Vitamine: Was macht Orangensaft gesünder als frische Orangen?

Sebastian
Orangensaft ist sogar noch gesünder als Orangen
Orangen gelten als sehr gesund. Sie sind reich an Vitamin C und anderen wertvollen Inhaltsstoffen. Deutsche Forscher haben nun in einer Humanstudie festgestellt, dass der menschliche Körper die Nährstoffe aus pasteurisiertem Orangensaft deutlich besser aufnehmen kann als aus der frischen Frucht.
Saft gesünder als frische Orangen
Zwar gelten Orangen unter anderem aufgrund ihres hohen Anteils an Vitamin C als sehr gesund, doch in den vergangenen Jahren äußerten sich Experten auch kritisch über den Fruchtsaft und verwiesen darauf, dass die Säure in dem Obst schädlich für den Zahnschmelz sein kann. Wissenschaftler aus den USA berichteten vor kurzem sogar, dass Orangensaft das Hautkrebsrisiko erhöhen kann. Die meisten Experten verweisen jedoch auf die zahlreich enthaltenen Vitamine und andere gesunde Inhaltsstoffe. Deutschen Forschern ist es nun gelungen, in einer Humanstudie zu zeigen, dass Orangensaft gesünder als Orangen selbst ist.

Offenbar verträglicher: Orangensaft. Bild: cut- fotolia
Offenbar verträglicher: Orangensaft. Bild: cut- fotolia

Inhaltsstoffe können Krankheitsrisiko mindern
Bereits im März 2015 haben Wissenschaftler der Universität Hohenheim bei einer Studie mit einem in vitro-Modell im Labor festgestellt, dass Nährstoffe aus pasteurisiertem Orangensaft doppelt so gut vom Körper aufgenommen werden als aus der frischen Frucht. Nun konnten sie ihre Ergebnisse mit einer Humanstudie bestätigen. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal „Molecular Nutrition and Food Research“ und widerlegen damit die Ansicht vieler Kritiker, dass Orangensaft genauso ungesund sei wie Cola. Wie es in einer Pressemitteilung dazu heißt, ist die Orange ein wahres Nährstoff-Depot: Neben einer hohen Menge an Vitamin C enthält sie auch eine Vielfalt an Carotinoiden und Flavonoiden.

Diese beiden Nährstoffe werden damit in Verbindung gebracht, das Risiko von bestimmten Krebs- und Herzkreislauferkrankungen deutlich senken zu können. Als Antioxidantien schützen sie die Körperzellen vor schädlichen Umwelteinflüssen. Zudem spielen Carotinoide aufgrund ihrer Provitamin A-Aktivität eine wichtige Rolle in unserer täglichen Ernährung.

Orangensaft in der Kritik
Mit dem Ruf von Orangensaft sieht es hingegen etwas anders aus. Insbesondere wegen seines natürlichen Zuckergehalts sehen ihn manche Ernährungsberater kritisch. Der Doktorand Julian Aschoff und Prof. Dr. Dr. Reinhold Carle vom Lehrstuhl Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel der Universität Hohenheim wollten es ganz genau wissen. Im Frühjahr veröffentlichten sie eine Untersuchung mit einem in vitro-Modell, das nahelegte, dass Orangensaft eine bessere Quelle für Carotinoide darstellt als die Orange selbst. Diese Ergebnisse konnten sie nun mit einer Humanstudie mit zwölf Probanden bestätigen.

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Keine grünen und roten Lebensmittel
Zur Vorbereitung der randomisierten Crossover-Studie, in der nach dem Zufallsprinzip entweder zunächst die Orange oder der Orangensaft verzehrt wurde, mussten die Studienteilnehmer zunächst zwei Wochen völlig auf Carotinoide verzichten. Grüne und rote Lebensmittel wie Tomaten, Karotten oder Spinat waren im Verlauf des sogenannten „Wash-out“ vom Speiseplan gestrichen und durften nicht verzehrt werden, damit die im Körper gespeicherten Carotinoide ausgewaschen werden. Die Probanden erhielten anschließend einmal ein standardisiertes Frühstück mit Orangen und eines mit pasteurisiertem Orangensaft. Zwischen den zwei Testphasen lagen 14 Tage. Nach dem Frühstück wurden den Studienteilnehmern innerhalb von knapp zehn Stunden acht Blutproben entnommen und anschließend der Carotinoid-Gehalt bestimmt.

Doppelt so viele Carotinoide aufgenommen
„In der Humanstudie hat sich unsere Hypothese aus der in vitro-Studie voll bestätigt. Orangensaft ist eine bessere Carotinoid-Quelle als eine Orange“, erläuterte Julian Aschoff. „Bei unseren Untersuchungen konnten wir feststellen, dass aus pasteurisiertem Orangensaft ungefähr doppelt so viele Carotinoide aufgenommen werden wie aus einer handelsüblichen Orange.“ Laut Prof. Dr. Dr. Reinhold Carle, Inhaber des Lehrstuhls für Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel und Initiator der Studie, liegt das an der Produktion des Saftes: „Bei der Herstellung des Orangensaftes werden Ballaststoffe wie beispielsweise Pektin oder auch Cellulose teilweise abgetrennt. Diese Stoffe hemmen die Absorption von Carotinoiden während der Verdauung. In der Orange sind mehr unverdauliche Ballaststoffe enthalten als im Saft, weshalb die Aufnahme der Carotinoide aus der Frucht stark vermindert ist.“

Konsistenz spielt bei Nährstoffaufnahme eine Rolle
Aschoff zufolge spiele auch die Konsistenz eine Rolle bei der Nährstoffaufnahme: „Beim Zerkauen einer Orange wird die Frucht nie komplett zerkleinert. Viele Zellen bleiben so intakt und schließen die Carotinoide ein. Das erschwert ihre Aufnahme und Verwertung.“ Zudem enthält Orangensaft im Vergleich zu Cola weder das für Kinder ungeeignete Koffein noch die allgemein bedenkliche Phosphorsäure. Außerdem wird Orangensaft im Vergleich zu Erfrischungsgetränken, zu denen auch Cola zählt, in der Regel nicht zum Löschen des Durstes getrunken.

„Der Verzehr von Obst und Gemüse in Deutschland liegt weit unter der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung“, mahnten die Wissenschaftler. „Kaum ein Konsument hat Zeit, täglich genug Gemüse oder Früchte zu sich zu nehmen. In Maßen konsumiert, also ein Glas mit 200 ml pro Tag, kann Orangensaft so zu einer gesunden Ernährung beitragen und uns mit den Nährstoffen versorgen, die unser Körper benötigt.“ (ad)