Viren als Auslöser für Antibiotika-Allergie?

Fabian Peters

Antibiotika-Allergie: "Erwachende Viren" als Auslöser?

(13.09.2010) Antibiotika- und Antiepileptika-Allergien sind keine Überreaktion des Immunsystems auf das Arzneimittel, sondern werden durch Herpes- oder Epstein-Barr-Virus ausgelöst, die zuvor „schliefen“. Dies berichten französische Wissenschaftler von der Uniklinik für Dermatologie, Rouen, in der Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“.

Durch die Einnahme von Antibiotika oder Antiepileptika werden bei manchen Menschen heftige allergische Reaktionen ausgelöst, wobei ungefähr drei Wochen nach Einnahme des Medikaments bei den Betroffenen die ersten Symptome wie Hautausschlag und Fieber auftreten. Die Intensität der Reaktion variiert stark und führt bei manchen Patienten zu schweren infektionsähnlichen Leiden, die in etwa 10 Prozent der Fälle den Tod des Patienten zur Folge haben. Als Ursache wurde bisher stets eine direkte Reaktion des Organismus auf die entsprechenden Arzneimittel vermutet.

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Das Forscherteam um den Studienleiter Philippe Musette, hat im Rahmen seiner Untersuchung 40 Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegen Antibiotika und Antiepileptika untersucht. Dabei konnten sie jetzt erstmals belegen, dass die allergische Reaktion nicht auf dem Arzneimittel an sich beruht. Vielmehr „erwachen“ durch die Einnahme der Medikamente bestimmte Viren, die ohnehin latent im Körper vorhanden waren und der Organismus reagiert darauf mit allergischen Symptomen. So haben die Forscher bei 76 Prozent der Patienten eine Vermehrung des Epstein-Barr-Virus (EBV) und / oder bestimmter Herpes-Viren im Blut festgestellt. Zudem wurden die Immunzellen, T-Lymphozyten des CD8+-Typs, aktiviert und stießen große Mengen entzündungsfördernder Botenstoffe aus. Dabei reagierte ein Großteil T-Lymphozyten spezifisch auf die Oberflächenproteine des Epstein-Barr-Virus. So werden , laut Aussage des Studienleiters Philippe Musette, bei Personen mit entsprechender genetischer Veranlagung, durch die Medikamente Viren reaktiviert, die bis dato im „Schlaf-Modus“ waren, was der ausschlaggebende Faktor für die Antibiotika- und Antiepileptika-Allergien der Patienten ist.

Diese Erkenntnisse kann bei der Behandlung der Betroffenen äußerst hilfreich sein, denn statt wie bisher die Antibiotika- bzw. Antiepileptika-Verabreichung bei Auftreten der Überreaktion strikt einzustellen, könnten in Zukunft die „erwachten“ Viren auch mit Corticosteroide (kurz:Corticoiden) oder bei sehr schwerwiegenden Symptomen mit Virostatika direkt bekämpft werden, um eine entsprechende Reaktion des Organismus zu vermeiden. (fp)

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