Virus führt zur Tötung von 255 Rindern im Rheiderland

Alexander Stindt

Mediziner warnen vor den Gefahren von BHV1

Im Rheiderland ist in verschiedenen Betrieben ein Virus mit der Bezeichnung BHV1 aufgetreten. Auf insgesamt zwei Höfen konnte bisher ein Ausbruch bestätigt werden. Bereits im Oktober hatte das Virus auf einem der Höfe dazu geführt, dass insgesamt 255 Rinder getötet werden mussten.

Das Rheiderland ist eine Gegend in Norddeutschland und den angrenzenden Niederlanden. Der deutsche Teil liegt in Ostfriesland. Mediziner konnten auf zwei Höfen den Ausbruch des Virus BHV1 bestätigen. Alle betroffenen Rinder wurden schnellstmöglich nach Einhaltung von rechtlichen Vorgaben und mit Zustimmung des Ministeriums vor Ort entweder eingeschläfert (114 Tiere) oder geschlachtet (141 Tiere). Es gab allerdings einige Tiere, welche bereits verendet waren, bevor die Experten sie einschläfern konnten. Glücklicherweise ist das Virus für Menschen ungefährlich.

In Ostfriesland wurden auf zwei Höfen Fälle des sogenannten BHV1-Virus festgestellt. Die betroffenen Rinder wurden aus Sicherheitsgründen eingeschläfert oder geschlachtet. (Bild: dietwalther/fotolia.com)

Quelle der Viruserkrankung immer noch unbekannt

Es gab auch einige Tiere, welche nicht von dem Virus betroffen waren. Diese wurden in einen weiteren Stall gehalten, welcher in einiger Entfernung zu den Höfen lag. Der betroffene Betrieb blieb so lange gesperrt, bis der Erreger nicht mehr festgestellt werden konnte. Zusätzlich wurde eine Reinigung und Desinfektion durch eine Fachfirma durchgeführt. Trotz intensiver epidemiologischer Nachforschungen ist die Quelle des Virus auch weiterhin unbekannt.

Virus für Menschen ungefährlich

Bei einem anderen Betrieb im Rheiderland wurden ebenfalls Proben genommen, um mögliche Infektionen mit dem Virus festzustellen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen stehen allerdings noch aus, erklärt der Sprecher des Landkreises Leer Dieter Backer gegenüber der Presse. Die Krankheit kann nur unter Tieren übertragen werden, für Menschen besteht keine Gefahr, weil das Virus für diese ungefährlich ist, sagen die Experten.

Was ist BHV1?

BHV1 ist die Abkürzung für das Bovine (rinderspezifische) Herpes Virus 1. Bereits seit dem Jahr 1997 ist diese Tierseuche nach dem Tierseuchenrecht eine anzeigepflichtige Erkrankung. Die Krankheit kann beim Verlauf unterschiedliche Formen annehmen. Manche Rinder zeigen auch keinerlei Anzeichen der Seuche, bei diesen ist die Infektion nur durch rechtlich vorgeschriebene Untersuchungen festzustellen. Es gibt ebenso Fälle, bei denen betroffene Rinder an Fieber und starken Entzündungen der oberen Atemwege leiden. Manche Tiere weisen auch sogenannte Verkalbungen auf, erläutert eine Amtstierärztin.

Infizierte Tiere tragen das Virus ein Leben lang in sich

Da es sich bei BHV1 um ein Herpesvirus handelt, wird ein infiziertes Tier ein Leben lang das Virus in sich tragen. In bestimmten Stresssituationen wie beispielsweise Kalbung, Krankheit oder Transport kann das Tier das Virus ausscheiden und so andere Rinder anstecken. Alle Mitglieder der Familie Herpesviridae besitzen diese Eigenschaft der Persistenz. Trotzdem ist die Tierseuche für Menschen ungefährlich.

Wie können sich Betriebe schützen?

Schon durch simple Änderungen der Betriebsabläufe und des Managements können Betriebe ihren Schutz vor einer BHV-1-Infektion erhöhen, sagen Experten vom Veterinäramt in Leer. Zu diesen gehöre beispielsweise das Aufstellen von sogenannten Desinfektionswannen vor den Zugängen zum Stall. Zusätzlich sollte auch ein Zutrittsverbot für betriebsfremde Menschen ausgerufen werden. Mitarbeiter müssen betriebseigene Schutzkleidung und Stiefel tragen. Betriebsfremde Besucher (beispielsweise Tierarzt oder Viehhändler) sollten spezielle Kleidung für einen einmaligen Einsatz nutzen. Wenn bestimmte Geräte (Viehtreibwagen) zusammen mit anderen Landwirten gemeinschaftlich verwendet werden, müssen die betroffenen Geräte natürlich nach jeder Nutzung gründlich gereinigt und desinfiziert werden. (as)