Vitamin A im Tierfutter verhindert Kuhmilchallergie

Alfred Domke

Vitamin A für Kühe als Hilfe gegen Milchallergie

Gesundheitsexperten zufolge leiden allein in Deutschland rund sechs Millionen Menschen an einer Nahrungsmittelallergie. Zu den Hauptauslösern bei Säuglingen und Kindern zählt Kuhmilch. Forscher aus Österreich haben nun herausgefunden, dass die allergischen Reaktionen durch ausreichend Vitamin A im Tierfutter verhindert werden könnten.


Immer mehr Menschen leiden an einer Nahrungsmittelallergie

Lebensmittelallergien nehmen seit vielen Jahren zu. Nach Schätzungen des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) sind allein in Deutschland rund sechs Millionen Menschen betroffen. Kuhmilch gehört laut den Experten zu den Hauptauslösern für eine Lebensmittelallergie bei Säuglingen und Kindern. Zwar klingt eine Kuhmilchallergie bis zum Erwachsenenalter meist ab, doch sie erhöht das Risiko weiterer Allergieerkrankungen. Wie eine Studie österreichischer Forscher nun zeigte, könnten die allergischen Reaktionen durch ausreichend Vitamin A im Tierfutter verhindert werden.

Bis zu fünf Prozent der Kinder in Europa leiden an einer echten Milchallergie. Die allergischen Reaktionen könnten laut einer neuen Studie durch ausreichend Vitamin A im Tierfutter verhindert werden. (Bild: Jenny Sturm/fotolia.com)

Kuhmilchallergie klingt bis zum Erwachsenenalter meist ab

Die Frage, ob Milch gesund oder schädlich ist, wird unter Fachleuten seit Jahren hitzig diskutiert.

Zwar gibt es Studien, die zu dem Schluss kommen, dass Milch gesund ist, weil sie durch das darin enthaltene Kalzium unter anderem vor Osteoporose schützen kann.

Allerdings gibt es auch Untersuchungen, die darauf hinwiesen, dass Milch möglicherweise Erkrankungen wie Asthma oder Diabetes begünstigt.

Zudem entwickeln manche Kleinkinder eine Kuhmilchallergie, die bis zum Erwachsenenalter zwar meist abklingt, aber das Risiko weiterer Allergieerkrankungen erhöht.

Allergische Reaktion kann verhindert werden

Die allergische Reaktion kann jedoch bereits durch das gute Zusammenspiel zweier Milchbestandteile verhindert werden.

Das zeigte eine Studie des interuniversitären Messerli Forschungsinstitutes der Vetmeduni Wien, der MedUni Wien und der Universität Wien.

Verbinden sich das wichtige Milch-Protein Bos d 5, auch beta-Lactoglobulin, und das Vitamin A Stoffwechselprodukt Retinsäure in der Kuhmilch, wird das Immunsystem nicht gegen das Eiweiß aktiv.

Die Ergebnisse der Studie wurden vor kurzem in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht.

Bis zu fünf Prozent der Kinder haben eine echte Milchallergie

Wie es in einer Mitteilung der Veterinärmedizinischen Universität Wien heißt, kommt eine echte Milchallergie bei etwa drei bis fünf Prozent der Kinder in Europa, seltener bei Erwachsenen vor.

Im Gegensatz zur mit der Erkrankung häufig verwechselten Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit), bei der durch das fehlende Enzym Laktat lediglich Milchzucker schlecht verdaut wird, reagiert in diesem Fall das Immunsystem selbst mit einem Abwehrmechanismus gegen Milchproteine.

Es kommt zur Bildung von speziellen Immunzellen, die Antikörper gegen die Milcheiweiße produzieren und damit eine potentiell viel gefährlichere allergische Reaktion auslösen.

Die österreichischen Forscher konnten nun zeigen, dass das die Bestandteile der Kuhmilch selbst unterbinden können.

