Virtuelle Therapie kann Menschen beim Überwinden ihrer Höhenangst helfen

Alexander Stindt

Wie wirkt sich eine virtuelle Therapie auf Höhenangst aus?

Einige Menschen entwickeln erst irgendwann im Laufe ihres Lebens Höhenangst, andere Personen haben bereits Angst vor Höhen in der Kindheit. Betroffene überkommt eine Panik, sobald sie sich an einem hohen Punkt befinden, unabhängig davon, ob sie gesichert sind oder nicht. Forscher haben jetzt herausgefunden, dass eine virtuelle Behandlung zur Therapie von Höhenangst verwendet werden kann.


Die Wissenschaftler der international anerkannten University of Oxford stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass eine virtuelle Therapie Menschen mit Höhenangst helfen kann, ihre Phobie zu überwinden. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „The Lancet Psychiatry“.

Eine virtuelle Therapie kann Menschen von ihrer Höhenangst heilen. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Viele Teilnehmer der Studie litten bereits seit über 30 Jahren an Höhenangst

Ein neues Virtual Reality (VR) Programm für Akrophobie (Höhenangst) wurde jetzt an Freiwilligen getestet. Bei der Untersuchung gab es eine Behandlungsgruppe und eine weitere Gruppe zur Kontrolle, erläutern die Mediziner. Die meisten Teilnehmenden litten bereits seit mehr als 30 Jahren an Angst vor Höhe. Die 44 Probanden der Behandlungsgruppe erhielten insgesamt fünf oder sechs 30-minütige Sitzungen der VR-Behandlung im Laufe von zwei Wochen.

70 Prozent der Probanden konnten von ihrer Höhenangst geheilt werden

Die bei der Studie festgestellten Ergebnisse waren durchaus signifikant, sagen die Experten. Ungefähr 70 Prozent der VR-Gruppe hatten nach der Behandlung keine Höhenangst mehr, während alle Menschen in der Kontrollgruppe, die keine Behandlung erhalten hatten, weiter unter Ängsten vor großen Höhen litten.

Wie lief die Simulation ab?

Der VR-Simulator versetzt Menschen in eine sichere Situation, in der sie lernen können, mit ihrer Angst umzugehen. Teilnehmende tragen dabei ein sogenanntes VR-Headset und werden gebeten, sich durch ein 10-stöckiges Gebäude zu bewegen und dort angsteinflößende Aufgaben zu erledigen, wie zum Beispiel den Blick über einen hohen Vorsprung, erklären die Wissenschaftler. Eine der schwierigsten Aufgaben war es, auf eine Plattform zu gehen, um dort eine Katze aus einem Baum zu retten.

Probanden sollten sich mit ihrer Angst auseinandersetzen

Die Studie sollte Aufgaben enthalten, welche Spaß machen und vor allem die Teilnehmenden dazu bringen, dass sie sich mit ihrer Angst auseinandersetzen müssen, erklärt Studienautor Professor Daniel Freeman von der University of Oxford. Die Übungen sollten den Probanden beibringen, sich auch in größeren Höhen sicher zu fühlen.

Es werden mehr Therapeuten und technologische Lösungen benötigt

Die Therapie wird auch von einem virtuellen Coach begleitet, welcher den Benutzer beruhigt und den Weg vorgibt. Einige Patienten könnten solch eine Behandlung einer direkten Behandlung mit einem Arzt vorziehen, mutmaßen die Experten. Dies könnte dem Gesundheitssystem in Zukunft eine Menge Kosten einsparen. Wir brauchen eine größere Anzahl an qualifizierten Therapeuten und nicht etwa weniger, erklären die Forscher. Um der großen Nachfrage nach psychischen Behandlungen gerecht zu werden, werden auch leistungsfähige technologische Lösungen benötigt, sagt Professor Freeman.

Einer von fünf Menschen leidet irgendwann an Höhenangst

Ein Pilot-Projekt der VR-Therapie wir jetzt zusammen mit einigen NHS-Kliniken begonnen. Hoffentlich wird diese Form der Behandlung ein nützlicher neuer Weg sein, welcher Menschen hilft ihre Ängste zu überwinden, fügt Professor Freeman hinzu. Höhenangst ist die wohl am häufigsten auftretende Phobie. Etwa einer von fünf Menschen leidet irgendwann in seinem Leben an Höhenangst. (as)