Viele Versicherte unzufrieden mit der PKV

Fabian Peters

Viele Mitglieder der PKV bereuen den Versicherungswechsel

04.04.2011

Die privaten Krankenversicherungen (PKV) werden von der schwarz-gelben Bundesregierung immer wieder als beispielhaft angeführt, wenn es um die effiziente Absicherung von Gesundheitsrisiken geht. Doch das Urteil der Versicherten fällt hier offenbar anders aus, als das der Politik.

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Zahlreiche privat Versicherte sind mit ihrer Krankenversicherung offenbar nicht zufrieden und würden den Versicherungswechsel am liebsten rückgängig machen. Zehn Prozent der privat Versicherten würden einer repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest zufolge „auf keinen Fall“ mehr in die private Krankenversicherung wechseln, wenn sie die Entscheidung erneut treffen könnten. Doch wer der gesetzlichen Krankenversicherung einmal den Rücken gekehrt hat, für den ist der Wiedereintritt ins gesetzliche Krankenversicherungssystem dauerhaft verschlossen.

Ein Drittel der Privatversicherten zweifelt am Wechsel
Im Auftrag der gesetzlichen Krankenkasse Barmer GEK hat das Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest eine repräsentative Umfrage durchgeführt, von deren Ergebnissen die „Frankfurter Rundschau“ nun erste Einzelheiten veröffentlichte. Ziel der Umfrage war ein Vergleich der Einstellung der Krankenversicherten gegenüber den beiden Versicherungssystemen. Das Ergebnis überrascht. Während die privaten Krankenversicherungen bei vielen gesetzlich Versicherten (ähnlich wie in der Politik) einen guten Stand haben und jeder Fünfte gesetzlich Versicherte den Wechsel in die private Krankenversicherung für „äußerst attraktiv“ oder „attraktiv“ hält, zeigten sich die Privatpatienten von ihren Versicherungen weit weniger überzeugt. Zehn Prozent der privat Versicherten betonten im Rahmen der Umfrage, dass sie „auf keinen Fall“ mehr in die private Krankenversicherung wechseln würden, wenn die Entscheidung erneut zu treffen wäre. Acht Prozent der Befragten würden die Versicherung „wahrscheinlich“ nicht mehr wechseln und für zehn Prozent käme der Versicherungswechsel „eventuell“ noch in Frage. Insgesamt hat somit rund ein Drittel der Privatversicherten Zweifel daran, ob die Entscheidung zum Wechsel in die PKV der richtige Weg war.

Beitragerhöhungen der PKV häufigster Grund für Verärgerung
Insbesondere der enorme Anstieg der Versicherungsprämien sorgt den Ergebnissen der Aktuellen Umfrage zufolge unter den Privatversicherten für erhebliche Verärgerung. Rund 15 Prozent der Befragten zeigten sich über die teilweise drastischen Beitragssteigerungen unzufrieden, wobei unter den gesetzlich Versicherten lediglich acht Prozent über die aktuelle Anhebung der Beiträge verärgert waren. Obwohl im Jahr 2011 die Beiträge zur gesetzlichen Versicherung von 14,9 auf 15,5 Prozent gestiegen und teilweise außerdem Zusatzbeiträge zu entrichten sind, haben die gesetzlich Versicherten offenbar weit weniger Probleme mit der Höhe ihre Beitragszahlungen als die Privatversicherten. Die ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass bei den privaten Krankenversicherungen die Prämien zwischen 1997 und 2008 im Schnitt um 55 Prozent gestiegen sind, während bei den gesetzlichen Versicherungen die Beitragerhöhungen im gleichen Zeitraum lediglich bei 32 Prozent lagen. Aufgrund der erheblichen Kostenprobleme bei der PKV wurden die Beiträge allein Anfang 2011 im Schnitt um 3,5 bis 7,5 Prozent angehoben, wobei in den neu abzuschließenden Tarifen die Beiträge so stark wie noch nie gestiegen seien, berichtet die „Frankfurter Rundschau“.