Der Schlüssel ist, dass sich das für allergische Reaktionen relevante Milchprotein beta-Lactoglobulin die Retinsäure, ein Stoffwechselprodukt von Vitamin A, quasi in die Tasche steckt.

Dafür muss allerdings die ausreichende Versorgung der Kühe mit dem Vitamin, etwa durch viel Grünfutter, gewährleistet sein.

Körpereigene Abwehr gegen Milchproteine

Erkranken Kleinkinder an einer Allergie gegen Kuhmilch, so bilden sich in ihrem Körper mit Th2-Lymphozyten spezielle Immunzellen, die Antikörper produzieren, die als körpereigene Abwehr gegen Milchproteine gerichtet sind.

Eines der wichtigsten dieser sogenannten Milchallergene ist das Eiweiß Bos d 5 oder beta-Laktoglobulin. Dieses gehört zur Proteinfamilie der Lipokaline.

„Diese spezielle Eiweißfamilie besitzt molekulare Taschen die kleine Moleküle, wie eben die Retinsäure, die ein Stoffwechselprodukt von Vitamins A ist, aufnehmen können“, erklärt Erstautorin Dr. Karin Hufnagl.

„Unsere Untersuchungen zeigten, dass das „leere“ Milchprotein die Aktivierung von Th2-Lymphozyten unterstützt und damit eine allergische Reaktionskette in Gang setzt“, so Hufnagl.

Steckt es sich jedoch die Retinsäure sozusagen in die Tasche, dann reagieren die Immunzellen moderat, ohne allergische Immunreaktion.

„Eine adäquate Beladung des Milchproteins könnte damit verhindern, dass sich Kleinkinder oder auch Erwachsene sensibilisieren und eine Milchallergie ausprägen“, resümiert Studienleiterin Erika Jensen-Jarolim.

Auswirkungen einer Kuhmilchallergie

Milch und vor allem Kuhmilch ist laut den Forschern ein für die meisten Menschen zwar prinzipiell essentielles Nahrungsmittel.

Für Allergiker stellt sie jedoch ein Risiko dar, da sie neben Mund- oder Schleimhautschwellungen, Durchfälle oder die Verschlechterung einer Neurodermitis verursachen kann.

Letzteres ist auch der Grund, warum Gesundheitsexperten Betroffenen raten, Milchprodukte deutlich einzuschränken.

Manche Betroffene leiden nach dem Konsum von Kuhmilch auch unter Bauchschmerzen, Hautreaktionen wie Quaddeln, Blähungen und Müdigkeit.

In seltenen Fällen kann Kuhmilch zudem einen allergischen Schock hervorrufen. Außerdem birgt eine Kuhmilchallergie das Risiko auf weitere allergische Erkrankungen, wie ein atopisches Ekzem oder allergisches Asthma

Vermehrte Gabe von Grünfutter

„Eine ausreichende Versorgung der Milchproduzenten, sprich der Kühe, mit Vitamin A könnte diesem Effekt, ein harmloses Nahrungsmittel-Protein womöglich in ein Milch-Allergen umzuwandeln, entgegenwirken“, sagt Hufnagl.

Fraglich ist jedoch, ob der in der Studie gezeigte positive Effekt von Vitamin A, auch durch Nahrungsmittelzusätze erwirkt werden kann.

„Die Künstliche Ergänzung der Nahrung mit Vitaminen erzielt womöglich nicht die gleiche Wirkung wie natürliche Wirkstoffe und hat wahrscheinlich eine inadäquate Beladung des Milch-Allergens zur Folge“, so die Forscherin.

„Es gilt daher Vitamin A schon bei der Haltung oder Fütterung den Tieren in einem entsprechenden Ausmaß zuzuführen. Das kann etwa durch vermehrte Gabe von Grünfutter erreicht werden. Entsprechende Folgestudien müssen allerdings noch durchgeführt werden.“ (ad)