einen Wandel gemacht werden, sagt Professor Majid Ezzati vom Imperial College London.

Aktualisierte Anleitung von medizinischen Fachkräften ist nötig
Diese könnten dann zu einer aktualisierten Anleitung für medizinische Fachkräfte führen. Beispielsweise könnten sich Ärzte dann mehr Zeit zur Überprüfung der Patienten nehmen und gerade die früheren Aufzeichnungen auf typische Anzeichen für einen Herzinfarkt untersuchen. Die Ergebnisse der Studie zeigen klar, dass eine große Anzahl von Menschen, die später an einem Herzinfarkt sterben, im Monat zuvor ein Krankenhaus besucht haben. Bei den Betroffenen wurde aber keine Herzerkrankung diagnostiziert, fügt der Professor hinzu.

Eine schnelle und genaue Diagnose muss in Zukunft gewährleistet werden
Viele Herzinfarkte äußern sich durch die klassischen Schmerzen in der Brust bei Menschen, welche Raucher sind und andere Risikofaktoren für Herzerkrankungen aufweisen. Eine große Menge von Herzinfarkten präsentiert sich allerdings komplett anders, gerade bei Menschen mit einem nicht so offensichtlich hohen Risiko, sagen die Experten. Die Herausforderung besteht darin, alle diese Patienten genau und schnell zu diagnostizieren. Nur so kann Betroffenen die optimale Pflege garantiert werden. (as)