Nicht übernommene medizinische Leistungen Ansatz für Kritik
In beiden Versicherungssystemen sind die Versicherten jedoch gleichermaßen darüber verärgert, das bestimmte Leistungen nicht übernommen werden, so das Ergebnis der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest. Obwohl in der Bevölkerung die Annahme weit verbreitet ist, das privat Versicherte grundsätzlich äußerst umfassende Leistungsansprüche gelten machen können, seien mit sieben Prozent annähernd so viele Versicherte der PKV darüber verärgert, dass bestimmte Leistungen nicht bezahlt werden, wie in der gesetzlichen Krankenversicherung (acht Prozent). Außerdem zeigten sich den Ergebnissen der aktuellen Umfrage zufolge die Privatversicherten wenig überzeugt vom Prinzip der Kostenerstattung. Ein Drittel der Befragten beurteilte dies als eher nachteilig, da teilweise hohe Beträge für medizinische Leistungen vorfinanziert werden müssten und ein hoher Zeit- und Verwaltungsaufwand entstehe. Außerdem seien die Rückerstattungsverfahren umständlich und langwierig, begründeten die Privatversicherten ihre Ablehnung des Kostenerstattungsprinzips. Lediglich die Hälfte der Privatversicherten beurteilte in der aktuellen Umfrage die Aufstellungen über Leistungen und Kosten als nachvollziehbar.

Kostentransparenz durch Kostenerstattungsprinzip?
Von der Bundesregierung wird das Prinzip der Kostenerstattung hingegen als wesentlicher Faktor zur Schaffung von mehr Kostentransparenz im Gesundheitswesen und einem höheren Kostenbewusstsein der Versicherten betrachtet. So soll die Kostenerstattung auf freiwilliger Basis auch auf die gesetzlichen Krankenversicherungen übertragen werden. Die gesetzlich Versicherten lehnen das Kostenerstattungsprinzip jedoch mit deutlicher Mehrheit von 64 Prozent ab, berichtet die „Frankfurter Rundschau“. Allerdings sehen auch die Kassenpatienten einen erhöhten Bedarf nach Kostentransparenz. So forderten im Rahmen der aktuellen Umfrage 59 Prozent der gesetzlich Versicherten generell mehr Transparenz bei der Abrechnung medizinischer Leistungen und 29 Prozent wünschen sich eine Verbesserung in Einzelfällen.

PKV rechnet weiter mit Mitgliederzuwachs
Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen die Einschätzung kritischer Experten, dass von einem übereilten Wechsel in die PKV – trotz der seit Anfang 2011 deutlich erleichterten Wechselbedingungen – dringend abzuraten sei. Denn eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist anschließend ausgeschlossen und die vermeintlichen Vorteile, entpuppen sich im Nachhinein häufig als Fehleinschätzungen, wie die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest bestätigt. Insbesondere die Beitragssteigerungen können dabei mit zunehmendem Alter und wachsenden gesundheitlichen Beschwerden der Versicherten, zu einer erheblichen finanziellen Belastung werden. Der Vorsitzende des Verbandes der privaten Krankenversicherung, Reinhold Schulte, rechnet im kommenden Jahr dennoch mit einem deutlichen Anstieg der Versicherungswechsel in Richtung PKV, da der Wechsel seit Anfang des Jahres vom Gesetzgeber deutlich erleichtert wurde. Im vergangenen Jahr stieg die Anzahl der Mitglieder bei den privaten Krankenversicherern um rund ein Prozent auf momentan insgesamt 8,9 Millionen Versicherte. „Im laufenden Jahr dürfte das Neugeschäft“ nach Einschätzung von Reinhold Schulte jedoch deutlich „besser ausfallen“.

Kritiker fordern Abschaffung der PKV
Das Ergebnis der aktuellen Umfrage bestärkt die Kritiker der PKV in ihrer ablehnenden Haltung. Athansios Drougias von der Barmer GEK betonte: „Die private Krankenversicherung ist teuer, bietet keine bessere Versorgung und verursacht bei vielen Versicherten Ärger und Unzufriedenheit“. Außerdem sei die private Krankenversicherung ohne staatliche Beihilfen nicht überlebensfähig und „sollte (…) in ihrer jetzigen Form abgeschafft werden“, erklärte Drougias. Die gesetzlichen Krankenversicherer sehen sich in ihrer Position bestätigt und der Sprecher der Barmer GEK forderte auf Basis der aktuellen Umfrage- Ergebnisse, dass „die Krankenvollversicherung (…) ausschließlich den gesetzlichen Krankenkassen vorbehalten werden“ sollte, während „die Privaten (…) sich auf das Geschäft mit Zusatzversicherungen konzentrieren“ können. Bei der Unterstützung, die die PKV im Rahmen der Gesundheitsreform durch die Bundesregierung erfahren hat, eventuell eine etwas unrealistische Forderung, da eine Abkehr vom privaten Krankenversicherungsmodell von der schwarz-gelben Regierungskoalition eher nicht zu erwarten ist. (fp)